Yamaha MT-125.
Yamaha MT-125. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk

Im Schwung

Yamaha MT-125

Von Daniele Carrozza
17.09.2014 18:31:30

Mit der kleinen MT-125 auf Basis der YZF-R125 eröffnet Yamaha das dritte Kapitel in seiner Neo-MT-Erfolgsstory.

Yamaha will dem Siegeszug der kleinen Duke-Modelle von KTM nicht weiter tatenlos zusehen und bringt mit der brandneuen MT-125 nun ebenfalls ein optisch verschärftes und komfortables Bike für jüngere Semester. Ab November soll sie verfügbar sein – mit ABS und für rund 6000 Franken.

Wir hatten mit der vifen Japanerin, die die überaus erfolgreiche "Master of Torque"-Familie nach unten abrundet und übrigens entgegen dem aktuellen Trend nach globalen Produkten explizit in und für Europa gebaut wird, bereits das Vergnügen. Und in Barcelona stand auch das Schwestermodell YZF-R125 bereit (siehe Kasten), mit dem sich die kleinste MT die technische Basis teilt. Ach ja: Beide Modelle dürfen in der Schweiz nach wie vor erst ab 18 Jahren gefahren werden, was noch immer keiner versteht.

Schon nach wenigen Metern im Sattel der MT-125 fühle ich mich in jene Zeit zurückversetzt, in der sich alles um den Schwung drehte. Ja, der Schwung: Man beherrschte ihn und machte ihn sich mit allen erdenklichen aerodynamischen Tricks zunutze − oder man war auf ewig verdammt. Verlor den Anschluss und musste schmerzlich mitansehen, wie die anderen aus der Peergroup davonzogen.

Gleiches gilt natürlich für das minutiöse Ausschöpfen des hinterletzten verfügbaren Drehzahlstrichleins. Wenn’s ordentlich vorwärtsgehen soll, ist ohnehin aus dem in diesem Hubraumsegment naturgemäss eher schmalen Drehzahlfenster zwischen 6500 und 10 000/min, wo an der MT-125 Schaltblitz und Begrenzer heftig zu rebellieren beginnen, alles zu holen.

Wie damals die "bösen" 125er-Zweitakter

Doch auch bei dieser MT gilt: Im Rahmen des technisch Möglichen hat Yamaha das Maximum an Drehmoment herausgeholt (12,4 Nm), sodass das Bike im Verhältnis keineswegs untermotorisiert wirkt. In puncto Vortrieb geht die MT-125 mit ihrem 15 PS starken Einzylinder vergleichbar energisch und stolz zur Sache wie damals die "bösen" 125er-Italienerinnen RS und Mito. Nur dass hier das Gemisch eben nicht über Vergaser, Membran und Gehäuse in zwei, sondern über eine Einspritzdüse und zwei Einlassventile in vier Takten verdampft wird. Heisst auch, dass einen auf der MT-125 nicht ständig dieses beklemmende Gefühl begleitet, Kölblein und Zylinder könnten sich jeden Moment mit herzzerreissendem Aufschrei karamellisieren.

Die Leistungsabgabe könnte linearer und berechenbarer nicht sein, die MT geht allerdings ein bisschen hart ans Gas. Auch der Dosierweg der Kupplung ist etwas kurz, doch man gewöhnt sich schnell daran. Nichts zu meckern gibt’s am Sechsganggetriebe: präzis, rastet sauber ein, tolles Feedback.

Das Handling ist beflügelnd (138 kg fahrfertig). Ein unkontrollierter Nieser reicht, um einen Spurwechsel zu vollziehen. Zappelig ist die MT-125 deswegen aber nicht. Im Gegenteil: Handling und Stabilität harmonieren hier prächtig. Die Bremsen der von uns getesteten Non-ABS-Version? Im Druckpunkt etwas undefiniert, dafür in Sachen Verzögerung und Dosierbarkeit mehr als zufriedenstellend.

Generell macht die MT einen wertigen, soliden Eindruck. Ein Beispiel dafür, dass "preiswert" nicht "billig gemacht" heissen muss. Und dann das scharfe, aber nicht überzeichnete Design, mit dem die MT glatt als 300er durchgehen könnte. Die Ergonomie? Sportlich, mit engem Kniewinkel und nicht wenig Gewicht auf den Handgelenken. Suboptimal erscheint einzig, dass das Sitzpolster leicht nach vorne abfällt, wodurch gewisse Körperteile stets etwas belastet sind. Doch im MT-125-Zielgruppenalter ist man ja noch hart im Nehmen.

Yamaha MT-125

Hubraum: 124,7 ccm 
Leistung: 15 PS bei 9000/min 
Gewicht: 138 kg fahrfertig 
Preis mit ABS: rund 6000 Franken 
Verkehrsabgabe: rund 60 Fr./Jahr

 

Neue YZF-R125

Seit der Einführung der YZF-R125 im Jahr 2008 wurden über 45 000 Einheiten des kleinen Renners abgesetzt – eine Erfolgsgeschichte. Und damit diese weitergeht, gibt es für 2014 ein Update des Bonsai-Superbikes, das in erster Linie aufs Design abzielt. Wobei der Ausdruck "Bonsai" eigentlich unangebracht erscheint, ist die YZF-R125 der YZF-R6 doch wie aus dem Gesicht geschnitten. Tatsächlich orientierten sich die Designer um den Schweizer Olivier Béboux insbesondere bei der Gestaltung der neuen Front an der R6 und am MotoGP-Renner M1.

An die MotoGP-Bikes ist übrigens auch die neue Gabelbrücke mit entsprechenden Aussparungen angelehnt. Ansonsten profitiert die YZF-R125 (ohne ABS ab sofort für 5990 Franken zu haben) von sämtlichen technischen Raffinessen der MT-125, etwa bei der neuen USD-Gabel, der überarbeiteten Hebelanlenkung des Federbeins, dem optimierten Motor, der Radialbremse vorne und den leichten Rädern (siehe Kasten weiter unten). So fahren sich die beiden 125er praktisch gleich, bis auf die hier deutlich sportlichere Ergonomie, die den Handgelenken einiges abverlangt. Der schmale Racing-Lenker und das superleichte Handling erfordern bei Fahrten in Vollschräglage allerdings stabilisierenden Schwung, sonst wird’s kippelig auf der YZF-R125.

 

Fazit

Beide Bikes überzeugen dank toller Fahrdynamik, hochwertigem Finish und coolem Design. Wie sie in der bezüglich Ausweispraxis rückständigen Schweiz laufen werden, bleibt abzuwarten.

 

Eine technische Basis, zwei Bikes

Bei der Entwicklung der beiden 125er stand klar die MT-125 im Vordergrund, wenngleich von der technischen Basis der 2008er-YZF-R125 ausgegangen wurde.

Die Updates: Ein neues Link-System sorgt für ein sensibleres Ansprechen des Federbeins bei geringer Einfederung (mehr Komfort) und für mehr Reserven bei starker Einfederung (geht im Soziusbetrieb nicht auf Block). Die Telegabel musste einem USD-Pendant (41 mm) weichen – aus optischen Gründen und zwecks erhöhter Steifigkeit (besseres Feedback). Hochwertiges Material kommt auch bei den Reifen von Michelin und Pirelli zum Einsatz. Eine grosse Herausforderung stellten die leicht wirkenden Sechsspeichenräder mit kleiner Radnabe dar – besonders was die Widerstandsfähigkeit und die akustische Resonanz beim Bremsen betrifft. Im Interesse von mehr Drehmoment und sparsamerem Verbrauch gibt’s beim Einzylinder-Viertakter eine neue Einspritzung, angepasste Steuerzeiten, eine neue ECU, einen neuen Auspuff sowie eine Lambdasonde.

 

Bekleidung Des TÖFF-Testers

Helm: Shoei XR 1100, Fr. 499.–, www.motochic.ch 
Jacke: iXS Edwin, Fr. 599.–, www.ixs.ch
Jeans: iXS Cassidy, Fr. 369.–, www.ixs.ch
Stiefel: Sidi ST, Fr. 429.–, www.motochic.ch

 

Lebendiges Kerlchen mit vertrauenerweckendem Fahrwerk. Die MT-125 ABS wird ab November in den Farben Rot-Grau, Grau matt und Race Blu (Graublau) anrollen. Lebendiges Kerlchen mit vertrauenerweckendem Fahrwerk. Die MT-125 ABS wird ab November in den Farben Rot-Grau, Grau matt und Race Blu (Graublau) anrollen. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Man stelle sich dieses Heck ohne Kennzeichenausleger vor. Man stelle sich dieses Heck ohne Kennzeichenausleger vor. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Der Einzylinder-Motor mit 124,7 ccm Hubraum. Der Einzylinder-Motor mit 124,7 ccm Hubraum. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Hübsch integrierte LED-Positionsleuchten. Hübsch integrierte LED-Positionsleuchten. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Sportliche Lenkerklemmung mit X-Designelement. Sportliche Lenkerklemmung mit X-Designelement. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Das X-Designelement findet sich auch am radial verschraubten Bremssattel wieder. Das X-Designelement findet sich auch am radial verschraubten Bremssattel wieder. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Die neue YZF-R125. Die neue YZF-R125. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Neue R125-Front mit zentralem Lufteinlass. Neue R125-Front mit zentralem Lufteinlass. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Der R125-Dämpfer dürfte filigraner sein. Der R125-Dämpfer dürfte filigraner sein. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk
Der Digitaltacho der YZF-R125 ist wie an der MT dreigeteilt. Der Digitaltacho der YZF-R125 ist wie an der MT dreigeteilt. © Sebas Romero, Alessio Barbanti, Werk