| Ein Bike für Sieger: Die G 450 X ist die erste BMW, die konsequent auf professionellen Enduro-Wettbewerbseinsatz hin entwickelt wurde. |
BMW G 450 X
Stecker gezogen
Anlieger, Steilhänge, loses Geröll, Tables. Das gab’s noch nie bei
einer BMW-Präsentation: Bereits bei der Anfahrt vom Hotel zum
Fahrerlager gehen Journalisten zu Boden. Nur um da hin zu gelangen,
musste jeder bereits eine mit Gemeinheiten gespickte Crosspiste
meistern. Dann forderten zwei Enduro-Runden selbst versierten
Hard-Enduristen alles ab: Die Single-Trails der Route «Rot» und
«Orange» bei Marbella sind alles andere als ein Kindergeburtstag.
Die Ansage
Weiss-Blau
fordert Orange zum Duell: mit 111 Kilo, 52 PS und technischen
Leckerbissen wie die koaxiale Lagerung von Schwinge und Kettenritzel.
Die Schwingenachse ist nicht mehr hinter der Antriebswelle
positioniert, sondern durch die Getriebe-Ausgangswelle geführt. Auch
beim Antrieb Hightech-Lösungen: Der Anlasser sitzt vor dem Motor, die
Nasskupplung auf der Kurbelwelle. BMW baut im Vergleich zu
konventionellen Konzepten wesentlich kompakter: Im Gegensatz zu den
üblichen untersetzten Kupplungen auf der Getriebe-Eingangswelle muss so
nur ein reduziertes Drehmoment übertragen werden.
Die Früchte
Obwohl
es technisch im Hause BMW für all diese Innovationen kein Vorbild gibt,
schickt sich die G 450 X bereits an, KTM auf heimischem Terrain zu
schlagen: Der zweite Platz beim 14. Erzberg-Rodeo, das der Bayer
Andreas Lettenbichler zeitweise dominierte, ist ein beachtlicher Erfolg
– und mit der G 450 X stand erstmals ein Viertakt-Töff auf dem Podium.
Für Chef-Enduristen
Die
Maschine lässt sich überaus agil durchs unwegsamste Gelände dirigieren.
Am Konzept oder gar mangelnder sportlicher Härte kann es also nicht
liegen, dass bei den BMW-Fahrwerksspezialisten die Journalisten
Schlange stehen. Eher am fahrerischen Niveau. Zweifellos: Offen ist die
G ein tolles Werkzeug: «For professionals only».
Lieber den Stecker raus
Wohl
deshalb haben selbst ganz angefressene ‹Geröllheimer› unter den
Journalisten lieber den «den Stecker gezogen»: Im Gegensatz zum
Klassenstandard kann man die neue BMW G 450 X problemlos von 52
Wettbewerbs- auf homologierte 41-Strassen-PS drosseln, einfach durch
Abziehen eines Steckers am Kabelbaum. Weniger ist mehr – auch beim
Geländeeinsatz: Die G 450 setzt offen nämlich jeden kleinsten Impuls am
Gasgriff derart direkt in ungestümen Vortrieb um, dass man den
Kraftschluss in den Geröll-verseuchten Steilhängen des Single Trails
ständig konzentriert mittels Kupplung regulieren muss. Stecker raus –
und siehe da: Gedrosselt geht die 450er viel sanfter ans Gas.
Habe
fertig – ich habe den Stecker gezogen. Die G 450 X ist auf Augenhöhe
mit der Konkurrenz. Um dem KTM-Multitool EXC 450 das Fürchten zu
lehren, braucht’s nur noch etwas Feintuning. Es bleibt also spannend.



