Nothilfe
Erste Hilfe: Rette Leben!
Seien Sie ehrlich: Wissen Sie, wie Sie sich verhalten müssen, wenn sich vor Ihnen plötzlich ein schwerer Unfall präsentiert? In den meisten Fällen dürfte die Antwort nein lauten, wagen wir an dieser Stelle frech zu behaupten.
Denn bei den meisten Töfffahrern liegt der Besuch des Nothilfekurses schon Jahre zurück …, viele Jahre. Was soll da vom seinerzeit erlernten Stoff in der Hektik des Ernstfalls auf die Schnelle noch abrufbar sein? Und wenn doch noch etwas in den Hirnwindungen vorhanden ist – sind die Hilfeschemen noch aktuell? Werden sie doch vom Schweizerischen Samariterbund im Interesse einer verbesserten Effizienz am Unfallort immer wieder aktualisiert. Kommt hinzu, dass ein grosser Teil der Strassenbenützer, nämlich jene, welche die Führerprüfung noch vor Einführung des Nothilfekurs-Obligatoriums im Jahr 1977 absolviert haben, unter Umständen noch nie etwas von lebensrettenden Sofortmassnahmen gehört hat.
Grundsätzlich also eher schlechte Karten für diejenigen, die nach einem Crash in einem Strassengraben liegend auf Hilfe warten. Gut anderseits, dass unser Land sehr dicht besiedelt ist und das Zeitalter der Mobiltelefonie das Alarmieren der Hilfskräfte massiv beschleunigt hat.
Unbegründete Ängste
Ein grosses Problem besteht darin, dass
viele Leute am Unfallort tatenlos bleiben. Hierzu Christian Bassler,
Fachspezialist Bildung und Beratung des Schweizerischen
Samariterbunds: «Wir hören dann immer wieder, die Leute
würden es vorziehen, nichts zu tun, weil sie befürchten,
etwas falsch zu machen, wofür sie dann zur Rechenschaft gezogen
werden könnten. Diese Argumentation entbehrt jeglicher
Grundlage. In der Schweiz gibt es bis heute nicht einen Fall, bei dem
ein Laie, der nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat,
rechtlich belangt wurde.»
Helfen: Müssen, nicht dürfen!
Wer an eine Unfallstelle fährt,
ist nach Artikel 128 des StGB verpflichtet – soweit zumutbar –,
Hilfe zu leisten, wenn ein Mensch in unmittelbarer Lebensgefahr
schwebt. Nun ist «zumutbar» ein dehnbarer Begriff. An
konkreten Beispielen verdeutlicht, ist damit gemeint, dass Sie zum
Beispiel nicht verpflichtet sind, eine verunfallte Person mit stark
blutverschmutztem Gesicht zu beatmen. Von Ihnen wird auch niemand
verlangen, sich in Lebensgefahr zu begeben, um jemandem zu helfen.
Sie können jedoch sicher über die Notrufnummer 144 (ohne Vorwahl!) Hilfe holen und die Unfallstelle sichern (Pannendreieck aufstellen, Verkehr regeln).
Vorbereitung ist alles
Bevor wir hier einige typische
Töff-unfall-Szenarien mit den entsprechenden Hilfemassnahmen
aufzeigen, sei noch auf vier wichtige Empfehlungen hingewiesen.
- Aktualisieren Sie Ihr Wissen, indem Sie in regelmässigen Abständen an Nothilfekursen teilnehmen. Alleine, mit dem Partner, zusammen mit Töff-Kollegen, oder schlagen Sie Ihrem Vorgesetzten vor, man könne einen solchen Kurs mit dem Arbeitsteam besuchen. Denn er rettet Leben, ist eine wertvolle soziale Erfahrung, die der Stimmung im Team zu Gute kommt, und der Kurs macht zudem auch noch Spass. Kostenpunkt: Je nach Kanton zwischen 120 und 150 Franken pro Person. Wer keine Lust hat, mit Teenagern die Bank zu drücken, für den hat der Samariterbund den sogenannten «Nothilfe-Refresher» kreiert. Ein verkürztes Programm, bei dem nochmals auf die wichtigsten Massnahmen eingegangen wird (Preis: zwischen 70 und 80 Franken; Dauer: drei bis vier Stunden). Informationen zu allen Kursen gibt’s online auf der Website www.samariter.ch.
- Führen Sie im Auto und beim Töfffahren die Erste-Hilfe-Broschüre des Samariterbunds mit, in der die wichtigsten lebensrettenden Sofortmassnahmen aufgeführt sind (siehe Kasten am Ende des Textes).
- Speichern Sie die Nummer 144 (auch die 1414 der Rega; aus dem Ausland +41 333 333 333) in das Adressbuch Ihres Handys. Am besten mehrfach z.B. unter «Notruf» und «Ambulanz». Und: Wenn Sie eine SMS mit dem Text 123help an die Nummer 9234 senden, erhalten Sie die Erste-Hilfe-Anleitung direkt auf Ihr Handy (Fr. 1.–/SMS, GPRS-Handy erforderlich).
- Stellen Sie sich mit den Informationen im Kasten (am Ende des Textes) ein kompaktes Erste-Hilfe-Kit zusammen, das Sie im Rucksack oder in den Töff-Seitenkoffern ständig mitführen können.
Das Ampel-Schema
Freilich können wir hier nicht den
Gesamtinhalt eines Nothilfekurses vermitteln. Vielmehr wollen wir uns
auf allgemeine Konzepte wie das Ampel-Schema konzentrieren, mit denen
man schon sehr effizient Hilfe leisten kann. Während das
ABCD-Schema der Beurteilung des Patienten und der konkreten
praktischen Ersten Hilfe dient (Download: www.samariter.ch),
beschreibt das Ampel-Schema die ersten Schritte, die zu tun sind,
wenn Sie an einer Unfallstelle eintreffen.
«Rot» steht dabei für «schauen»: Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation. Was ist passiert, wer ist beteiligt, wer betroffen? Die «Phase Gelb» steht für «denken». Wichtig: Rennen Sie nicht einfach drauf los – denken Sie ruhig egoistisch an Selbstschutz! Hier geht es darum, die Gefahr zu erkennen. Jene für die Unfallopfer, die Helfenden und andere Personen. Dies ist auch die Phase, in der Sie sich überlegen sollten – sofern Sie sich dazu in der Lage fühlen –, die Initiative zu ergreifen. Erst jetzt kommt die «Phase Grün» – handeln! Sichern Sie die Unfallstelle, leisten Sie nach dem ABCD-Schema Erste Hilfe, und verständigen Sie die Hilfskräfte (144). Neuerdings wird Sie die Person am Telefon übrigens gezielt Punkt für Punkt nach den Geschehnissen abfragen.
Opfer bewusstlos
Als Erstes müssen Sie den
verunfallten Töfffahrer ansprechen. Nur so finden Sie heraus, ob
er bei Bewusstsein ist. Ist er bewusstlos, müssen Sie ihn
umgehend in die Bewusstlosenlagerung bringen (siehe Foto rechts).
Andernfalls wird er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ersticken. «Und
was ist, wenn der Verunfallte eine Rückenverletzung hat? Mach
ich dann nicht alles schlimmer», mag sich manch einer fragen.
Hier gilt: Es sind keine sicheren Rückschlüsse auf
Verletzungen der Wirbelsäule möglich. Auch hier muss das
Unfallopfer also in die Bewusstlosenlage dirigiert werden, allerdings
«en bloc» sprich, ohne ihn über seine Längsachse
zu drehen.
Können Sie den Verunfallten nicht
an Ort und Stelle in die Bewusstlosenlagerung bringen (Autoinsassen,
Opfer in einem Graben), müssen Sie ihn bergen und an einen
geeigneten, sicheren Ort bringen – am besten mit dem Unterarmgriff
(siehe
Illustration auf der rechten Seite).
Für die Bewusstlosenlagerung muss dem Unfallopfer der Integralhelm abgenommen werden (bei Jet- oder Klapphelmen nicht nötig). Für diese Prozedur muss man mindestens zu zweit sein. Helfer A kniet hin, nimmt den Kopf bzw. den Helm zwischen die Beine und stützt ihn mit seinen Händen. Helfer B spricht den Verunfallten an und öffnet den Helmriemen (der Öffnungsmechanismus ist bei jedem Helm rot markiert). B greift jetzt mit dem «Würgegriff», mit dem die Halswirbelsäule «stabilisiert» wird, um den Hals.
Jetzt kann Helfer A vorsichtig den Helm abstreifen – die Hand von Helfer B gleitet dabei langsam unter den frei werdenden Hinterkopf. Hals und Kopf sollten dabei so wenig wie möglich bewegt werden. Jetzt stabilisiert Helfer A die Halswirbelsäule mit dem «Halsschienengriff» (Illustration rechts).
Vorgehen: Mit der rechten Hand wird von oben um den Nacken gegriffen – der Daumen am Schlüsselbein aufgestützt. Mit der linken Hand wird jetzt der Kopf festgehalten und mit leichtem Druck gegen den rechten Unterarm, der als Schiene wirkt, stabilisiert. Die Ellbogen des Helfers sind am Boden aufgestützt, der Hinterkopf des Patienten bleibt stets auf dem Boden.
Innere Verletzungen
Sehr oft kommt es bei Töffunfällen
wegen Kollisionen mit Autos, Bäumen etc. zu inneren
Verletzungen. Das Problem: Sie sind von aussen nicht auf Anhieb
sichtbar.
Erkennen: Zu den typischen Symptomen zählen eine sehr blasse und kalte Haut, kalter Schweiss, Teilnahmslosigkeit sowie eine kontinuierliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
Und so geht man vor: Beim Alarmieren (144) auf innere Verletzungen hinweisen, den Verunfallten nicht unnötig bewegen und flach lagern, sodass er bei plötzlicher Bewusstlosigkeit nicht hinfällt. Sehr wichtig ist hier der Witterungsschutz – Patienten mit inneren Verletzungen frieren sehr schnell. Es folgt das Vorgehen nach ABCD-Schema.
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Erste-Hilfe-Broschüre: Für
Sie gratis!
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Erste-Hilfe-Kit für Töfffahrer Unter anderem enthält sie Wundschnellverbände, Wundreinigungstüchlein, Alkoholtupfer, Salben, elastische Binden, eine Pinzette, eine Schere, die Erste-Hilfe-Broschüre und – sehr wichtig – ein Paar Vinyl-Handschuhe. Wir empfehlen, das Kit durch den «Life-Key Ambu» zu erweitern (Fr. 8.90.–), der ebenfalls online bestellt werden kann. Dieser Schlüsselanhänger umhüllt eine transparente Folienmaske mit eingearbeitetem Einweg-Ventil zur sicheren Mund-zu-Mund-Beatmung des Patienten. |







