Bord- und Kleinzeug
Hilfe in der Not
Zugegeben, heute sind mechanische Pannen sowie Reifendefekte äusserst selten geworden. Im Falle eines Falles gibt es zudem den Pannendienst. Vom TCS, ACS oder einem anderen Club, zudem von verschiedenen Versicherungsanbietern und nicht zuletzt von den Herstellern selbst. Dennoch kann bei kleineren Defekten ein ausgesuchtes Sortiment an Werkzeug auch mechanisch wenig Begabten weiterhelfen. Da spart man unter Umständen viel Zeit. Bis der Helfer kommt, kann es dauern. Zudem hat der Fahrer nicht immer Lust auf eine öffentliche Begutachtung, wenn bei einem kleineren Umfaller etwas (zum Beispiel Blinker oder Verschalung) in die Brüche gegangen ist.
Noch vor 50 Jahren war es durchaus üblich, am Strassenrand in allem Dreck einen Kolbenklemmer der damals weit verbreiteten Zweitakter zu beheben. Dazu genügten ein paar Schraubenschlüssel und etwas feines Schmirgeltuch. Heute sind für Reparaturen meist teure Spezialwerkzeuge und eingehende Kenntnisse der Mechanik notwendig. Dennoch gibt es Fälle, wo Selbsthilfe viel Zeit und auch Kosten spart: Wenn sich zum Beispiel das Nummernschild losvibriert hat oder der Rückspiegel wackelt oder gar auf der Autobahn die in der Nacht lebenswichtige Birne der Rückleuchte durchgebrannt ist. Was wirklich nötig ist, sollte (gut verpackt) noch unter dem Sattel mitzuführen sein. Wer eine weite Reise tut, muss sich ohnehin anders orientieren. Wir bleiben beim kleinen Nothilfeset.
Was ist schon dabei?
Wie pannensicher die Motorräder geworden sind, zeigt sich ebenfalls am Umfang des jeweiligen Bordwerkzeugs. Wenn es nicht ganz fehlt, sind da bestenfalls noch die notwendigsten Schlüssel, ein Multi-Schraubenzieher sowie eine Universalzange in nicht gerade vorzüglicher Qualität zu finden. Böse Zungen behaupten, das sei auf Sparmassnahmen der Hersteller zurückzuführen, wir wollen jedoch nicht böse sein. Dennoch sollte in Betracht gezogen werden, davon Teile durch solche besserer Qualität zu ersetzen. Geprüft werden sollte, ob Ersatzsicherungen irgendwo dabei sind. Das ist nicht immer so. Dazu kommt das Problem «gewusst wo». Wer hat denn schon das Handbuch dabei, um nachzuschlagen? Das geht auf jeden Fall besser daheim im Wohnzimmer oder in der Garage.
Vielzweckverwendung
Zusätzlich sollte man Dinge mitnehmen, die wenig Platz beanspruchen und vielfältig verwendbar sind. Da denken wir vor allem an biegsamen Draht, verschiedene Kabelbinder und breites Klebeband. Da können selbst eine zerdepperte Verschalung oder ein abgebrochener Blinker notdürftig fixiert werden. Schmales Klebeband eignet sich wiederum besser, wenn es darum geht, etwas mehrfach zu umwickeln. Wenn sich irgendwo eine losvibrierte Schraube auf und davon gemacht hat, lässt sich der Schaden mit Draht oder Kabelbinder oft in Grenzen halten.
Erweitertes Sortiment
Für die Gestaltung des Werkzeugsortiments gibt es nach oben kaum Grenzen, es sei denn jene der Finanzen oder des beschränkten Raumes. Nicht jeder braucht zum Beispiel einen Stromprüfer, obschon er sehr nützlich sein kann. Das gilt ebenso für ein Not-Kettenschloss, ganze Bowdenzüge oder Ersatzkerzen. Plastikhandschuhe und Seife gehören schon zu den «Luxusartikeln». Ein Putzlappen sollte jedoch schon dabei sein.
Ein Grenzfall sind die Reifenreparatursets. Sie können schnell und einfach aus einer Notlage helfen, sind jedoch anderseits so gross, dass sie unter mancher Sitzbank keinen Platz mehr haben. Wohl dem, der irgendwo eine Werkzeugtasche hat oder ein Staufach in der Verschalung.
Grundsätzlich gibt es zwei Helfer bei Pneudefekten, die beide keine Dauerlösung bieten, aber im Moment mobil machen.
Da sind einmal die Gasflaschen, die den Reifen mit einem klebrigen Gemisch (teilweise) füllen. Da nachher einige Putzarbeit angesagt ist, sind sie nicht jedermanns Sache. Zudem ist bei älteren Flaschen (man braucht sie ja sehr selten) nie sicher, ob sie noch funktionieren.
Die Sets mit Gaspatronen und der Möglichkeit, einen Gummipfropfen in das Loch einzuführen, der anschliessend verklebt, ist sicher auf die Dauer die sauberere Lösung. Auch wenn man sich im Moment die Hände schmutziger macht. Beiden gemeinsam ist, dass es sich nur um Provisorien handelt. Auf jeden Fall sollte umgehend der Luftdruck geprüft und ergänzt werden. Meist können so noch grössere Strecken zurückgelegt werden, nicht nur bis zur nächsten Werkstatt, sondern sogar bis nach Hause. Hohe Tempi sollten jedoch vermieden werden. Vorsichtig zu fahren ist jedoch ohnehin nach jeder provisorischen Reparatur angesagt.
| Die leidige Frage der Qualität bleibt aktuell Jeder merkt es spätestens beim ersten ernsthaften Gebrauch: Das von den Herstellern mitgelieferte Bordwerkzeug ist bezüglich Qualität keineswegs Spitze. Es mag einige löbliche Ausnahmen geben, aber in den meisten Fällen ist es kein Zufall, wenn die Töfffahrergemeinde hier von Blechspielzeug spricht. Wenn der Maulschlüssel bei der Anwendung mit etwas Nachdruck – was bei einer lange nicht gedrehten Schraube schon mal nötig sein kann – einfach das Maul aufreisst, statt die Schraube oder die Mutter zu drehen, wird die Situation prekär. Oft ist dies gleich schon das Ende der traurigen Vorstellung. Wer das vermeiden will, sollte sich die im Original-Bordwerkzeug gelieferten Teile gut ansehen und wenn nötig durch bessere ersetzen, wobei es nicht unbedingt Profigerät sein muss, aber es hilft. Und bei den wenigen Exemplaren macht der Preisunterschied auch nicht viel aus. Gleichzeitig sollte man sich Gedanken darüber machen, was zusätzlich notwendig sein könnte. Dabei kommt es sehr auf Marke und Typ des Motorrades an. Am besten bespricht man die Angelegenheit mit dem Händler. Nun wollen wir nicht falsch verstanden werden: Wer zwei linke Hände hat und einen guten Pannendienst, kann sich die Auslage sparen. Auch das beste Werkzeug hilft nicht, wenn man (oder Frau) nicht damit umgehen kann. Wer anderseits improvisieren kann, wird sich sogar mit dem kargen Bordwerkzeug durchschlagen. |


