Gespannt
Kettenspannung
Das Spannen der Kette gehört zu den wichtigsten Unterhaltsarbeiten, für die der Fahrzeuglenker zuständig ist. Und so wird’s gemacht.
Ein korrekt justiertes Kettenspiel ist für die Lebenserwartung des Sekundärantriebs von zentraler Bedeutung. Entsprechend sollten Durchhang und Flucht spätestens alle 1000 km kontrolliert werden. Dies besagt zumindest die Faustregel. Die Länge des Intervalls hängt jedoch stark vom Bike und vom Fahrstil ab. So muss bei schweren und leistungsstarken Bikes häufiger kontrolliert werden. Erst recht, wenn sie sportlich gefahren werden (Rennstrecke).
Eine zu satt gespannte Antriebskette übt Zug auf die Getriebeausgangswelle aus, was zu Schäden am Wellendichtring oder am Wellenlager führen kann. In der Folge tritt Öl aus, das über die Welle zum Ritzel, vom Ritzel auf die Kette und von der Kette auf die Flanke des Hinterreifens geschleudert wird. Der Sturz ist damit vorprogrammiert. Eine zu stark gespannte Kette kann zudem dazu führen, dass sich die einzelnen Glieder verziehen und die Kette im schlimmsten Fall reisst. Überspannung hat sogar schon zu Rissen im Motorgehäuse geführt. Auch die Radachse kann Schaden nehmen – Ritzel und Kettenblatt verschleissen generell sehr schnell. Bei Bikes mit Einarmschwinge leidet das Radnabenlager, weil es ständig unter Zug arbeitet. Hinzu addieren sich allgemein Kräfte, die durch das Einfedern des Hinterrads entstehen (kurzzeitige, starke Spannung der Kette). Ist die Antriebskette zu lose gespannt, führt dies ebenfalls zu einem erhöhten Verschleiss an Ritzel und Kettenblatt. Die Kette kann durchschlagen und Teile der Schwinge beschädigen, oder sie kann sogar überspringen und – das wäre dann der Supergau – sich verklemmen.
Bei der Frage, ob Durchhang und Flucht in kaltem oder betriebswarmem Zustand kontrolliert und justiert werden müssen, winkt Christian Garone von Ducati Schweiz ab: «Das ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass man es macht.» Sollten die Arbeiten in beladenem Zustand durchgeführt werden? Hier verweist Garone auf das Fahrzeughandbuch oder die in der Regel im Schwingenbereich angebrachte Plakette mit den Informationen zur Kettenspannung. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Bike mit einem Soziusplatz bestückt ist, sind mit der angegebenen Kettenspannung Fahrten zu zweit möglich. Ist man allerdings oft oder über lange Strecken beladen und/oder zu zweit unterwegs (z. B. im Motorradurlaub), empfiehlt es sich, die Spannung leicht zu reduzieren. Am besten gehen Sie hier auf Ihren Händler zu. Der hat Erfahrungswerte.
Kettenspannen Schritt für Schritt
Bevor man los legt, sollte man an der Spannvorrichtung mit
einem Filz- oder Bleistift den aktuellen Stand markieren (Bild, bei
Einarmschwingen Markierung auf der Radnabe), um so den Istzustand festzuhalten.
Überspannt man die Kette, fällt man so mit Sicherheit nicht unter den aktuellen
Spannungszustand. Kommt hinzu, dass man mit der Zeit ein Gefühl für die
Ausdehnung der Kette bekommt, sofern man konsequent misst. So hat man einen
ungefähren Richtwert, wenn die Kette nach weiteren 1000 km erneut gespannt werden
muss. Gleichzeitig sollte man die Position der Mutter zur Radachse und zur
Spannvorrichtung markieren. Dies hat den Vorteil, dass man das System notfalls
auch ohne Profischlüssel wieder mit dem korrekten Drehmoment anziehen kann.
Ist alles markiert, wird der Durchhang im Istzustand
gemessen, und die Radmuttern werden gelöst. Hier ist es wichtig, die Muttern
nicht zu fest zu lösen. Gerade so fest, dass die Radachse über die
Spannvorrichtung ohne grossen Widerstand bewegt werden kann. Jetzt erst kann entsprechend
dem Sollwert auf der Schwinge bzw. im Fahrzeughandbuch via Mechanik der
Spannvorrichtung gespannt werden. Ist ein Zustand erreicht, der passen könnte,
wird das Rad einige Umdrehungen gedreht, sodass sich allenfalls lokal
aufgebaute Spannungen sauber verteilen. Jetzt die Radmuttern leicht anziehen –
eine viertel bis eine halbe Umdrehung reicht – und messen. Stimmt der Wert
nicht, muss nachgespannt werden. Passt alles, gilt es vor dem Anziehen der
Radmuttern die Kettenflucht zu prüfen. Ein Schritt, der bei Bikes mit
Einarmschwingen entfällt. Bei Zweiarmschwingen wird die Flucht über die
Markierungen an der Spannvorrichtung geprüft, die auf beiden Seiten
übereinstimmen müssen. Dies setzt allerdings eine Radachse in tadellosem
Zustand voraus. Ist diese nur leicht verbogen, wird die Flucht nie stimmen.
Allgemein empfehlen wir deshalb die Verwendung eines Lasers, wie er z. B. bei Polo für
Fr. 62.90 erhältlich ist. In einem kleinen Block eingefasst, wir er unmittelbar
über der Kette auf das Kettenblatt gelegt und aktiviert wird. Mit Auf- und
Abschieben des Blocks auf dem Kettenblatt wird mit dem Laserstrahl den Ketten-
laschen entlang langsam Richtung Ritzel gefahren. So sieht man sofort, ob das
Hinterrad schräg in der Schwinge hängt.
Stimmen sowohl Spannung wie Flucht, muss bei der Zweiarmschwinge die Radachse komplett nach vor gedrückt werden. Dies geschieht, indem man eine Stange, die wie ein grosser Schraubenzieher etwa den Durchmesser der Kettenrollen aufweist, oben zwischen Kettenblatt und Kette klemmt und das Rad dann in die Gegenfahrrichtung dreht. Ist dies passiert, sollte für den Fall, dass die Radachse tatsächlich noch ein kleines Stück nach vorne gerückt ist, der Durchhang nachgeprüft werden. Erst jetzt dürfen die Radmuttern wieder angezogen werden (Drehmomentschlüssel, sonst via Orientierung an den Filzstiftmarkierungen).
Stets den kompletten Kettensatz
Auch eine regelmässig gewartete Kette muss irgendwann
ersetzt werden. Hier gilt: Kette, Ritzel und Kettenblatt immer zusammen
erneuern. Der Moment ist dann gekommen, wenn die Kette nach dem Justieren des
Kettenspiels nicht durchgehend gleich gespannt ist (Rad drehen), Ritzel und
Kettenblatt einem Wurfstern gleichen oder sich die Kettenglieder vom
Kettenblatt ziehen lassen.
Kettensatz ersetzen, wenn sich die Kettenglieder vom Kettenblatt ziehen lassen oder die Zähne von Ritzel und Kettenblatt stark spitzförmig abgenutzt sind.
Kettensatz ersetzen, wenn sich die Kettenglieder vom Kettenblatt ziehen lassen oder die Zähne von Ritzel und Kettenblatt stark spitzförmig abgenutzt sind.




