Versicherung

Risikokantone

Von Manuela Rimlinger & Redaktion TÖFF
02.12.2016 15:51:20

Eine von TÖFF in Zusammenarbeit mit dem Online-Vergleichsdienst comparis.ch durchgeführte Untersuchung zeigt: Die Prämien für Motorradversicherungen schwanken je nach Wohnkanton um bis zu 59 Prozent.
Dass jüngere Lenker oder Motorradfahrer mit einem Ausländerausweis genau wie bei den Autoversicherungen mehr für ihre Töffversicherungen bezahlen müssen, ist gemeinhin bekannt. Die Prämien für Töffversicherungen sind aber noch von weiteren Faktoren abhängig wie zum Beispiel Fahrpraxis, Leistungsgewicht des entsprechenden Fahrzeugs (Gewicht pro PS) und Geschlecht.

In Zusammenarbeit mit dem Vergleichsdienst comparis.ch haben wir nun untersucht, inwiefern der Wohnkanton bei der Prämienhöhe einen Einfluss hat. Basis der Analyse sind alle bis Herbst 2016 über comparis.ch generierten Versicherungsvergleiche für eine Vollkasko-Plus-Haftpflichtversicherung.

Das Ergebnis zeigt: Auch der Wohnkanton beeinflusst die Prämienhöhe – und zwar massiv! So bezahlen Töfffahrer im Kanton Glarus beispielsweise bis zu 59 Prozent mehr für Vollkasko und Haftpflicht als im günstigsten Kanton. Die Glarner sind mit Prämien in der Höhe von durchschnittlich 664 Franken also Spitzenreiter. Zum Schlusslicht Appenzell Innerrhoden beträgt die Differenz satte 59 Prozent. Auch in den Kantonen Tessin, Obwalden, Jura, Schwyz und Waadt bezahlen Besitzer eines Motorrads massiv mehr für die Versicherung ihrer Fahrzeuge als in anderen Kantonen.

14 Kantone liegen unter dem Schnitt

Am günstigsten kommen uns Töfffahrern Haftpflicht und Vollkasko mit 417 Franken im Kanton Appenzell Innerrhoden zu stehen. Aber auch in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Uri, Tessin, Basel-Stadt, Nid- und Obwalden, Basel-Land, Zürich, Waadt, Bern, Schaffhausen, Zug sowie im Kanton Schwyz bezahlen Versicherungsnehmer weniger als 574 Franken und liegen somit unter dem Schweizer Durchschnitt.

Preisunterschiede bei Altersgruppen

Wird die Gruppe der Töfffahrer weiter in die drei Altersgruppen 18- bis 25-Jährige, 26- bis 40-Jährige sowie "40 plus" aufgesplittet, so zeigt sich im kantonalen Ranking ein ähnliches Bild: Die Differenz vom teuersten zum günstigsten Kanton beträgt je nach Alter zwischen 31 und 50 Prozent. Am teuersten ist die Versicherung für die jüngsten Biker wiederum im Kanton Glarus (980 Franken), gefolgt von Aargau und Jura. Die 26- bis 40-Jährigen müssen in Graubünden am tiefsten in die Tasche greifen (569 Franken). Dahinter folgen das Wallis und der Kanton Thurgau. Bei den Töfffahrern über 40 ist erneut der Kanton Glarus am teuersten (501 Franken). Auf Rang zwei folgt das Wallis, und den dritten Platz belegen die Freiburger.

Probe aufs Exempel: Yamaha MT-07

Seit fast zwei Jahren ist die Yamaha MT-07 das meistgekaufte Bike in der Schweiz. Grund genug, hier die Probe aufs Exempel zu machen. Betrachtet man die Versicherungsvergleiche für Vollkasko-Plus-Haftpflicht der MT-07, so liegt die Prämie im Kanton Uri mit 822 Franken um 43 Prozent höher als jene im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

Nimmt man hingegen alle Versicherungsvergleiche, welche für die Yamaha MT-07 im Jahr 2016 gemacht wurden und betrachtet wieder unsere drei Altersgruppen getrennt, so ist die Prämie je nach Alter in jeweils unterschiedlichen Kantonen am höchsten. Die 18- bis 25-Jährigen zahlen im Jura mit 1089 Franken am meisten. In der Alterskategorie 26 bis 40 ist der Kanton Graubünden mit 705 Franken Spitzenreiter. Und mit 779 Franken liegen die Töffversicherungsprämien für die MT-07 in Appenzell Ausserrhoden für die über 40-Jährigen am höchsten (siehe Kasten).

Vergleichen und sparen

Wie eingangs erwähnt, war bis dato klar, dass die Versicherungsprämien hauptsächlich von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Leistungsgewicht und Nationalität abhängig sind. Bis heute wurde dem Wohnkanton bei der Festlegung der Prämienhöhe eine eher untergeordnete Rolle zugeordnet. Der Vergleich von comparis.ch zeigt jedoch eindeutig, dass dieser Faktor nicht unterschätzt werden darf. Entsprechend empfiehlt comparis.ch, regelmässig die Prämien zu vergleichen. Viele Versicherungen lassen sich allerdings nur mit einer ein- oder dreimonatigen Kündigungsfrist auf Ende Jahr kündigen.

Das heisst, wer im Winter bemerkt, dass er bei einer anderen Versicherung viel Geld sparen könnte, hat meistens das Nachsehen und muss mit dem Wechsel bis zum nächsten Jahr warten.

Den Töff abmelden kann man immer

Bei Motorradversicherungen gibt es aber eine Möglichkeit, wie die Versicherung auch ohne Einhalten der Fristen gekündigt werden kann. Laut comparis.ch können Versicherungen immer gekündigt werden, wenn der Töff abgemeldet wird. Wenn Sie also die Frist verpasst haben, können Sie Ihren Töff auslösen und so die Versicherung kündigen. Wenn Sie ihn im Frühling dann wieder einlösen, können Sie die Versicherung wechseln.

Dabei fallen aber natürlich die Kosten für die Neuanmeldung des Töffs an. Diese Methode rechnet sich also nur dann, wenn mit einer neuen Versicherung ein relativ grosser Betrag eingespart werden kann.

Die Risiken variieren regional

Bleibt die Frage, warum Motorradversicherungen für ein und dieselbe Person mit identischem Fahrzeug in gewissen Kantonen teurer und in anderen günstiger ausfallen. Warum also Hans Muster für die Versicherung seiner Yamaha MT-07 mehr Prämie bezahlen muss, wenn er von Bern nach Zürich umsiedelt.

Hierzu muss man wissen, dass die Versicherungen pro Region respektive Kanton detaillierte Schadensstatistiken führen. Resultiert in einer bestimmten Region nun ein erhöhtes Risiko für Parkschäden bzw. Vandalismus, Unfälle, Elementarschäden wie Hochwasser oder Hagel, Diebstahl etc., so wirkt sich dies auf die Versicherungsprämien aus.

Richten wir unser Augenmerk wieder auf das allgemeine Ranking über alle Fahrzeugklassen und Altersgruppen (siehe Illustration), stellen wir fest, dass mit Ausnahme des Tessins sämtliche "günstigen" Kantone in der Deutschschweiz liegen. Daraus könnte man schliessen, dass die Romands ihre Motorräder generell etwas "temperamentvoller" handhaben und/oder im Durchschnitt einfach jünger sind und daher auch so stärker zur Kasse gebeten werden.

Generell teuer sind die Kantone Glarus, Wallis und Graubünden – allesamt Bergkantone. Davon könnte man ableiten, dass Elementarschäden in diesen Regionen häufiger auftreten. Generell preiswert sind die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und die beiden Basel – alles Kantone mit einer tiefen Töffdichte. Da, wo weniger Motorräder immatrikuliert sind, passiert einfach weniger, könnte hier die Schlussfolgerung lauten. Freilich sind alle soeben gemachten Rückschlüsse eher vager Natur. Für eine valide Darlegung der effektiven Sachverhalte geht entsprechend kein Weg an einem vertieften Studium des statistischen Datenmaterials vorbei.


Berechnungsbeispiel MT-07

Wir wollten die kantonalen Preisunterschiede bei den Versicherungsprämien anhand eines konkreten Beispiels illustrieren und liessen deshalb die Kosten für Haftpflicht und Vollkasko für den Bestseller Yamaha MT-07 rechnen. Aufgezeigt werden pro Alterskategorie jeweils der teuerste und der günstigste Kanton sowie ein bis zwei Kantone im preislichen Mittelfeld.


Alter: Kanton: Preis:
18 – 25

Schaffhausen
Zug
Thurgau
Jura

682.–
805.–
828.–
1089.–

26 – 40

Zug
St. Gallen
Graubünden

494.–
579.–
705.–

40+

Jura
Basel Stadt
Aargau

429.–
480.–
779.–





Die Grafik zeigt die kantonalen Preisunterschiede für Motorradversicherungsprämien. Ein Beispiel zur Illustration: Im Kanton Luzern kostete ein Versicherungspaket bestehend aus Haftpflicht und Vollkasko im Jahr 2016 im Schnitt 586 Franken. Als Berechnungsgrundlage wurden sämtliche Kalkulationsanfragen herangezogen, die bis zur Veröffentlichung dieses Artikels in TÖFF 10/2016 bei comparis.ch eingegangen waren. Die Grafik zeigt die kantonalen Preisunterschiede für Motorradversicherungsprämien. Ein Beispiel zur Illustration: Im Kanton Luzern kostete ein Versicherungspaket bestehend aus Haftpflicht und Vollkasko im Jahr 2016 im Schnitt 586 Franken. Als Berechnungsgrundlage wurden sämtliche Kalkulationsanfragen herangezogen, die bis zur Veröffentlichung dieses Artikels in TÖFF 10/2016 bei comparis.ch eingegangen waren. © Jürg Schneider