Ratgeber

Wasserdichtigkeit

Von Simon Haltiner
07.09.2011 15:32:03

Auf jeden warmen Sommertag kann im Handumdrehen eine Sintflut folgen. Gut beraten, wer auf den Spass im kühlen Nass vorbereitet ist.

Der routinierte Vielfahrer taucht sogar in seinem Stammlokal mit seiner trauten Touring-Ausrüstung auf, egal, ob bei Minustemperaturen oder im Hochsommer. Recht hat er, denn niemand kennt die Zukunft, ob es sich nun um die nächsten fünf Jahre oder Minuten handelt. So kann sich während des (alkoholfreien) Feierabendbiers der Himmel verdüstern und die Heimfahrt eine fiese Erkältung nach sich ziehen, wenn man nicht vorbereitet ist. Darum unser Tipp: Membrankleider anziehen oder Regenkombi mitführen, womit dieser Artikel beendet wäre. Doch gibt es verschiedene Gründe, warum man nicht ständig eine Touring-Ausrüstung tragen möchte. Die ist schwer, sperrig, besitzt 1000Taschen, die kein Mensch im Alltag braucht, und schaut oftmals – wohlwollend ausgedrückt – nicht sehr attraktiv aus. So greift man für den kurzen Abstecher in die Stadt lieber zu einem Blouson und zu Kevlar-Jeans. Schliesslich ist man mittlerweile kaum schneller unterwegs als die Rollerfahrer, und die tragen auch keine Lederkombi. Letztere ist dann aber Pflicht, wenn man lange auf dem Asphalt rutscht und dümmstenfalls gut sitzende Protektoren benötigt. Beispielsweise auf der Rennpiste oder auf einer - sagen wir mal: sportiv angehauchten -Tour. Die Lederkombi ist aber nicht wasserdicht, weshalb stets eine Regenkombi mit muss. Glücklich schätzen kann sich daher, wer über eine Maschine mit einem Minimum an Stauraum verfügt. Die ideale Lösung, sofern die Auspuffhitze die Pellerine nicht zu einem Plastikklumpen schmort.

Es gibt immer einen Haken

Auf Langstrecken zeigen sich aber schnell die Nachteile der Regenkombi: Das Anziehen ist mühsam. Darum muss es erst regnen, damit ausreichend Leidensdruck entsteht. Nachher schwitzt man aufgrund der isolierenden Wirkung. Bald wechseln sich Regen und Sonne ab, was zum ewigen Umziehen führt. Aufgrund dieser Nachteile wäre es wünschenswert, dass jede Kleidung – auch leichte Sommerausrüstung – ein Minimum an Dichtigkeit besässe. «Das wird aber nie der Fall sein, da dichte Kleider einen überlappenden Schnitt benötigen, dazu eine Membranschicht. Diese trägt aber in der Dicke auf. Und auch im Preis», erklärt Markus Egli von iXS. Nur gut, dass uns neue Fertigungsmethoden und Werkstoffe hier entgegenkommen: Wasserdichte Lederkleider (siehe Kasten) beispielsweise vereinen hohes Sicherheitsniveau (unerreichte Abriebbeständigkeit), sportlichen Schnitt und Dichtigkeit. Selbstverständlich muss auch der Rest der Ausrüstung dicht und vor allem richtig angezogen sein. Sobald Tropfen fallen, muss die Jacke die Handschuhe und die Hose die Stiefel überlappen, sonst läuft Wasser rein. Zudem sollte die Jacke per Reissverschluss mit der Hose verbunden werden, nicht zuletzt auch für den Fall eines Sturzes. Trotzdem: Steht man vor 500 Kilometern Regenfahrt, zieht man vielleicht doch besser eine Regenkombi über.

Schnitt und Material entscheiden

Es gibt einen Grund, weshalb wetterfeste Tourenjacken bis zu den Oberschenkeln hinunterhängen und mit einem Gurt wie ein Müllsack zusammengeschnürt werden. Sobald man auf dem Töff sitzt und sich vornüberbeugt, rutscht die Jacke hoch. Trägt man nun einen knackig geschnittenen Blouson, kann dieser noch so dicht sein: Das Wasser wird seinen Weg finden und erfahrungsgemäss genau an der Stelle eintreten, wo dies eine fiese Mischung aus Unbehagen und Demütigung zur Folge hat. Bisher gab es darum zwei Optionen: Blouson plus Regenkombi im Gepäck oder Tourenjacke im Prinz-Eisenherz-Look. Einen erfolgversprechenden Mittelweg beschreiten nun die Jacken im Fünfachtelschnitt (z. B. iXS Capricorn, Fr. 329.−): Sie bedecken gezielt die erwähnten Stellen, wirken aber trotzdem sportlich.

Die dichte Kuhhaut

Leder als organisches Material kann nicht dicht sein. Ausser es wurde von innen eine Membran auflaminiert. Da diese lückenlos schliessen muss, ist die Verarbeitung nicht ganz einfach, denn Nähte verursachen Löcher. Das erklärt die stolzen Preise dieser Produkte (BMW-Kombi Atlantis 4: Fr. 2200.−, iXS-Cancun-Jacke: Fr. 1199.−). Verschlussdichtigkeit − im Textilbereich durch Überlappungen gelöst − wird hier mit gummierten oder neuartigen (Gore- Lockout-)Verschlüssen erreicht.

Imprägnieren statt frieren

Noch besteht der Irrglaube, die Dichtigkeit der Textilkleidung leide,wennsie gewaschen werde. Das Gegenteil ist der Fall: Die Mikroporen der Membran werden durch Schmutz und Schweiss- Salz-Partikeln verstopft. Daher sollte man regelmässig mit massvollem Einsatz von Flüssigwaschmitteln waschen. Dabei die Protektoren entfernen und die Anweisungen des Herstellers befolgen. Sofern es Letztere erlauben, kann die Ware noch in den Trockner. Das frischt wasserabweisende Eigenschaften des Aussengewebes auf. Je weniger Wasser dieses durchdringt, desto weniger muss die Membran stoppen. So lohnt sich regelmässiges Imprägnieren, am besten gleich nach der Reinigung (Sprays rechts).

iXS-Entwicklungschef Markus Egli im Gespräch mit Redaktionsleiter Carrozza iXS-Entwicklungschef Markus Egli im Gespräch mit Redaktionsleiter Carrozza © Daniela Bill, zvg
Membran-Lederjacke iXS Cancun mit Gore-Lockout-Verschluss Membran-Lederjacke iXS Cancun mit Gore-Lockout-Verschluss © Daniela Bill, zvg
Lederkombi Atlantis 4 von BMW Lederkombi Atlantis 4 von BMW © Daniela Bill, zvg
iXS Capricorn iXS Capricorn © Daniela Bill, zvg