Verborgene Strasse

Berner Oberland

Von Dimitri Hüppi
05.12.2016 16:01:57

Trotz eisigen Temperaturen und trübem Wetter, stellen wir hier unsere letzte Herbst-Tagestour vor. Diese eignet sich auch ideal als Frühlings-Route für den Start in die nächste Saison.

Zwei der höchsten Punkte dieser Tour sind bestens bekannt: der Brünigpass (1008 m ü. M.) kurz nach unserem Start und der Glaubenbergpass (1540 m ü. M.) kurz vor unserer Zieleinfahrt zurück am Sarnersee in Obwalden. Besonders der Glaubenberg lies­se sich – etwa bei tiefen winterlichen Temperaturen – auch umfahren. Doch liegt das spannendste Stück dieser 220-km-Tour sowieso dazwischen – im Berner Oberland: Die ziemlich versteckte, fast schon verborgene Verbindung zwischen dem hoch über dem Thuners­ee­ gelegenen Ferienort Beatenberg (1100 m ü. M.) und der Gemeinde Sigriswil. Wer auf seiner 1:200 000er-Strassenkarte nachschaut, wird an dieser Stelle nur einen dünnen Strich sehen und Online-Karten schlagen den Weg von sich aus kaum vor.

Nein, die Strasse ist nicht gesperrt, lediglich für Gesellschaftswagen und Fahrzeuge über 3,6 Meter Höhe, wie eine Tafel deutlich macht. Ein anderes Schild weist auf einen Ticketautomaten hin … Dort lösen wir nicht etwa einen Parkschein, um zu Fuss weiterzugehen, sondern ein Ticket für die Durchfahrt. 5 Franken für einen Tag oder 15 Franken für ein Jahr sind zu entrichten. Die Gemeinderäte von Beatenberg und Sigriswil betonen jedoch, dass der «Wegzoll» freiwillig zu bezahlen sei, da öffentliche Strassen gemäss Artikel 82 der Bundesverfassung gratis zu benützen sind.

Der rund neun Kilometer lange Streckenabschnitt ist sehr kurvenreich und schmal. Zum Auftakt gibt es gleich zwei dunkle Tunnels, danach geht es mal leicht abwärts, mal leicht hinauf, zunächst ein ganzes Stück ins Justistal hinein, danach wieder hinaus – und alles mitten im Wald. Anfängern ist diese Etappe weniger zu empfehlen, aber all jenen, die es reizvoll finden, auch mal abseits gut ausgebauter Hauptstrassen und naturnah zu fahren. Wer wochentags unterwegs ist, hat kaum mit Gegenverkehr zu rechnen. Und so erreichen wir etwa eine Viertelstunde später die Panorama-Hängebrücke in Sigriswil (s. Kasten rechts).

Eine intakte, ursprüngliche Schweiz

Nach dem schwindelerregenden Spaziergang  halten wir Richtung Schwanden / Teuffenthal und bewegen uns weiterhin auf schmalen Strassen, auf denen gemächliches Tempo angesagt ist. Intakte, landwirtschaftlich geprägte Landschaften mit vielen Kühen, Geissen und etlichen schönen Berner Bauernhäusern vermitteln das Gefühl, in einer anderen, viel ursprünglicheren Schweiz zu sein. So ist auch mit Unrat auf dem Weg immer mal zu rechnen und auf unserer Tour treiben gleich an zwei Orten Bauern ihre Milchkühe vor uns auf der Strasse von der Weide in den Stall.

Ab der Gemeinde Eriz wird die Aussicht stets weiter und noch attraktiver. Allmählich verbreitert sich auch die Strasse wieder und wir halten grob Kurs auf den Schallenberg. Die bekannte Töffroute lassen wir aber aus und fahren stattdessen via Röthenbach im Emmental noch über den Chuderhüsi-Pass (1100 m ü. M.). Nach Bowil soll es allmählich Richtung Huttwil / Entlebuch / Glaubenbergpass gehen. Man hat die Qual der Wahl: Dem bisherigen Tourcharakter entsprechend ab Zäziwil über die Moosegg (schmal, aber kurvenreich und landschaftlich idyllisch), direkt auf die Hauptstrasse 10 Richtung Langnau i. E. oder via Grosshöchstetten durchs Bigetal. Unseren Mittagshalt machen wir in Dürrenroth im ausgezeichneten «Bären». Danach heisst es erneut: Entweder via Hauptstrasse (landschaftlich durchaus nicht uninteressant) oder fahrerisch anspruchsvoll über kleine Nebenstrassen weiter via Eriswil–Hofstatt–Hergiswil bei Willisau–Rohrmatt nach Menznau und von dort weiter Richtung Entlebuch und Glaubenbergpass … 

 

Tipps für kürzere und längere Zwischenstopps

«Garage-Club» von US-Car-Spezialist Alex Halter, Industriestr. 38, Giswil. Freitags ab 20 Uhr, Sa. 13.30 bis ca. 18.30 Uhr; Live-Konzerte jeden Monat.

Restaurants in Lungern: «Bahnhöfli» mit Blick auf See u. Berge, Bahnhofstr. 30, Mi.–So. 8–23 Uhr. «Cantina Caverna» ohne Aussicht, dafür unterirdisch im Brünig-Felsen, Walchistr. 30, Mo. 9–14 Uhr, Di.–Sa. 9–23 Uhr, So. 9–17.30 Uhr.

Ballenberg-Freilichtmuseum: Museumsstrasse 131, Hofstetten bei Brienz.

Panorama-Hängebrücke für Fussgänger in Sigriswil: 340 m lang, 180 m über Grund, Blick auf Thunersee und Gummischlucht; Preis (inkl. Rückweg) Fr. 8.–.

Sternwarte-Planetarium Sirius, Schwandenstr. 131, Schwanden ob Sigriswil.

Bisons und Country: «Dream Valley Saloon», Kreuzweg 145B, Oberlangenegg. 

Aussichtsturm Chuderhüsi in Röthenbach: Gedeckte Plattform, 42 m hoch.

Tropenhaus in Wolhusen, Hiltenberg 4, Garten und Rest. Mi.–So. je ab 9.30 Uhr.

Hotel Moosegg (Gault Millau), Moosegg 231, Emmenmatt / Langnau i. E.

Romantikhotel Bären (Gault Millau), Dorf, Dürrenroth. Kein Ruhetag.

Beton-Tafel: alt, aber ganz. Beton-Tafel: alt, aber ganz. © Dimitri Hüppi
An diesem Automaten zahlt man freiwillig einen Unterhaltsbeitrag für die Strecke Beatenberg – Sigriswil. An diesem Automaten zahlt man freiwillig einen Unterhaltsbeitrag für die Strecke Beatenberg – Sigriswil. © Dimitri Hüppi
Das Freilichtmuseum Ballenberg direkt an der Route zeigt Schweizer Handwerks- und Baugeschichte hautnah. Das Freilichtmuseum Ballenberg direkt an der Route zeigt Schweizer Handwerks- und Baugeschichte hautnah. © Freilichtmuseum Ballenberg
110 Originalhäuser aus der ganzen Schweiz sind im Freilichtmuseum Ballenberg zu bewundern. 110 Originalhäuser aus der ganzen Schweiz sind im Freilichtmuseum Ballenberg zu bewundern. © Freilichtmuseum Ballenberg
Die schöne Landschaft lässt sich auch während der Fahrt geniessen, richtig umschauen kann man sich aber nur bei einer kurzen Rast. Die schöne Landschaft lässt sich auch während der Fahrt geniessen, richtig umschauen kann man sich aber nur bei einer kurzen Rast. © Dimitri Hüppi