Andreas Fuhrer

Ewig rastlos

Von Werner J. Haller
09.02.2009 09:05:35
Kennen tun Andreas Fuhrer wenige. Obwohl er mehr WM-Titel gewann als Töff-Stars wie Heinz Kinigadner (A) oder Barry Sheene (GB).

«Hallo, Exweltmeister!», tönt es vom Stammtisch, als Andreas Fuhrer eine Beiz in Aarberg betritt. Hier, in seiner 4000-Seelen-Wohngemeinde im Berner Seeland, weiss die Bevölkerung noch, welch grosser Champion Fuhrer einst war. Bis 1996 gewann der Berner zusammen mit seinem Passagier Adrian Käser vier Weltmeistertitel im Seitenwagen-Motocross – und das in Serie! Vor ihm hatten das nur das Gespann-Duo Hans Bärchtold/Fritz Fuss – ebenfalls Schweizer – geschafft (1984–87).

Fuhrer setzte damit aber auch einen Schlusspunkt unter eine jahrelange Schweizer Dominanz. Die Eidgenossen holten 1980, als die Gespann-WM eingeführt wurde, bis 1996 zwölf Titel. Holland, die Nummer-zwei-Nation, brachte es bis damals auf ganze vier. Erst elf Jahre später gewann mit Reto Grütter, dem Passagier des Holländers Daniel Willemsen, wieder ein Schweizer die Krone.

Knochenjob
«Schade, dass er zurücktritt», sagt Andreas Fuhrer. Aber wer Seitenwagen-Motocross fährt, muss nicht nur im Gelände viele harte Schläge einstecken. «Dieser Sport ist hart – durch und durch. Ich war vor vielen Jahren zwar Weltmeister – aber kaufen konnte ich mir davon nichts. Immerhin konnte ich damit die Rennerei finanzieren», erklärt Fuhrer, der auch schon damals als Chauffeur und Mechaniker bei der Zuckerfabrik Aarberg arbeitete und Familienvater war. Idealisten seien sie gewesen – und die Seitenwagen-Crössler von heute müssen es immer noch sein. «Das Problem an diesem Sport ist, dass man ihn nicht vermarkten kann. Solo-Maschinen bringt die Industrie an den Mann. Aber Seitenwagen? Die kann man nicht einfach so verkaufen. Beim Seitenwagen-Rennsport auf der Strasse ist die Entwicklung ja auch stehen geblieben», sagt Fuhrer.

«Brauche Motocross wie die Luft zum Atmen»
Auch wegen des andauernden «Überlebenskampfes» trat das Duo Fuhrer/Käser nach dem Gewinn des vierten WM-Titels
zurück. «An der Motivation fehlte es uns nicht», erinnert sich
der Ex-Champion, «und die Leidenschaft bringt man sowieso nicht weg.»

Zwei Jahre hielt er nach seinem Rücktritt durch. «Ich habe mich vom Rennsport distanzieren müssen, habe mir keine Rennen angeschaut», sagt Fuhrer. Doch dann packte es ihn wieder: «Ich sattelte aber auf Solo-Maschinen um – und musste erst lernen, sie zu fahren», erinnert er sich und lacht. «Heute fahre ich mit den Senioren des Freiburger Motocrossverbandes.» Zudem eröffnete Fuhrer 1998 eine eigene Motocross-Vertretung der Marke Kawasaki und betreut vier Seitenwagen-Gespanne. «Zugegeben, das ist schon etwas intensiver als ein Hobby. Aber ich brauche Motocross wie die Luft zum Atmen», erklärt Fuhrer.

Rückkehr des Champs?
Aufsitzen kann Fuhrer wieder am 3. Mai 2009 – in Wohlen. Dann kehrt nämlich die Seitenwagen-WM nach 13 Jahren wieder ins Aargau zurück.

1996 eröffnete Wohlen die WM – von dort aus machte sich das Duo Fuhrer/Käser damals auf, den vierten und letzten Titel zu holen. «Ja, ich bin diesen Mai dabei»; sagt Fuhrer und lächelt, «aber wahrscheinlich nur für eine Ehrenrunde.»

Andreas Fuhrer (Fahrer) und Adrian Käser 1995 Andreas Fuhrer (Fahrer) und Adrian Käser 1995 © Archiv
Auf dem Weg (Flug) zum WM-Titel Auf dem Weg (Flug) zum WM-Titel © Archiv
Fuhrer heute in seiner Werkstatt Fuhrer heute in seiner Werkstatt © Archiv