Andreas Fuhrer
Ewig rastlos
«Hallo, Exweltmeister!», tönt es vom Stammtisch, als Andreas Fuhrer eine Beiz in Aarberg betritt. Hier, in seiner 4000-Seelen-Wohngemeinde im Berner Seeland, weiss die Bevölkerung noch, welch grosser Champion Fuhrer einst war. Bis 1996 gewann der Berner zusammen mit seinem Passagier Adrian Käser vier Weltmeistertitel im Seitenwagen-Motocross – und das in Serie! Vor ihm hatten das nur das Gespann-Duo Hans Bärchtold/Fritz Fuss – ebenfalls Schweizer – geschafft (1984–87).
Fuhrer setzte damit aber auch einen Schlusspunkt unter eine jahrelange Schweizer Dominanz. Die Eidgenossen holten 1980, als die Gespann-WM eingeführt wurde, bis 1996 zwölf Titel. Holland, die Nummer-zwei-Nation, brachte es bis damals auf ganze vier. Erst elf Jahre später gewann mit Reto Grütter, dem Passagier des Holländers Daniel Willemsen, wieder ein Schweizer die Krone.
Knochenjob
«Schade, dass er zurücktritt»,
sagt Andreas Fuhrer. Aber wer Seitenwagen-Motocross fährt, muss
nicht nur im Gelände viele harte Schläge einstecken.
«Dieser Sport ist hart – durch und durch. Ich war vor vielen
Jahren zwar Weltmeister – aber kaufen konnte ich mir davon nichts.
Immerhin konnte ich damit die Rennerei finanzieren», erklärt
Fuhrer, der auch schon damals als Chauffeur und Mechaniker bei der
Zuckerfabrik Aarberg arbeitete und Familienvater war. Idealisten
seien sie gewesen – und die Seitenwagen-Crössler von heute
müssen es immer noch sein. «Das Problem an diesem Sport
ist, dass man ihn nicht vermarkten kann. Solo-Maschinen bringt die
Industrie an den Mann. Aber Seitenwagen? Die kann man nicht einfach
so verkaufen. Beim Seitenwagen-Rennsport auf der Strasse ist die
Entwicklung ja auch stehen geblieben», sagt Fuhrer.
«Brauche Motocross wie die Luft
zum Atmen»
Auch wegen des andauernden
«Überlebenskampfes» trat das Duo Fuhrer/Käser
nach dem Gewinn des vierten WM-Titels
zurück. «An der
Motivation fehlte es uns nicht», erinnert sich
der
Ex-Champion, «und die Leidenschaft bringt man sowieso nicht
weg.»
Zwei Jahre hielt er nach seinem Rücktritt durch. «Ich habe mich vom Rennsport distanzieren müssen, habe mir keine Rennen angeschaut», sagt Fuhrer. Doch dann packte es ihn wieder: «Ich sattelte aber auf Solo-Maschinen um – und musste erst lernen, sie zu fahren», erinnert er sich und lacht. «Heute fahre ich mit den Senioren des Freiburger Motocrossverbandes.» Zudem eröffnete Fuhrer 1998 eine eigene Motocross-Vertretung der Marke Kawasaki und betreut vier Seitenwagen-Gespanne. «Zugegeben, das ist schon etwas intensiver als ein Hobby. Aber ich brauche Motocross wie die Luft zum Atmen», erklärt Fuhrer.
Rückkehr des Champs?
Aufsitzen kann Fuhrer wieder am 3. Mai
2009 – in Wohlen. Dann kehrt nämlich die Seitenwagen-WM nach
13 Jahren wieder ins Aargau zurück.
1996 eröffnete Wohlen die WM – von dort aus machte sich das Duo Fuhrer/Käser damals auf, den vierten und letzten Titel zu holen. «Ja, ich bin diesen Mai dabei»; sagt Fuhrer und lächelt, «aber wahrscheinlich nur für eine Ehrenrunde.»


