Beinhart
Motorradkurier
Für viele bedeutet Töfffahren Friede, Freude, Eierkuchen. Für ein paar wenige jedoch ist es ein alltäglicher Kampf mit Wetter, Staus und Zeitdruck: Unterwegs mit einem Motorradkurier.
Es braucht schon einen sehr pragmatischen Grund, um an diesem grauen Samstagmorgen mit dem Motorrad in der Stadt unterwegs zu sein. Es regnet in Strömen, und nassfeuchte Kälte macht sich breit. Keine idealen Bedingungen für Herr und Frau Sonntagsfahrer. Für Daniel Winter steht der Fahrspass jedoch nicht im Vordergrund, wenn er sich wie jetzt in Zürichs Innenstadt ruhig durch den Verkehr schlängelt. Als Motorradkurier bei Flash Delivery Services hat er die Aufgabe, Eilsendungen so schnell wie möglich von A nach B zu befördern.
«Beinhart müssen unsere Kuriere sein», so lautete es im Inserat, auf das sich Winter vor gut drei Jahren gemeldet hat. Obwohl er schon als Bub vom Töffvirus befallen wurde, kam der gelernte Pfleger erst mit 43 Jahren zu dieser Tätigkeit. Seine Hauptmotivation war, das Hobby zum Beruf zu machen. Reich werde man jedenfalls nicht dabei, so Winter. Pro Jahr spult er beruflich etwa 50 000 Kilometer ab, privat kommen um die 30 000 Kilometer dazu. «Das macht nicht jeder Töfffahrer», meint er mit einem bescheidenen Schmunzeln.
Durch Wind und Wetter
Den Tag als Kurier beginnt Winter um acht Uhr morgens zu Hause in Wegenstetten, Fricktal, von wo er sich meist direkt nach einem Anruf des Disponenten auf die erste Kurierfahrt macht. Die Aufträge führen ihn durch die ganze Schweiz, manchmal sogar in die Nachbarländer. Dabei ergeben sich manch schöne Touren und spezielle Aufträge: «Einmal musste ich für einen Kunden von Zürich nach Baden-Baden, weil er dort sein Portemonnaie vergessen hatte», erzählt Winter. Das Schöne an seinem Beruf sei das Gefühl von Freiheit und Selbständigkeit. Der Kurieralltag verlaufe aber meistens eher unspektakulär, häufig müsse er an Tankstellen auf Aufträge warten – viel warten. Winter fährt bei jeder Witterung, bei Schnee, Regen, Sonnenschein, Affenhitze oder Schafskälte: «Das ist manchmal schon hart.» Dagegen schützt sich Winter mit hochwertiger Funktionsbekleidung; zehn Handschuhpaare hat er im Arsenal.
Flüssig durch den Stau
Der Stress im Verkehr sei gross: «Gerade von mir als Motorradkurier wird erwartet, dass ich schneller bin als die anderen Verkehrsteilnehmer», berichtet Winter, denn durch die Stauresistenz des Motorrades habe er einen Vorteil – aber auch mehr Druck. Das Anspruchsvollste an seinem Beruf sei, gleichzeitig kontrolliert und doch zügig zu fahren. Dabei wird Winter mit viel Aggression im Verkehr konfrontiert, im Gegenzug geniesse er aber eine hohe Wertschätzung durch andere Töfffahrer. Bis zu vier Sendungen hat er manchmal geladen, Sperriges findet im Topcase oder auf dem Sitz aufgeschnürt Platz. Das Maultier, mit dem Winter all diese Kurierstrapazen meistert, ist eine Suzuki DL 650 V-Strom mit ABS. Ein sehr zuverlässiges, währschaftes und günstiges Motorrad, ein «Nutzfahrzeug», wie er es nennt. Mehr Emotionen wecke da die Aprilia ETV 1000 Caponord, mit der er in seiner Freizeit ausgedehnte Touren durch den Schwarzwald und den Jura unternimmt. Winter ist begeisterter Tourenfahrer, schon einige Male hat er mit dem Motorrad Reisen über Frankreich und Spanien nach Marokko unternommen. Wenn er gerade mal nicht auf einem Motorrad sitzt, geniesst Winter die Ruhe in der Natur mit seinen vier Hunden. Um tags darauf wieder bereit zu sein für die «harten Seiten des Töffahrens», wie er sagt.

