Verkehrspolitik
Zug verpasst
Im Leitartikel von Heft 11/2008 hatte TÖFF Bundesrat Leuenberger, Chef des Verkehrsdepartements, zum Dialog mit Vertretern der Schweizer Motorradszene eingeladen. Das Potenzial des Motorrades zur Lösung von Verkehrsproblemen der Zukunft wäre auf der Tagesordnung gestanden sowie Massnahmen für mehr Sicherheit und zur Senkung der Unfallzahlen.
Welche Möglichkeiten im Motorrad stecken – nämlich das umweltfreundlichste individuelle Mobilitätskonzept der Zukunft –, auch das sollte ein Aspekt sein, den TÖFF zusammen mit den verantwortlichen Präsidenten der FMS, der IG-Motorrad, der Motosuisse und weiteren Fachleuten gerne mit dem Bundesrat erörtert hätte.
Moritz Leuenberger, der auch Vorsteher des Departements Umwelt ist, wollte diese Gelegenheit leider nicht nutzen – verweist in seinem Antwortschreiben auf Zeitmangel und die Kompetenz seiner Berater der Astra – versichert, dass unsere Anliegen im Rahmen der Vernehmlassung zu Via Sicura berücksichtigt würden.
Berechtigte Zweifel
Zur Erinnerung: 2008 erklärt
Astra-Pressesprecher Thomas Rohrbach in einem Interview zum Thema
sichere Leitplanken für Motorradfahrer, Zitat: «Passstrassen
in Rennstrecken zu verwandeln ist nicht unser Ansatz.» Dass die
heutigen Sicherheitseinrichtungen ausschliesslich für den
Fahrzeugtyp PW mit Knautschzone, Airbags, Rückhaltesystemen
entwickelt und eingesetzt werden, für schwächere
Verkehrsteilnehmer – nämlich alle Zweiradfahrer – tödliche
Fallen sind, ist für Leuenbergers Berater ein Buch mit sieben
Siegeln. Auch die Autoren der jüngsten bfu-Studie mit dem
salbungsvollen Titel «Verhalten, Einstellungen und
Unfallerfahrungen von Motorradfahrern» sind reine Theoretiker
ohne jegliche Motorradpraxis.
Der Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation hat unseres Wissens noch nie einen öffentlichen Dialog mit Vertretern der Motorradszene geführt. Angesichts dieser Tatsachen nehmen wir enttäuscht zur Kenntnis, dass Bundesrat Leuenberger erneut den Zug verpasst hat, sich die Argumente von Fachleuten mit Erfahrung im Sattel eines Motorrades anzuhören.
Es geht doch …
Der deutsche Verkehrsminister Tiefensee
jedenfalls hat den Kontakt zu den Motorrad fahrenden Bürgern
nicht gescheut und sich in einem Interview in Motorrad 20/08, S. 51
dem Dialog gestellt.
Herr Bundesrat: Die Schweizer Motorradfahrer erneuern hiermit ihren Wunsch nach einem direkten Gedankenaustausch – wann immer es Ihr Terminkalender zulässt.
Gut gemeint – aber nicht gut gemacht: Die Politik des Departements Leuenberger.
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Theodor Klossner, Präsident der
IG-Motorrad: Immerhin hat uns Bundesrat Leuenberger Versprechungen gemacht (keine generelle Temposenkungs-Strategie, obligatorische Abgaskontrollen nur, wenn technisch gerechtfertigt und effizient durchführbar). Vielleicht ergibt sich später eine Gelegenheit zum Gespräch mit dem Bundesrat. Hoffentlich nicht unter dem Stern gebrochener Versprechungen.» |
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Roland Müntener, Präsident
Motosuisse: Bestünde die reelle Absicht, den aktuellen Stand in bekannter Form beizubehalten oder gar für die Motorradfahrer zu verbessern, wäre mit Sicherheit ein ‹beruhigender Hinweis› in der Stellungnahme zu finden. Ebenfalls zeigt uns die Vergangenheit, dass vom Departement Leuenberger noch nie etwas gekommen ist, was für den Motorradfahrer als wirklich nützlich anerkannt werden konnte – ausser Einschränkungen und finanzielle Zusatzbelastungen. Unter dem Vorwand der Sicherheit und des Umweltschutzes zielen sämtliche Beschlüsse generell auf das Vermiesen des privaten Verkehrs. Seien wir also gespannt auf die nächste Attacke, die vom Uvek geritten wird. Sie wird einmal mehr die Absicht beinhalten, uns alle zum Erwerb eines Generalabonnements zu zwingen oder nochmals zusätzlich bezahlen zu dürfen, weil uns das Töfffahren am Herzen liegt. Wir bleiben gespannt und wachsam.» |
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Walter Wobmann, Zentralpräsident
der FMS und Nationalrat: |



