Die Dauerbrenner
Swiss Alpenchallenge
Vom Doktor bis zum Pöstler, vom Ingenieur bis zum Redaktor: Seit zehn Jahren kratzen jeden September bis zu 30 Motorradverrückte regelmässig die Kurven auf der 129-Pässe-Tour von TÖFF: Dani, Roger, Wädi, Markus, Tibor, die Luchsingers und die vielen Kurts – egal wie sie alle heissen –, sie sind die Dauerbrenner der Swiss Alpenchallenge, denn sie alle stehen nur auf eines und kommen deshalb immer wieder: auf Kurven, Kurven und nochmals Kurven. Ein Grund mehr, die Passsüchtigen, die diesen TÖFF-Event zu etwas ganz Besonderem gemacht haben, und den Event selbst zu feiern.
Wie alles begann
2001: Die Geburtsstunde der Swiss Alpenchallenge. Angefangen
hat alles mit einer Pilottour. In sechs Tagen ging’s damals für eine Handvoll
Schweizer über 100 Westalpenpässe. Typen wie Roger Sprenger (Kasten unten),
haben es zu verantworten, dass daraus die Swiss Challenge wurde. Denn es war
kaum zu glauben, aber wahr: Nach bis zu 450 Kilometern pro Tag über kleinste
Strässchen war nach der ersten Kurvenhatz vor zehn Jahren trotz aller
Begeisterung auch leise Kritik zu hören: «Etwas mehr als 100 Pässe dürften es
schon sein.» Das war der Startschuss zur «Alpenchallenge for Swiss only» – der
legendären 129 Pässe Tour.
September ist Challenge-Zeit…
…und damit Zeit zum Lachen, Weinen, Bangen und Hoffen – und
zum Schwärmen: 150 000 Höhenmeter, tausende Serpentinen, Split, Erdrutsche,
Regen, Schnee und Sonnenschein … und das alles nur um sechs Tage und 3000 Kilometer später
wieder im selben Hotel südlich des Genfersees zu sitzen? Das also ist seit
einer Dekade das Ziel unserer Teilnehmer. Die TÖFF-Redaktion hat noch ein
anderes: den ultimativen Härtetest (Kästen unten). Egal, ob GPS, Pneus oder
neue Motorradmodelle: Auf dieser Extremtour kommen auch die kleinsten Schwächen
gnadenlos ans Licht. Doch wir haben nicht nur selbst getestet. Schnell hat die
Redaktion bemerkt, dass wir es auf unseren Challenges mit den versiertesten und
sichersten Motorradfahrern der Schweiz zu tun haben. Der Teilnehmer Dominik
Buser (2006) formulierte es so: «129 Pässe machen jeden Pneu nieder, bringen
jedes Fahrwerk an Grenzen, jede Bremse zum Wimmern, aber auch viele
Glückshormone zum Fliessen.»
Da wäre es doch dumm, dieses Potenzial nicht fürs TÖFF-Heft zu nutzen – also haben wir den Erfahrungen der Teilnehmer im Heft eine Plattform gegeben. Denn wo bei den meisten der Spass längst aufhört, beginnt es bei diesen Herrschaften erst lustig zu werden. Challenge-Dauerbrenner Markus Senn: «Natürlich bleibt es auch für die Wiederholungstäter eine grosse Herausforderung, alle Pässe zu fahren. Ob und wie man die TÖFF-Challenges annimmt, bleibt einem dank des Roadbooks aber Gott sei Dank selbst überlassen. Tatsache ist, dass ich jedes Jahr aufs Neue überrascht bin, welch illustre Gruppen jeweils zusammenfinden. Da sieht man vermeintlich total ungeeignete Motorräder und Piloten, denen ich bei der ersten Begegnung nicht einmal zehn Pässe pro Tag zugetraut hätte. Die meisten reisen ja allein oder zu zweit an, fahren aber spätestens ab dem zweiten Tag in Dreier-, Vierer- oder sogar noch grösseren Verbänden. Nur die Allerwenigsten haben zwar alle 129 Pässe geschafft, aber praktisch jeder hat die magische Zahl von 100 Pässen angekratzt. Jürg, vierfacher Alpenchallenge-Dauerbrenner: «Auch meine Gruppe fährt teilweise die Etappen leicht abgeändert, weil wir nicht mehr darauf aus sind, möglichst viele Pässe zu fahren, sondern der Spass und das Drumherum ist jetzt das Wichtigste für uns.»
2006: Die erste Tutti Passi
Nach fünf erfolgreichen Swiss Alpenchallenges hatte sich die
TÖFF-Redaktion entschlossen, eine weitere Swiss Challenge durch die Ostalpen
ins Leben zu rufen. Deutlich ruhiger, aber nicht weniger faszinierend sollte
sie sein. Tauernpass und Nockalmstrasse, dazu einen Schuss Slowenien mit
weitgehend unentdeckten Bergetappen wie Vrsic-Pass und Sella Nevea, das Friaul,
Veneto und die Dolomiten – wann immer es geht, bewegt sich auch die Tutti Passi
nach guter Challenge-Tradition auf unbekannten, wenig frequentierten Strecken,
die phänomenale Landschaften und tolle Aussichten abseits des Touristenstroms
bieten. Daher setzte auch die 90-Pässe-Tour durch den südlichen und östlichen
Teil des Alpenbogens von Anfang an eine gehörige Portion Bergerfahrung voraus,
um diese sicher meistern zu können.
Der Stoff, aus dem Helden sind
Egal ob Swiss Alpenchallenge, Tutti Passi oder die
diesjährige Jubiläums-Megachallenge über 230 Pässe. Alle liefern Stoff genug
für unzählige Geschichten wie diese: Am Anfang noch schüchtern und
zurückhaltend, lieferte Roger den Slapstick der zehnjährigen
Challenge-Geschichte schlechthin – einen Scherz, von dem garantiert jeder
weiss, der zur Challenge-Mafia gehört: Als Eigner einer dunkelblauen R 100 RT
zog sich der Roger schon vor Jahren eine orangefarbene Warnweste über die
Jacke. Wir haben ihn damals als französischen Pseudo-Gendarmen verspottet. Doch
Roger grinste nur verschmitzt und liess uns wissen, dass diese Jacke in
Verbindung mit der dunkelblauen RT das todsichere Rezept sei, um in Frankreich
durch jeden Stau zu kommen. In Grenoble dann wurde uns klar, was er mit
«Sicherheitsplus» meinte: Die Autofahrer hielten ihn schlicht für einen
Gendarmen im Einsatz, bildeten eine Gasse und der Roger fuhr allen davon. So
raffiniert muss man erst mal sein! Doch den Vogel abgeschossen hat er dann tags
darauf. Da postierte er sich am Ende einer langen Geraden, und immer, wenn ein
Challenge-Teilnehmer erschien, baute er sich als Gendarm auf und winkte die
Fahrer wie zur Kontrolle auf einen Parkplatz. Dumm nur, dass er eine
Vierergruppe reichlich ambitioniert fahrender Franzosen für unsere Kollegen
hielt. Als diese den vermeintlichen Gendarmen samt quergestellter BMW erblickten,
reihten sie sich im Glauben an eine Grosskontrolle kleinlaut hinter den
pausierenden Challengern am Action-team-Bus ein. Im Geiste haben sie wohl schon
ihre Billette in den Reisswolf geschoben, so blass waren die um ihre Nasen.
Dunlop und TÖFF: Aus zwei mach drei
Was nach zehn Challenges
bleibt, sind unzählige solcher Spässe und weitere werden folgen. Denn sowohl
die Tutti Passi, die Swiss Alpenchallenge als auch die Kombination aus beiden,
die neue DUNLOP-TÖFF-Megachallenge über 230 Pässe, werden 2011 wieder
stattfinden. Dann nämlich wird das notorische Pässeknacken zum ersten Mal in
Zusammenarbeit mit unserem neuen Partner Dunlop organisiert (Kasten unten).
Marcel Vogler, Tutti-Passi- und dreifacher Swiss-Alpenchallenge-Aktivist und
mit 270 Pässen der Rekord-Dauerbrenner der neuen Megachallenge: «Für mich ist
es eine tolle Ankündigung, dass TÖFF in Kooperation mit Dunlop die Challenges
nicht nur weiterführt, sondern sogar wieder attraktiver macht. Denn die
TÖFF-Challenges sind für mich eines der abgedrehtesten und tollsten
Motorradereignisse der Schweiz. Warum? Ursprünglich wollte ich die diesjährige
Megachallenge-Pilottour ja alleine fahren, denn ich hatte mir vorgenommen, noch
mehr als die angekündigten 230 Pässe zu fahren. Wie mich dann aber der Micha
von TÖFF gefragt hatte, ob wir nicht gemeinsam versuchen sollten, 250 Pässe zu
knacken, da konnte ich nicht widerstehen, ahnte ich doch, dass man nicht alle
Tage mit einem Typen herumkurven kann, von dem man schon so einiges gelesen
hat. Und so war es auch. Wir hatten 7200 km Fahrspass pur, auf denen
ich fahrerisch nur profitieren konnte, und wir haben zusammen Pneus getestet.
Auch das kann einem passieren, wenn man eine Challenge mitfährt. Es war
unheimlich interessant und hat einfach nur Laune gemacht.»
| Dunlop goes TÖFF-Challenge Den grossen Pneuherstellern sind die verrückten Swiss Alpenchallenger schon längstens ein Begriff. Die Kurvenjagd über 129 Pässe sorgte kurz nach dem Verkaufsstart eines neuen Enduroreifens in einer Mailänder Entwicklungsabteilung sogar schon für heisse Köpfe. Das spricht nicht nur für unsere Reifen mordende Route quer durch die Alpen, sondern insbesondere für das Können der TÖFF-Challenger. Egal ob Tutti Passi oder Swiss Challenge, die Pässejagd war schon immer das Stelldichein für die besten Schweizer Motorradfahrer. Dass unsere Teilnehmer Motorradexperten sind, haben sie besonders auf der diesjährigen Megachallenge eindrucksvoll bewiesen. Dunlop Schweiz sah das Potenzial, wagte ein Experiment und rüstete alle Megachallenger gratis mit je einem Satz Dunlops ihrer Wahl aus. Einzige Bedingung: eine ehrliche und fundierte Beurteilung der Pneus mittels Testprotokoll am Ende der Pässejagd. Im Dunlop-Hauptquartier in Brüssel war man so beeindruckt, dass man sich entschloss, nach einem umfassenderen Engagement für die TÖFF-Challenge-Teilnehmer anzufragen. Die neuen DUNLOP-TÖFF-Challenges Zur diesjährigen Challenge gehts da lang. |
Auf allen Challenges mit dabei ist der TÖFF-Begleitbus: Treffpunkt, Wasserspender und Notfallhelfer.
For Experts only: die Swiss Alpenchallenge. Nur ein einziges Mal riefen wir lieber den Heli.
Es waren schon Harleys mit Starr-rahmen, Supermotos, Supersportler und Gold-winger mit von der Partie. Auf der diesjährigen Megachallenge ging es mehr als je zuvor darum, jeden noch so kleinen Pass einzusammeln. Die glorreichen Sieben: Sieben TÖFF-Megachallenger mit dem Pneusponsor von Dunlop Schweiz (3. v. rechts) in Pose. Marcel Vogler (2. v. rechts) hat 270 Pässe geknackt.







