Patric Muff

Kämpfer

Von Ivo Schützbach
01.10.2008 08:36:29
Zwei Marken, ein Fahrer. Für den Schweizer Meister Patric Muff nichts Ungewöhnliches.

Patric Muff war der Dominator der diesjährigen Schweizer Meisterschaft in der Superstock-1000-Klasse.
So leicht, wie es von aussen aussah, war es laut dem 24-jährigen Bannwiler aber nicht: «Der Druck in der SM war ziemlich gross; es war kein Spaziergang. Jeder hat erwartet, dass ich alles gewinne und Schweizer Meister werde. Den Titel hat man aber auch schnell versiebt: Zwei technische Ausfälle und zwei Stürze – und schon ist es vorbei.»

Kurios an Patric Muff: Während die meisten Piloten das Aushängeschild einer Marke sind, geht der gelernte Mechaniker für zwei verschiedene Hersteller an den Start: In der Strassen-SM für Suzuki und in der Langstrecken-WM für Kawasaki. «Suzuki und Kawasaki sind darüber nicht gerade erfreut, die Importeure verstehen aber, dass ich auf zu wenige Rennen komme, wenn ich nur für einen von ihnen fahre», meint Muff. «Ich muss viele Rennen fahren, ein Importeur alleine kann mir das aber nicht bieten.»

Gehversuche im Motocross
Den ersten Kontakt mit einem Motorrad hatte Patric Muff im zarten Alter von fünf Jahren: Damals lag eine Yamaha PW50 unterm Weihnachtsbaum; von Vater Christoph, der selber mal Rennen fuhr.

Da Patric als kleiner Bub in Niederbipp, nicht weit entfernt von der Motocross-Strecke, wohnte, war der sportliche Weg vorprogrammiert. Bis er 16 Jahre alt war, fuhr Muff ausschliesslich Motocross-Rennen – und lag sehr oft im Spital. «Ich habe immer voll draufgehalten. Kaum war ich aus dem Spital raus, bin ich schon wieder gestürzt.»

Das inzwischen überholte Bad-Boy-Image nahm langsam Gestalt an. «Als ich in die Lehre kam, hat mir mein Vater das Rennenfahren untersagt, weil ich ein paar Mal böse abgestiegen bin.»

Bis 2002 fuhr Muff Supermotard, 2003 das erste Jahr in der Strassen-SM. «Die ersten beiden Saisons auf der Strasse habe ich auch voll durchgezogen. Als ich anfing Strassenrennen zu fahren, sah ich zwei Möglichkeiten, um schnell schnell zu werden: Die eine war ganz langsam anfangen und mich Schritt für Schritt hocharbeiten, die andere war draufsitzen und Vollgas geben. Mit meiner Variante stürzt man halt oft. Ich dachte mir, dass ich schon irgendwann sitzen bleiben würde. Die ersten beiden Jahre habe ich so gut wie alles zerstört und bin so gut wie nie angekommen. Ob mein Weg der richtige war, kann ich nicht sagen. Ich weiss ja nicht, wie der andere Weg gewesen wäre.»

Schlecht vermarktet
Zumindest wenn man sich die sport-lichen Erfolge ansieht, war der Weg nicht verkehrt. Muff ist heute zusammen mit Roman Stamm der schnellste Schweizer Viertakt-Pilot, auch wenn er den Sprung in die angepeilte Superbike-WM noch nicht geschafft hat: «Ich suche schon seit bald 20 Jahren Sponsoren in der Schweiz, finde aber keine. Die 1000er-Klasse ist bei uns ganz schlecht vermarktet. Wenn ich Grand Prix fahren würde, sähe man mich im Fernsehen, und es wäre vermutlich einfacher.»

Was dem Bannwiler fehlt, ist jemand, der ihm richtig unter die Arme greift. «Jeder Fahrer hat einen Manager, ausser ich», stellt Muff klar. «Ich habe nicht einmal eine Homepage. Ich weiss aber auch nicht, ob das der richtige Weg ist. Ein grosser Fanclub hilft einem nicht in ein Werksteam zu kommen. Da hilft einem niemand. Entweder du bist gut genug und bekommst ein Angebot, oder du kannst versuchen, dich einzukaufen – was in den guten Teams nicht funktioniert.» Sagt’s und verspricht, auch in Zukunft alles zu geben.

In der Langstrecken-WM kommt es auf Konstanz an In der Langstrecken-WM kommt es auf Konstanz an © Helmut Ohner, David Reygondeau
Mit Bolliger Kawasaki wurde Muff im WM-Lauf in Albacate Dritter Mit Bolliger Kawasaki wurde Muff im WM-Lauf in Albacate Dritter © Helmut Ohner, David Reygondeau
Patric Muff mit Freundin Iris Patric Muff mit Freundin Iris © Helmut Ohner, David Reygondeau