Troy Bayliss Interview
Machs gut, Troy!
Casey Stoner, Troy Corser und Troy Bayliss. Im Motorradrennsport hielten sie in den vergangenen Jahren für Australien stolz und mit blendenden Resultaten die Fahne hoch. Doch während Stoner 2009 erneut die MotoGP-Ducati satteln wird und sich Corser mit der S 1000 RR um ein respektables Superbike-WM-Debüt von BMW kümmern will, tritt Troy Bayliss als amtierender Weltmeister glanzvoll zurück. Der 39-Jährige wurde drei Mal auf Ducati Weltmeister (2001, 2006 und 2008) und ist statistisch hinter Carl Fogarty der erfolgreichste Superbike-WM-Pilot aller Zeiten. Er ist der einzige Rennfahrer, der im selben Jahr sowohl im MotoGP wie in der Superbike-WM ein Rennen gewinnen konnte.
Anlässlich der Welt-Präsentation der Ducati 1198 S vor den Medien unterhielt sich TÖFF mit dem Sympathieträger, der sich in seiner Karriere nie zur Hochnäsigkeit hat hinreissen lassen und immer der nette Familienmensch von Down Under geblieben ist.
Troy, gab es in all den Jahren im Rennsport eine Glanzstunde – den perfekten Moment?
Ich bin mir nicht sicher. Ich hatte sehr viele sehr spannende Rennen. Ich glaube, dass dieses Jahr sehr speziell war, weil ich auf der neuen 1098 den Titel geholt und beim Saisonfinale beide Rennen gewonnen habe.
2009 wird Aprilia mit der RSV4 in die WM zurückkehren. Hat Aprilia überhaupt eine Chance?
Ich glaube, Aprilia wird im ersten Jahr einige Leute überraschen. Und es ist sehr gut, dass sie einsteigen, denn es ist wichtig, möglichst viele Hersteller in der Startaufstellung zu haben. 2009 wird richtig toll. Ohnehin ist die Superbike-WM meiner Meinung nach die beste Meisterschaft. Jetzt wird sie noch besser und noch spannender.
Wurmt es dich, dass du nicht dabei sein wirst?
Ich bin etwas traurig, dass ich nicht mehr Teil des Zirkus sein werde. Tief drin bin ich ein Racer, und in meinem Kopf würde ich gern weitermachen. Doch mein Kopf ist auch recht schlau, und so weiss ich, dass jetzt der Zeitpunkt ist, aufzuhören.
Nächstes Jahr werden Fabrizio und Haga die 1098 fahren. Wie schätzt Du ihre Chancen ein?
Ich glaube, Fabrizio wird sehr stark unterwegs sein. Gegen Ende der Saison wurde er immer schneller. Haga, einer meiner stärksten Rivalen, ist extrem talentiert, und er wird sehr schnell sein. Nach all den Jahren bei Yamaha wird er sich ein bisschen umstellen müssen, doch er erhält meine Crew und meinen Chefingenieur. Da ist er gut aufgehoben.
Was hältst du von der Einführung der Einheitsreifen in der MotoGP-Weltmeisterschaft?
Ich finde die Entscheidung gut. In der Formel 1, der Rallye- und der Superbike-WM führten die Einheitsreifen zu spannenderen Rennen, weil alle auf demselben Material unterwegs sind. Und das ist, was alle sehen wollen: spannende Rennen.
Wer war dein härtester Gegner?
Es gab nicht nur einen, es gab sehr viele. Wenn ich zurückdenke, fallen mir Namen wie Edwards, Toseland, Haga und Corser ein. Es ist unmöglich, nur einen zu nennen. Sie waren alle sehr schnell.
Dein zukünftiges Leben?
Ich werde nächstes Jahr noch vereinzelt für Ducati arbeiten. Bei Events beispielsweise. Ansonsten interessiert mich die australische Tourenwagen-Meisterschaft. Im Dezember ziehen wir zurück nach Australien, und im Januar gehen die Kinder da wieder zur Schule. Ich habe jetzt viele Dinge zu organisieren. Aber du wirst mich mit Sicherheit hier und dort wieder auf einer Rennstrecke antreffen.

