Im Rennfieber

Unser Fast-Opfer

Von Imre Paulovits
11.02.2009 11:37:56
Um ein Haar wäre Roman Raschle Opfer der Fasten-zeit im internationalen Motorsport geworden.

Die internationale Wirtschaftskrise zieht auch im Motorsport ihre Kreise. Bei den in solchen Zeiten gewohnt vorsichtigen Japanern werden nun Sparmassnahmen getroffen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch das Motorsport-Engagement von den Controllern unter die Lupe genommen wird. Dann müssen schon handfeste Argumente geliefert werden, warum der teure Posten nötig ist. Ist er nicht durch deutliche Erfolge und Werbewirksamkeit zu begründen, kann er ganz schnell dem Rotstift zum Opfer fallen. So geschehen im Fall des Formel-1-Teams von Honda, aber auch des Kawasaki-MotoGP-Teams.

Nicht nur die Hersteller sind gezwungen, Geld einzusparen, sondern auch deren Landesimporteure, und so sind auch die nationalen Meisterschaften schwer ins Schussfeld geraten. Kawasaki Deutschland hat bereits im Herbst seinen Rückzug aus der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) verkündet. Ein schweres Los für das Importeurteam, das mit dem Franzosen Gwen Gabbiani sogar Laufsiege in der prestigeträchtigen IDM Superbike vorzuweisen hatte.

Wie immer trifft es die Kleinen am meisten. Der Schweizer Roman Raschle ist zwar kein Werksfahrer bei Kawasaki Deutschland gewesen, doch ist er tief mit Kawasaki verbunden. «Seit ich Motorrad fahre, habe ich es immer mit einer Kawasaki getan», sagt der Wattwiler. «Für die Strassen-SM bekomme ich meine Motorräder über den Lichtensteiger Händler Destimoto, bei dem ich zehn Jahre lang als Motorradmechaniker gearbeitet hatte, für die IDM von Kawasaki-Händler Schnock aus Soest.» Mit dem wackeren Eidgenossen waren alle zufrieden, doch gibt es einen Passus im Reglement der Internationalen Deutschen Meisterschaft, der Raschle bei einem Ausstieg des Importeurs mit einem Schlag ebenfalls ins Aus befördert hätte: Es dürfen nur Motorrad-Hersteller teilnehmen, die in den Topf der Pool-Partnerschaft einzahlen, aus dem die Promotionskosten der sehr professionell vermarkteten Serie finanziert werden.

So standen Raschle harte Tage bevor. «Ich bereite meine Motorräder mit meinem Bruder Martin selbst vor. Mit Kawasaki haben wir viel Erfahrung, und weil viele Teile von unserem letztjährigen Motorrad hätten weiterverwendet werden können, hätte ein Markenwechsel die Lage sehr schwierig gemacht. Auch mein ganzes restliches Umfeld von der Bekleidung bis zum Öl ist auf Kawasaki ausgelegt. Da mich Shell Deutschland unterstützt, hätte ich gar nicht so viele Alternativen gehabt. Es sei denn, wir hätten alles über Bord geworfen und ein rundum neues Paket geschnürt. Da mein Bruder und ich 100%-Jobs nachgehen und wir uns nur in unserer Freizeit mit Motorsport befassen können, war das völlig aussichtslos. Und den Schweizer Importeur, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis habe, wollte ich auch nicht vor den Kopf stossen.»

Nun scheint sich die Lage offenbar entspannt zu haben: «Kawasaki-Deutschland hat mir zumindest mündlich zugesagt, dass sie den Pool-Beitrag einzahlen werden. So kann meine internationale Karriere doch wie geplant weitergehen.»

Roman Raschle kann nun auf vordere Plätze in der IDM hoffen Roman Raschle kann nun auf vordere Plätze in der IDM hoffen © Kawasaki