Die neue Ducati Monster 797.
Die neue Ducati Monster 797. © Milagro

Back to the roots

Ducati Monster 797

Von Daniele Carrozza
02.10.2017 16:27:14

Vom 800er-Zweiventiler der Scrambler befeuert, markiert die taufrische Monster 797 den neuen Einstieg in die rote und damit sportliche Seite der ­Ducati-Welt.

Wer hätte geglaubt, dass die für die damalige Zeit doch ziemlich skurrile Ducati Monster einmal so erfolgreich sein würde? Tatsächlich war bis vor gar nicht allzu langer Zeit jede zweite abgesetzte Ducati der Monster-Familie zuzuordnen. Den Grundstein legte anno 1992 die von der Feder des Designers Miguel Galluzzi stammende Monster 900, der in den vergangenen 25 Jahren etliche Hubraum- und Ausstattungsvarianten folgten.

1994 war insofern ein Schlüsseljahr, als Borgo Panigale mit der 600er-Motorisierung den ersten "Monsterino" (Diminutiv von Monster) brachte. Denn mit ihr kamen – speziell in den Südmärkten – sehr viele Neu- und Fremdmarkenlenker erstmals in Kontakt mit der Marke in Rot.

Durch den Boom der Naked-Bikes der vergangenen Jahre und die grosse Design-Anpassung von 2008, die das aggressive Monster-Design insofern massgeblich entschärfte, als das Böse-Buben-Image fortan der neu geschaffenen Streetfighter-Familie vorbehalten war, bröckelte der Alleinstellungsstatus der Monster, was sich freilich in den Absatzzahlen bemerkbar machte. Der Einbruch der Supersportler, für Ducati unter dem Label "Superbike" seit jeher die Imageträger der Marke, flankiert vom durchschlagenden Erfolg der Scrambler-Modelle und damit der gelben Seite der Ducati-Welt, veranlassten die Verantwortlichen zum Handeln.

Und so soll jetzt – neben der gerade eben für Routiniers lancierten Supersport – die neue Monster 797 in Anlehnung an den seligen "600er-Monsterino" die Sport-DNA der Marke wieder in den Fokus rücken. Und zwar im Sinne eines Willkommenstors primär für Einsteiger in die rote Ducati-Welt.

Clever ist sicher, dass die Ingenieure bei der Planung der ab sofort in Rot, Weiss und Schwarz lieferbaren Monster 797 auf die Einheitsmotorisierung der Scrambler zurückgegriffen haben. Denn der luft-/ölgekühlte Zweiventiler mit 803 ccm, einer Nennleistung von 75 PS sowie 68,9 Nm Drehmoment ist bekanntermassen auch von Novizen spielend zu bedienen und zu kontrollieren. Lediglich das Mapping wurde im Interesse einer noch flacheren und schon ganz unten fülligeren Drehmomentkurve angepasst.

Eine Traktionskontrolle hat auch die Monster 797 nicht. Angesichts der überschaubaren Power betrachten wir diese allerdings auch nicht als Notwendigkeit. Vielmehr wären eine Benzinstands- und – gerade für Einsteiger – eine Ganganzeige im sonst übersichtlichen und vollständigen LCD-Cockpit wünschenswert gewesen. Top sind dafür die neuen Bedienelemente am breiten und eine hervorragende Kontrolle suggerierenden Lenker. Eher flop sind dagegen die billig wirkenden Rasten und Fusshebel. Doch irgendwo muss sich der überschaubare Preis ab 9990 Franken (Fr. 10 290.– für die Versionen in Schwarz und Weiss) auch widerspiegeln.

Was jetzt nicht heisst, dass die 797 insgesamt unwertig wirkt. Im Gegenteil: Das Design zeichnet eine ­kohärent-saubere Silhouette, und Details wie der Stahltank mit der wunderschönen Alu-Tankarretierung als Reminiszenz an das erste Monster-Design, der feurige Gitterrohrrahmen und die rassigen Zehnspeichen-Räder geben unmissverständlich zu verstehen: Hier gibts doch viel Töff fürs Geld. Und das gilt genauso für die Fahrdynamik.

Beim Platznehmen auf milden 805 mm Sitzhöhe wird schnell klar, dass die Ergonomie zugunsten von mehr Komfort optimiert wurde. Der Lenker ist gegenüber der 821er, der in der oberen Mittelklasse positionierten Schwester, ein Stückchen näher an den Fahrer gerückt, die Fussrasten sind tiefer und weiter vorn verschraubt. Dennoch resultiert eine unverfälscht-aktive Monster-Sitzhaltung, die allerdings durchaus längere Tagestouren ermöglicht.

Der "Desmodue" setzt Gasbefehle begeisternd sanft in Vortrieb um, was Ducati mit einem eher lang gewählten Gaszug clever hingekriegt hat. Ab 2000/min bollert der Twin geschmeidig vor sich hin – jedes Kommando zum Öffnen der Drosselklappen wird postwendend in druckvollen Antritt transformiert. Am häufigsten bewegt man diese Monster um die 4000/min, und wenn man bei sportlicher Gangart, für welche die 797 durchaus empfänglich ist, das Gefühl bekommt, sie könnte doch eigentlich etwas energischer abdrücken, so liegt das garantiert daran, dass der Gaszug nicht voll durchgespannt ist.

Ab 6000/min geht die Duc dann ab "wien es Zäpfli", um kurz nach 8000/min im Begrenzer zu zappeln. Glanznoten vergeben wir auch für die Baugruppen Getriebe und Rutschkupplung mit Assistfunktion, wobei letztere – übrigens stets sauber dosierbar – zur Bedienung nie mehr als zwei Finger inkommodiert.

Für ein Einsteiger-Bike ist auch die Performance des Fahrwerks erstaunlich gut. Die Handlichkeit der fahrfertig 182 Kilo leichten M797 ist schlicht berauschend, was auch auf den kurzen Radstand von 1435 mm zurückzuführen ist. Überraschend ist jetzt aber, dass das Bike sehr satt im Eck liegt; und zwar unabhängig von Speed und Kurvenradius. Freilich kommen bei Fahrweise "Messer zwischen den Zähnen" die USD-Gabel und das direkt angelenkte Federbein irgendwann an ihre Grenzen. Doch dann bewegt man sich nicht nur jenseits der Legalität, sondern auch sehr weit über den Fahrfähigkeiten der anvisierten Zielgruppe. Auch die ABS-Bremsen passen perfekt zu den Ansprüchen von Novizen, werden Routiniers aber nicht langweilen. Der Druckpunkt ist eher defensiv ausgelegt, die Dosierbarkeit geht in Ordnung, und die Verzögerung kommt auf Wunsch mit richtig viel Knall daher.
 

Die „Plus“-Versionen 

Natürlich steht für die M797 viel Originalzubehör bereit. Darunter Dämpfer von Termignoni, Sitzbänke (-20 mm; +25 mm), Tankrucksäcke, Spiegel, Blinker u.v.m.

Hervorzuheben ist, dass alle drei Farbvarianten auch als "Plus"- Version mit Flyscreen & Sozius-Abdeckung zu haben sind (Aufpreis inkl. Montage: Fr. 400.–).

 

Fazit:

Die letzte Nicht-Scrambler-Ducati mit luft-/ölgekühltem Motor hat uns überzeugt! Wie ein junger Fuchs im Frühling gibt sie sich quicklebendig und vergnügt. Der druckvolle und völlig easy handhabbare L-Twin, das luftig-handliche, aber dennoch spurtreue Fahrwerk und die erwachsenen Bremsen machen aus dieser im Segmentvergleich am oberen Ende der Preisskala positionierten Entry-level-Monster einen Kumpel, mit dem es sich lohnt, auch nach den Einsteiger-Jahren noch durch dick und dünn zu gehen.

 

Ducati Monster 797

Preis: ab 9990 Franken
Hubraum: 803 ccm
Leistung: 75 PS bei 8250/min
Drehmoment: 68,9 Nm bei 5750/min
Gewicht: 182 kg fahrfertig ohne Benzin
Sitzhöhe: 805 mm
Tankvolumen: 16,5 l
Import & Info: www.ducati.ch


Motor:

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakter, 2 Ventile/Zylinder, Nasskupplung, 6 Gänge, Kette.


Fahrwerk:

Stahl-Gitterrohrrahmen, USD-Gabel (43 mm; nicht einstellbar), Alu-Zweiarmschwinge mit seitlich verschraubtem, direkt angelenktem Federbein (Basis und Zugstufe einstellbar), vorn Doppelscheibenbremse (320 mm) mit radialen Monobloc-Vierkolbenzangen, hinten Einzelscheibe (245 mm) mit Einkolben-Schwimmsattel. Reifen 120/70-17 und 180/55-17.



Die 797 unterhält auch Routiniers. Die 797 unterhält auch Routiniers. © Milagro
Das LCD-Instrument ist übersichtlich und informativ. Was fehlt, sind eine Gang- und eine Benzinstandsanzeige. Dafür gibts einen USB-Port. Das LCD-Instrument ist übersichtlich und informativ. Was fehlt, sind eine Gang- und eine Benzinstandsanzeige. Dafür gibts einen USB-Port. © Milagro
Der Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht stammt von der M1200. Der Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht stammt von der M1200. © Milagro
Das seitlich angebrachte, direkt angelenkte Federbein ist in Basis und Zugstufe einstellbar. Nicht so die Gabel. Das seitlich angebrachte, direkt angelenkte Federbein ist in Basis und Zugstufe einstellbar. Nicht so die Gabel. © Milagro
Schöne und funktionale Instrumente. Schöne und funktionale Instrumente. © Milagro
Die M797 - im Bild die Plus-Versionen - ist sicher eine coole Basis für Veredelungs-Projekte. Die M797 - im Bild die Plus-Versionen - ist sicher eine coole Basis für Veredelungs-Projekte. © Milagro