Pirelli

Diablo Rosso Corsa

Von Daniele Carrozza
19.06.2010 09:53:24
  

Pirelli dopt den Sport-Gummi Diablo Rosso und bringt eine Corsa-Version. Der Diablo Corsa III geht in den Ruhestand.

In den letzten Jahren hatte Pirelli das Problem, für den Strasseneinsatz keinen Hypersport-Reifen am Markt zu haben, der bei optisch ansprechender Profilgestaltung sowohl rennstreckentauglichen Grip wie auch eine einigermassen akzeptable Laufleistung garantiert. Da gab (und gibt) es den Sportgummi Diablo Rosso, der zwar in beiden Punkten eine gute Performance bringt, beim Profil-
Design jedoch keine Goldmedaille gewinnt, sowie den in der Supersport-WM gefahrenen Diablo Supercorsa SP, der bei sportlicher Gangart schon nach wenigen hundert Kilometern auf der gesetzlichen Mindestprofiltiefe ist. Dasselbe gilt für den Dragon Supercorsa Pro.

Damit sich Michelin nicht noch länger die Hände reibt, haben die Italiener nun den Diablo Rosso Corsa erschaffen, der uns auf dem TT-Circuit von Assen aufgetischt wurde. Zudem haben wir den Gummi in Eigenregie auf der öffentlichen Strasse in der Schweiz getestet (siehe Kasten). Der neue und ab sofort in den gängigsten Dimensionen erhältliche Superkleber (siehe Kasten) ist für Töfffahrer mit Hypersportlern oder Power-Nakeds bestimmt, die ihr Bike im Alltag bewegen, sich damit aber auch auf die Rennstrecke wagen. Das Besondere an der neuen Kreation mit Dreizonenmischung: Mit dem Rosso Corsa soll man an jedem Punkt der Rennstrecke zehn PS mehr auf den Asphalt bringen können. Dies will Pirelli im Rahmen eines Tests mit einer Serien-Fireblade herausgefunden haben.

Eine weitere Besonderheit: Der Rosso Corsa ist der erste Reifen, den man personalisieren kann. Vorne wie hinten ist an den Seitenwänden jeweils eine Aussparung einvulkanisiert, in die ein Etikett geleimt wird. Letzteres kann man sich auf der Website gettyre.it/motoweb selber zusammenstellen (Text, Landesflagge, Rennstrecke) und danach zusenden lassen. Das Kit enthält insgesamt sechs Etiketten und einen entsprechenden Leim. Das Resultat sehen Sie im kleinen Kastenbild rechts oben.

Doch wie fährt er sich nun, der Diablo Rosso Corsa? Was den Grip betrifft, ist dieses Fabrikat mit aus der Superbike-WM abgeleiteter Laufflächenmischung und Enhanced-Patch- Technologie (EPT; zur Optimierung der Aufstandsfläche in Schräglage) beinahe auf der Höhe eines Rennreifens. Die Reserven sind wirklich erstaunlich hoch. Auch die Kalthaftung lässt im heute zwar trockenen, aber kühlen Assen keine Wünsche offen. Zudem erreicht der Corsa mit nur sieben Prozent Profilanteil schnell seine ideale Betriebstemperatur. Sowohl Handling wie Stabilität waren auf allen gefahrenen Bikes nicht nur gegeben, sondern standen auch je nach Maschine in perfekter Harmonie zueinander. Einzig bei wirklich harten Bremsmanövern ist das Feedback vorne beim Reifen, wo auch ein bisschen Silika eingearbeitet ist, leicht schwammig. Aber eben: Der Rosso Corsa ist kein Renn-, sondern ein Sportreifen. Und dieser begeistert durchs Band mit einer hervorragenden Performance.

Strasse: Neuer Schwung für Youngtimer
Um auch Aussagen über die Performance des Rosso Corsa auf der Strasse machen zu können, haben wir ihn uns schon vor mehreren Wochen in der Schweiz aufziehen lassen. Und zwar bewusst auf einem alten Bike, einer Ducati 888 von 1993. Denn die war für ihr träges Handling bekannt. Mit dem Diablo Rosso Corsa besohlt, wird bei der alten Dame die Nacht zum Tag. Die Duc ist jetzt erfrischend handlich, liegt stabil und vermittelt ein klares Feedback. Das zeigt einmal mehr, dass moderne Radialreifen dank der flexibleren Karkasse und der modernen Konturgestaltung Youngtimern zu neuem Schwung verhelfen können. Die Power der Duc hat der Corsa mit links weggesteckt. Ansonsten ist aufgefallen, dass der Reifen auch hier schnell auf Temperatur kommt, neutral auf Längsrillen reagiert und zudem über eine gute Eigendämpfung verfügt.

Technik: Know-How aus der SBK-WM
Der Rosso Corsa ist ein Radialreifen mit Nullgrad-Stahlgürtel, für den Pirelli 25 Patente eingereicht hat. Was die Laufflächenmischungen betrifft, muss zwischen Vorder- und Hinterreifen unterschieden werden: Während hinten zwei Mischungen verarbeitet wurden (härter in der Mitte für mehr Laufleistung, weicher an den Flanken für mehr Grip), handelt es sich vorne um einen Uni-Compound-Reifen. Silika sorgt für einen guten Nassgrip und wurde daher beim Vorderreifen in geringen Mengen eingearbeitet. Hinten wurde auf den Einsatz dieses Füllstoffes verzichtet, weil Silika-Reifen bei hoher Hitze zu schmieren beginnen. Stattdessen setzte man zu 100 Prozent auf Russ, was den Vorteil bringt, dass der Gummi schneller warm wird. Für den Hinterreifen wurde ein spezieller Russ verwendet, der mehr Kontaktfläche für die Polymere bietet. Der Stahlgürtel wird hier so angebracht, dass die Wicklung in der Mitte weniger dicht ausfällt als an den Flanken. In der Reifenmitte ist die Konstruktion entsprechend flexibler, was beim Bremsen einen grösseren Contact-Patch herbeiführt. An den Flanken ist die Konstruktion steifer, damit sich der Reifen am Kurvenausgang nicht zu stark verformt. Für zusätzliche Stabilität sorgt hier eine neue H-förmige Reifenwulst.

 

Dimensionen und Richtpreise

120/70 ZR 17 (58W) 269 Franken

160/60 ZR 17 (69W) 348 Franken

180/55 ZR 17 (73W) 362 Franken

190/55 ZR 17 (75W) 388 Franken