Honda Hornet 600
Herzblatt
Die letzte gründliche Renovation des Bestsellers Hornet 600 geht ins Jahr 2007 zurück. Damals wurde dem quirligen Naked-Bike mit schonendem Preis neben einem deutlich schnittigeren Gewand der im unteren und mittleren Drehzahlbereich auf mehr Kraft getrimmte Reihenvierzylinder der CBR 600 RR verpasst. Für 2009 verspricht Honda eine noch bessere Grundabstimmung der schon im Vorgängermodell achtbaren Federelemente. War in Vergangenheit lediglich die Federbasis am direkt angelenkten Federbein justierbar, kann neu auch die Zugstufe eingestellt werden. Und zwar vorne wie hinten. So macht die Hornet nun auch auf gezeichnetem Untergrund eine sehr gute Figur. Selbst arge Schläge verarbeitet sie zuverlässig, ohne dabei von der Linie abzukommen. Die USD-Gabel spricht jetzt sehr fein an und vermittelt enorm viel Vertrauen fürs Vorderrad. Für die sport¬liche Kurvenhatz könnte die Grundabstimmung des Federbeins allerdings einen Deut straffer ausfallen. Ansonsten aber ein grosses Kompliment: Die Hornet liegt punkto Fahrwerk mit den Konkurrenzmodellen knapp über 10 000 Franken mindestens auf Augenhöhe.
Wer den Pass hoch düst, merkt schnell: Die kleine Hornet platziert sich eher auf der handlichen denn auf der stabilen Seite. Trotzdem resultiert ein durch und durch gelungener Kompromiss, der nicht zuletzt auf den steilen Lenkkopfwinkel für flinkes Einlenken einerseits und die lange Alu-Zweiarmschwinge für Stabilität am Kurvenausgang anderseits zurückzuführen ist. Hinzu kommt die dank breitem Lenker, gutem Bodenkontakt (800 mm Sitzhöhe) und sehr kleinem Wendekreis sensationelle Rangierfreundlichkeit. Kein Wunder, sorgt die Hornet gerade bei Einsteigern für Furore. Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage? Gibts, ja. Jedoch nie in störendem Ausmass.
Ein Motor, drei Gesichter
Auch beim Motor gibt sich die Hornet völlig unkompliziert. Sanftes Einkuppeln ohne Gas reicht, und die kleine Japanerin setzt sich in Bewegung. Im unteren Drehzahlbereich hängt der Inline-Four sehr geschmeidig am Gas.
Ideal, um das urbane Stop-and-go zwischen 3000 und 4500/min stressfrei zu meistern. Wer am Ortsausgang den Gaszug spannt, kommt nicht um einen kurzen Moment der Ernüchterung herum. Denn unter 5000/min manifestiert sich nur zaghaft Vortrieb. Darüber, im Bereich bis 7000/min, ist für ein zügiges Vorankommen dann genügend Dampf vorhanden. Allerdings beginnen sich nun auch Lastwechselreaktionen bemerkbar zu machen. Ab 8000/min macht die Hornet ernst und drückt bei respektabler Power und heiserem Kreischen leicht progressiv, aber dennoch überschaubar bis 14 000/min ab.
Vibrationen? Fehlanzeige. Die Kupplung? Bemüht nie mehr als zwei Finger. Echte Kritik haben wir nur beim Getriebe anzubringen: Dieses gibt sich in den ersten drei Gängen etwas hakelig, wohingegen die oberen Stufen mehr Einrast-Feedback vermitteln könnten.
Fazit: Die neue Hornet ist in den Olymp jener Bikes vorgestossen, die wir nur schweren Herzens dem Importeur zurückbringen. Schuld daran ist sicherlich die für ein Mittelklasse-Naked-Bike überdurchschnittlich gut gelungene Optik. Den Ausschlag gibt jedoch die Hornet als harmonisches Ganzes. Sie ist sowohl bei gemütlichem Tempo als auch beim Heizen so easy, umgänglich und komfortabel wie nur wenige Bikes in diesem Segment. Na denn, prost, Hornet, auf ein weiteres Jahr!