Teilalkoholiker
Honda NXR BROS Flexifuel
Als TÖFF vor zwei Jahren gemeinsam mit Suzuki Schweiz die Bio-King erschuf, träumten seine Macher davon, daraus das erste Serien-Flexi-fuel-Motorrad der Welt zu kreieren.
Mittlerweile wurden sie von zwei unscheinbaren kleinen Einzylindern ausgebootet, die es aber faustdick hinter den Sensoren haben. Die Honda CG 150 Titan und die NXR 150 Bros können nämlich sowohl mit Benzin als auch mit Bioethanol sowie einem beliebigen Gemisch der beiden Betriebsstoffe fahren.
Grundlage für die Genügsamkeit des Einzylinders, der bei beiden Modellen identisch ist, ist ein Vierkabel-Sauerstoff-Sensor im Auspuffkrümmer, der gemeinsam mit dem Kurbelwellen-, Luftdruck-, Lufttemperatur-, Drosselklappen-, Öltemperatur- und Schräglagen-Sensor die genaue Zusammensetzung des Gemischs kontrolliert. Dabei werden Zündzeitpunkt und Einspritzmenge vom Zentralrechner so variiert, dass die Verbrennung immer so optimal wie möglich verläuft. Neben dieser Sonde wurde gegenüber der konventionellen Ausführung noch die Einspritzdüse mit acht statt sechs Bohrungen für mehr Durchlass geändert. Zudem wurden benzin- wie alkoholbeständige Dichtungen verbaut und die Benzinpumpe adaptiert.
TÖFF durfte die beiden kleinen Flexifuel-Bikes auf dem Testgelände von Honda Brasilien mitten im Amazonas-Dschungel fahren. Dabei zeigte sich, dass Töff-Spass sehr wohl auch mit 150 Kubik und 14 PS möglich ist. Die Bros ist eine sehr agile kleine Enduro, und auch die Titan kommt erstaunlich gut auf schlechtem Terrain zurecht. Und das ist in den unwegsamen Gegenden Brasiliens weit wichtiger als Motorleistung und Prestige. Mit Benzin ist die Leistungsentfaltung etwas gleichmässiger, mit Alkohol oben herum etwas spritziger. Der Motor entwickelt mit Bioethanol − in Brasilien, genau wie in der Schweiz, aus Holzabfällen gewonnen − 0,1 PS und ein Nm mehr als mit Benzin.
| Der Gigant im Dschungel Manaus ist eine Industriestadt am Ufer des Rio Negro, kurz bevor dieser mit dem Rio Solimões zusammentrifft und den Amazonas bildet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lebte die Gegend vom Kautschukabbau, vor 60 Jahren begann die Regierung, die ausländische Industrie durch Steuervergünstigungen anzulocken. Honda eröffnete hier 1976 ein Werk, heute stellen knapp 10 000 Mitarbeiter 1,7 Mio. Motorräder pro Jahr her. Fast alles wird vor Ort produziert, da die Zulieferwege in den Dschungel sehr umständlich wären. Honda setzt auf dem Binnenmarkt jährlich 800 000 Töff, überwiegend mit einem Hubraum bis 150 ccm, ab und hält einen Marktanteil von 80 Prozent. |



