Nobel-Enduro
Honda Transalp
Unterwegs in einer italienischen Kleinstadt: Zwischen geparkten Autos steht eine Transalp, eine blau-weisse mit goldenen Felgen.
Genau das gleiche Modell, auf dem ich unterwegs bin. Der Fahrer will soeben aufsitzen, guckt verdutzt und winkt dann freundlich. Das ist er also, der italienische Transalp-Fahrer. Kein in Goretex verpackter Tourenfan und kein gepanzerter Offroad-Freak. Stattdessen in Wildlederblouson, Halbschalenhelm und modischem Lederschuhwerk. Das passt: Denn obschon die Zweizylinder-Enduro gewisse Offroad-Qualitäten vorweisen kann, verzichtet sie auf grobes Caterpillar-Design. Das gestylte Cockpit und der geschwungene Body vereinen stattdessen Adventure-Optik mit urbanem Chic. Das verleiht der XL 700 V und ihrem Reiter einen Hauch Fernweh-Romantik, ohne dass Letzterer sich vor dem Café freche Sprüche wie «Kommst du aus der Kiesgrube?» anhören muss. Aus technischer Sicht betrachtet ist die Transalp äusserst «hondisch»: Alles werkelt tadellos, ist durchdacht und narrensicher. Und dadurch auch unspektakulär. Die zu Beginn befürchtete Langeweile kam trotzdem nicht auf: Das spielerische Handling und die Bodenfreiheit laden zu allerlei Spässchen und Kunststückchen ein. Der 52-Grad-V2 blubbert lustig, sodass man sich manchmal auf einem Einzylinder wähnt. Seine pulsierenden Vibrationen streicheln durch die Rasten die Füsse. Er ist tolerant, setzt sanft ein und lässt sich, ohne auf die Kette einzudreschen, untertouren, bis ihm fast das Licht ausgeht. In Verbindung mit den fünf Gängen erzeugen seine 60 PS keinen Überschallknall, aber dennoch ausreichend Schub, um das fahrfertig 219 kg wiegende Bike zackig bewegen zu können. Wenn es sein muss bis Tacho 180, wie uns gesagt wurde. Auch dann läuft die Honda stabil, und die Gabel taucht beim Verzögern nicht so stark ein, wie man es erwarten würde. Eine gute Sache ist die optionale Kombi-Bremse mit ABS, bei der das Fusspedal auch vorne einen Kolben ansteuert. Weitere Pluspunkte: der ordentliche 17,5-l-Tank und die gemütliche Ergonomie. Dazu der weiche und clever geformte Sattel, der trotz 841 mm Sitzhöhe sicheren Bodenkontakt erlaubt. Wegen all dem verleihen wir der Transalp unser «Tourentauglich»-Gütesiegel. Für die wirklich grosse Reise bietet das Zubehörprogramm ein 29-l-Kofferset, ein Topcase, die obligate Touringscheibe, Nebelscheinwerfer, Heizgriffe, Zentralständer und ein Navi (Garmin Zumo). So kriegt man mit der Transalp ein Rundum-Sorglospaket. Und noch dazu eines, das Spass macht. Vor allem wenn man es ordentlich fahren darf.
| Honda Transalp Hubraum: 680,2 ccm Leistung: 60 PS bei 7750/min Gewicht: 219 kg fahrbereit Preis: 12 580 Franken Verkehrsabgabe: 60 bis 226.80 Fr./Jahr Auf den Punkt gebracht + Einfache Handhabung für eine Enduro – Gewicht für Offroadeinsatz eher hoch |


