Edelstein
KTM EXC Café Racer
Dieser piekfein verarbeitete Café Racer war einst eine KTM 530 EXC. Ein exklusiver Test der optisch wie fahrdynamisch begeisternden Einzelanfertigung made by Emil Weber Motos in Rümlang bei Zürich.
Sie war einer der unumstrittenen Stars an der diesjährigen Swiss-Moto, die just in der Nacht vor Messebeginn fertiggestellte KTM 530 EXC Café Racer by Emil Weber Motos. Wer am Messestand der Orangen zu Gange war, konnte dem Charme des sehnigen und formvollendeten Spezialumbaus einfach nicht widerstehen, und so erging es auch uns. Der Verantwortliche hinter dem Projekt, Emil Weber, Geschäftsführer des gleichnamigen KTM-, MV- und Kawasaki-Stützpunkts im Zürcher Unterland, war schnell herbeigeholt und zeigte sich auch sofort bereit, uns sein Juwel im Sommer für einen Test zu überlassen. Denn ja, das Teil sieht nicht nur scharf aus, es fährt auch. Und zwar richtig gut, wie wir später sehen werden.
Die milden Temperaturen liessen heuer bekanntlich nicht lange auf sich warten, und so finden wir uns drei Monate später auf dem Rundkurs von Lignières wieder, der uns von TÖFF-Partner TCS erneut exklusiv zur Verfügung gestellt wurde. Mit von der Partie ist mit Supermoto-Champ Marcel Götz der eigentliche Schöpfer der 530 EXC Café Racer. In Webers Werkstatt beschäftigt, war er es, der das Bike den vergangenen Winter über in aufwendiger Hand- und fachmännischer Optimierungsarbeit unter ständiger Rücksprache mit Weber und dem späteren Besitzer der 530 Café Racer gebaut hat. Unter dem Strich investierte allein Götz etwa 130 Arbeitsstunden in das Projekt. Nun ist das mit Spezialumbauten und Einzelanfertigungen immer so eine Sache: Sie sehen zwar vielversprechend aus und vereinen oft edelste Technikelemente in sich, doch in der Praxis konfrontieren sie einen dann gerne mit eigenwilligen Charakterzügen, die den Fahrspass empfindlich trüben.
Die neuralgische, zumal konstruktiv gesehen komplexeste und heikelste Zone ist in der Regel die Fahrwerk-Chassis-Komposition, bei der schon ein Millimeter mehr Offset hier und zwei Millimeter weniger Nachlauf dort die Fahrdynamik nachhaltig beeinflussen. Ich muss also zugeben, dass mich beim Einbiegen in den Rundkurs von Lignières neben Vorfreude auch Skepsis begleitet. Doch diese bleibtund das ist jetzt kein Witz schon nach der ersten Kurve auf der Strecke, räumt kampflos das Feld und weicht heller Begeisterung. Und je länger und schneller ich fahre, desto mehr konkretisiert sich, dass Marcel Götz hier ein echtes Meisterwerk geschaffen hat. Es ist fast schon unverschämt, wie sauber dieses Leichtgewicht von einem Bike (rund 120 Kilo) ausbalanciert ist, wie handlich und gleichzeitig spurtreu es sich durch Kurven aller erdenklichen Radien bewegen lässt. Und zwar sowohl bei 20 wie bei 150 km/h. Keine Frage: Dieses Kunstwerk von einem Motorrad lässt sich mit der gleichen Leichtigkeit pilotieren wie eine Mittelklasse-Honda, und das ist ein gros-ses Kompliment.
Die Edelkomponenten liefern transparentes Feedback
Auch die Federelementearbeiten bei hervorragendem Feedback fantastisch, sowohl vorne bei ambitionierten Bremsmanövern als auch hinten beim harten Beschleunigen aus Kurven.Der rund 63 PS starke Einzylindermotor mit 510,4 ccm Hubraum und E-Starter wurde unverändert von der KTM-Enduro übernommen und ist in diesem Sinne ein alter Bekannter. Zu erwähnen ist hier einzig, dass er bei beflügelnder Drehfreude ausgesprochen linear durchs Drehzahlband schiesst und mit seiner immerzu sanften Ansprache und seinem knackigen Getriebe in keiner Weise ermüdend wirkt, sondern im Gegenteil sehr gut ins Gesamtkonzept passt. Der Sound, dieses trockene und von einem charakteristischen, dem Flachschiebervergaser durch das minimalistische K&N-Luftfilterlein entweichenden Pfeifen untermalte Single-Hämmern, ist ein wahres Gedicht, in dieser Ausprägung aber wohl kaum homologierbar.
Apropos: Die 530 EXC Café Racer kann bei Emil Weber Motos in Auftrag gegeben, sprich: gekauft werden, auch in homologierter Form. Der Einstiegspreis liegt bei rund 30 000 Franken und steigt je nach gewünschten Komponenten.Zurück nach Lignières, wo ich auf der 530 EXC Café Racer erstaunlich gut mit den Kollegen auf ihren Supermotos mithalten kann (siehe Vergleichstest in Ausgabe 07/2011). Auch in der Bremszone macht die Schweizer Kreation mit österreichischen Wurzeln eine sehr gute Figur. Die Vierkolbenzange von Beringer geht mit der 320er-Wave-Scheibe aus dem KTM-Power-Parts-Sortiment hart ins Gericht - die Verzögerung ist bei glasklarem Druckpunkt und Pipetten-Dosierbarkeit durchaus auf Rennsport-Niveau. Die von Götz mit einem Radialbremsfuss einer KTM SMR 450 bestückte Original-USD-Gabel steckt die Verzögerungsleistung aber locker weg. Dass auch die Bremse im Hinterrad ihrem Namen gerecht wird, zeugt davon, dass Erbauer Götz im Supermoto-Segment heimisch ist.
Bei der Ergonomie haben wir es mit der klassischen, weit über den langen Tank gestreckten Café-Racer-Sitzposition zu tun. Doch wer auf der langen, mit einer dünnen Gummimatte belegten Sitzbank nach vorne rutscht, wird sich in einer erstaunlich komfortablen Haltung wiederfinden, die stark an ein Naked-Bike erinnert. Begrüssenswert ist schliesslich, dass die scharfen Kanten an Tank und Sitzbank keine Extremitäten des Fahrers kreuzen. Unterm Strich liegt damit eine Ergonomie vor, die abgesehen vom harten Sitzpolster auch ohne ausgeprägte Nehmerqualitäten ganztägige Ausfahrten zulässt. Allerdings müsste man für dieses Unterfangen auf der öffentlichen Strasse die Federelemente zugunsten eines besseren Komforts softer einstellen.
Von der Idee zum fertigen Bike
Genau wie beim Kawasaki W800 Gentlemen Cup wurde im Fall der 530 EXC Café Racer die zündende Idee bei einem abendlichen Bier geboren: Weber war mit einem Kunden in der Toskana beim Endurofahren, als ihn Letzterer auf einen EXC-Umbau von Roland Sands Design ansprach. Nach einem kurzen Studium des Bikes via iPad hatte Weber den Auftrag. Den beiden schien das im Internet Gesehene jedoch nicht ganz durchdacht, nicht ganz fertig zu sein, und Weber wollte es von Anfang an richtig machen, ohne Kompromisse einzugehen. So legten sie im vergangenen November los, wobei sie zunächst die fabrikneue 530-EXC-Enduro von einer beträchtlichen Anzahl unnötiger Teile befreiten. Nach erfolgtem «Bike-Strip» setzte Götz das Übriggebliebene auf 17-Zoll-Schmiederäder von Marchesini und begann an der Fahrwerksgeometrie zu tüfteln.
Gleichzeitig machte sich das Karosserie- und Spritzwerk Artek mit Sitz in Aarburg nach Briefing und Absegnung eines Designentwurfs in Form einer Kartonsilhouette daran, innert etwa 100 Arbeitsstunden Tank, Sitzbank und Höcker aus Aluminiumplatten zu dengeln und zu lackieren.Derweil kürzte Marcel Götz in Rümlang mittels kürzerer und härterer Federn die Federwege und verpasste den ansonsten originalen Komponenten neue Dämpferelemente. Der heikelste Punkt war jedoch die Geometrie beziehungsweise die Gewichtsverteilung, und hier brachte Götz viel Know-how aus demSupermoto-Rennsport ein. So verbaute er KTM-Power-Parts-Gabelbrücken mit einem kürzeren Offset von 14 mm (statt 20 mm), was den Nachlauf und damit die Stabilität erhöht; der nun verkürzte Radstand führt zu einem leichteren Handling. Das steil nach oben ragende Offroader-Heck wurde entsprechend eingekürzt, sodass sich Tank und Heckpartie an der Unterkante in einer sauberen, geraden Linie verbinden.Wie bereits erwähnt, ist der Antrieb unverändert geblieben.
Neu sind lediglich der K&N-Luftfilter und die im Interesse einer schmalen Taille sehr klein gehaltenen Wasserkühler, die dem Kinder-Crosser KTM SX 65 entliehen sind. Die Gefahr einer Überhitzung des Antriebs besteht laut Götz nicht. Dennoch sollte man den Single im Sommer nicht zu lange im Stand laufen lassen. Besonderes Augenmerk galt der Eigenbau-Auspuffanlage, die Götz aus einem Leo-Vince-Dämpfer für die Kawa ZX-10R und dem Krümmerelement einer KTM Superduke zusammengeschweisst hat. Der vorderste Teil unmittelbar am Zylinderkopf ist original EXC.
Bleiben die unzähligen peripheren Teile, die Götz sorgfältig selektiert und nicht selten selbst gebaut hat. Auf alle einzugehen würde den Rahmen sprengen, aufeinige besondere Leckerbissen sei hier aber dennoch hingewiesen: zum Beispiel auf den Bucket-Scheinwefer von Harley-Davidson, die LSL-Lenkerstummel, die hübschen Lenkergriffe von Barracuda, die filigrane Rizoma-Fussrastenanlagen, den formschönen Tankdeckel der KTM RC8 Track und den magnetischen Nummernschildhalter von Perfect Click.
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KTM 530 EXC Café Racer
Motor und Fahrwerk Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter, OHC, 4 Ventile, Bohrung × Hub 95 × 72 mm, Verdichtung 11,8; Flachschiebervergaser, ∅ 42 mm, 2 Ölpumpen. Nasskupplung, 6 Gänge, Kette; Maximale Leistung: rund 63 PS Fahrwerk: Zentralrohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl, 48-mm-USD-Gabel von WP, voll einstellbar, Aluschwinge; WP-Zentralfederbein, voll einstellbar; vorne Einscheibenbremse, ∅ 320 mm, Vierkolbenzange, hinten Scheibenbremse ∅ 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel. Leichtme-tall-Schmiederäder 3,5-17 und 5,0-17 Zoll; Bereifung 120/70-17 und 160/60-17.Abmessungen: Tankvolumen k.A., Schrittbogenmass 1616 mm, Lenkerinnenbreite 480 mm Auf den Punkt gebracht Die in der Praxis voll und ganz über- + Geniale Optik, viel Liebe fürs Detail + Kräftiger, drehfreudiger Einzylinder + Hervorragendes Sportfahrwerk + Bei jedem Tempo leicht zu fahren + Harmonisches Gesamtpaket |
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Die Macher Emil Weber Motos AG, Klotenerstr. 10, 8153 Rümlang, Tel. 044 860 77 40; www.weber-motos.ch Marcel Götz und Emil Weber sind stolz auf ihre Kreation. Und sie haben auch allen Grund dazu, fährt sich die 530 EXC Café Racer doch besser als manches Serienbike. Weber: «Mit der Café Racer können wir unser handwerkliches Know-how präsentieren. Das ist wichtig für uns.» Für Mechaniker und Rennfahrer Marcel Götz, der viel technische Erfahrung aus dem Rennsport in die EXC Café Racer eingebracht hat, stellte das Projekt zudem eine willkommene Abwechslung dar: «Dieses Bike war eine grosse technische Herausforderung, und genau das hat mir Spass gemacht.» |










