Leichtigkeit des Seins
Michelin Power Pure
Der neue Michelin Power Pure ist ein Hypersport-Reifen für die Strasse mit der Option auf gelegentliche Trackdays, der Nachfolger des Pilot Power 2CT.
Die spanische Rennstrecke von Almeria: Verzwickte Kurvenkombinationen, Berg-und-Tal-Passagen, harte Anbremspunkte. Alles, was zu einer anspruchsvollen Piste gehört. Doch warum muss sie uns bei diesem Reifentest mit für Andalusien nicht gerade typischen 4 Grad und patschnass empfangen?
«Ihr sollt ja auch die Nasshaftung unseres neuen Reifens kennenlernen. Und dafür sind die Bedingungen jetzt optimal», grinst Michelin-Marketingmann Nicolas Geus. Also raus auf die eiskalte und nasse Bahn. Nach drei Runden sind zwar die Finger klamm, doch eines lässt sich nicht verleugnen: Selbst bei diesen unmöglichen Bedingungen bietet der neue Michelin Power Pure erstaunlich viel Haftung. Als die Sonne herauskommt und die Strecke langsam auftrocknet, bietet er so viel Vertrauen, dass der Respekt vor den nassen Flecken immer mehr nachlässt. Ein Motorrad haben die Michelin-Techniker gar mit einem Schräglagen-Sensor versehen, ohne es zu sagen. Und der zeigte bei unserem deutschen Kollegen Karsten Schwers, der auf diesem Motorrad sass, bis zu 47 Grad Schräglage an!
Der neue Michelin Power Pure ist ein Hypersport-Reifen für die Strasse mit der Option auf gelegentliche Trackdays, der Nachfolger des Pilot Power 2CT. Dabei hat Michelin bei seiner Entwicklung die Langstrecken-Weltmeisterschaft als Entwicklungslabor verwendet, sind dort die Anforderungen an den Reifen doch denen im Strassenverkehr recht ähnlich: Die dortigen Superbikes sind von Serienmaschinen abgeleitet, und grosse Temperaturschwankungen sowie die Abwechselnd trockene und nasse Fahrbahnzustände kommen genauso vor wie im Töff-Alltag.
Leichtbau als Entwicklungsvorgabe
Als roten Faden der Entwicklung hat sich Michelin die
Reduzierung des Reifengewichts bei gleichzeitiger Beibehaltung von
Haftungseigenschaften und Langlebigkeit vorgenommen. Dabei konnte ein Kilo
eingespart werden. Dies klingt zwar nicht nach viel, da aber die Kreiselkräfte
im Quadrat zum Radius zunehmen, erzeugt der Reifen 75% der gesamtem
Kreiselkräfte. Die Reduktion von einem Kilogramm Reifengewicht ist so mit 3 kg Einsparung an
dem Rad oder 4 kg an der Bremsscheibe gleichzusetzen. Insgesamt verspricht
Michelin durch die neue Technologie eine Reduktion der Kreiselkräfte um 10%.
Erreicht wurde die Gewichtsreduktion durch die gezielte Verwendung von High-Tech-Materialien, speziell von Aramidfasern beim Null-Grad-Gürtel. Dazu wurde die Dicke des Gummis in der Karkasse reduziert. Da sich das Motorrad nun auch schneller von einer Seite auf die andere legen lässt, wurde auch der Anteil der Streifen mit weicherer Gummimischung gegenüber dem Pilot Power 2CT drastisch erhöht. Dort Betrug das Verhältnis von weicher zur härteren Mischung am Vorderreifen 10-80-10%, hinten 11-78-11%. Nun ist es vorne 25-50-25%, hinten gar 40-20-40%! Damit fährt der Fahrer in der Kurve bereits bei 32 Grad Schräglage auf dem Hinterreifen zu 100% auf dem weichen Gummi, vorher waren es auch bei 50 Grad Schräglage nur 78%.
Die Sonne scheint, die Strasse ist fast komplett aufgetrocknet, doch nun geht es auf die Landstrassen hinaus. Dort lassen sich die Grip-Reserven kaum ausloten. Fakt ist aber, dass man vor allem in den Serpentinen am Meer die Schräglagenwechsel zunächst fast ein wenig überreisst.
Zurück auf der Rennstrecke bleibt zwar leider keine Fahrzeit mehr, um dem Power Pure auf den Zahn zu fühlen, wie er sich nach 10 oder 20 Runden verhält – denn da lag die Schwäche des Pilot Power 2CT. Aber wir können in der Schikane mit montierten und dann entfernten Zusatzgewichten am Vorder- und Hinterrad ausprobieren, wie sich das Handling ändert. Ein gewaltiger Unterschied. In der Messung mit Michelin Endurance-WM-Pilot William Costes zeigte sich, dass die Lenkkraft von 22 auf 17 Kilopond sank und der Schräglagenwechsel gleichzeitig von 105 auf 110 Grad/Sekunde Anstieg. Zweifelsohne ein Beweis für den Vorteil der Leichtigkeit des Seins. Zu haben ist der Power Pure in den Dimensionen 120/70 und 120/60 ZR 17 für vorn, hinten u.a. in 160/60, 180/55 und 190/50 ZR 17.


