| 744 ccm, 48,8 PS, 198 kg fahrfertig, 12'960 Franken |
Vintage
Moto Guzzi V7 Racer
Effektiv Racing sind an der V7 Racer nur Name und Optik. Doch wer sich diese bildhübsche Guzzi zulegt, sucht ohnehin etwas ganz anderes.
Der erste Paukenschlag erschallte im Jahr 2008, als Moto Guzzi als Reminiszenz an die legendäre V7 Sport von 1972 und die pompöse V7 Special den adretten Neo-Klassiker V7 Classic brachte. Bereits im Folgejahr reichte Mandello die mit dem identischen und aus der Breva 750 entliehenen 90-Grad-V2 bestückte V7 Cafè Classic nach. Heute nun komplettiert der Taditionshersteller aus Oberitalien das V7-Trio mit der «Racer», die - nomen est omen - innerhalb der jungen V7-Familie die sportlichste Entwicklungsstufe darstellt.
Technisch blieb alles beim Alten: besagter 90-Grad-V2 mit 744 ccm Hubraum,
Einspritzung und überschaubaren 48,8 PS sowie ein Drehmoment von 54,7 Nm für
ein gutes Gelingen beim Kavaliersstart. Auch Rahmen und Schwinge - wie auch die
Radnaben in betörendem Feuerrot -, Kardan, Gabel und Bremsen haben sich schon
an den Schwestermodellen bewährt. Komplett neu und sehr «Racing» sind dagegen
der verchromte 17-Liter-Tank mit 3D-Emblem und Lederriemen, die edel anmutenden
Komponenten aus gebürstetem Aluminium, die Wildleder-Mono-Sitzbank, die
mehrfach einstellbaren Federbeine von Bitubo und die bildhübschen, aus dem
Vollen gefrästen Fussrasten-Anlagen. Das Ganze gibts - Kult-Faktor und
Vintage-Look inklusive - für Schwiegermutter-taugliche 12‘960 Fränkli.
Die Leichtigkeit des Racer-Seins
Der Schein trügt: Was nach einem kompromisslosen Renngerät ausschaut, ist in
Wirklichkeit ein durchaus komfortabler Neo-Klassiker. Die Sitzbank baut breit
und ist kuschlig weich gepolstert. Die Hände haben nicht allzu viel Gewicht
abzustützen, und der Kniewinkel ist durchaus vertretbar.
Der vibrationsfreie kleine V-Twin überzeugt schon ab 2000/min mit vorbildlichem
Rundlauf, drückt von da an mit stets überschaubarem, aber dennoch respektablem
Druck ab und überzeugt mit einer Leistungsentfaltung, die linearer nicht sein
könnte. Der ideale Bereich liegt zwischen 2500 und 6500/min, weiter braucht man
die Racer nicht zu drehen. Während die weiche Kupplung nur Lob erntet, könnte
das Getriebe mit einem klareren Feedback ausgestattet sein. Der Sound? Ein
dumpfes, vom Ticken des Ventiltriebs untermaltes «Brôôôôh», welches das eine
oder andere Dezibel mehr vertragen würde. Im Kurvengeschlängel gibt sich die
Racer ausgesprochen handlich und gleichzeitig ausreichend präzis. Grobmotoriker
aufgepasst: Bei dieser Guzzi reicht schon der Gedanke ans Abwinkeln, um sie von
der Vertikalen abzubringen. Die Federelemente arbeiten gut, geraten aber bei
flotter Gangart bald an ihr Limit. Bleiben die Bremsen: Von der Anlage vorn
darf nicht zu viel erwartet werden. Aber eine richtige Guzzi bremst man ohnehin
auch hinten, und im Verbund macht die Verzögerungsperformance auch sofort
Laune. Dennoch: Eine etwas bissigere Anlage vorn und ein ABS (nicht verfügbar)
würden diesem Einsteiger-freundlichen Bike mit den Genen seiner legendären
Vorfahren aus den 1970er-Jahren nicht schaden.




