Welcome, Speedy

Triumph Speed Triple

Von Imre Paulovits
19.08.2011 09:58:48

Die Redaktion glich einem Kindergarten. Alle wollten die frisch angekommene Triumph Speed Triple sehen, riechen, fühlen - und vor allem fahren.

Doch da die Temperaturen immer um die null Grad pendelten, hatte dann plötzlich doch niemand Zeit. Umso besser, denn ich hatte welche, und auch das Wetter konnte mir gestohlen bleiben.

Erst einmal einfahren

Wir wollten die Speedy frisch aus der Kiste, so, wie sie jeder Kunde nach dem Kauf erhält, um sie wirklich vom ersten Meter an in der Praxis zu verfolgen. Drei Kilometer zeigte der Streckenzähler. Das ist genau der Weg, den ein Töff nach dem Zusammenbau auf dem Prüfstand, auf der Kontrollrunde im Werk und beim Händler im Rahmen der letzten Kontrolle vor der Auslieferung zurücklegt.

Triumph empfiehlt eine Einfahrzeit von 800 bis 1000 Kilometern. Danach muss nur das Öl gewechselt werden, und die Werkstatt führt einen Check nach Liste durch. Es gibt keine speziell fette Abstimmung der Einspritzung für die Einfahrzeit, alles ist schon wie im echten Leben. Bei den ersten 100 km beliess ich es bei Drehzahlen bis 4000/min, bei den zweiten 100 km durfte der Triple bis 5500 drehen. Das ist zwar nicht ausdrücklich vorgeschrieben, aber erfahrungsgemäss ungefähr das, was man einem frischen Motor zumuten darf. Triumph empfiehlt, bei den ersten 800 km Vollgas zu vermeiden, nicht mehr als drei Viertel der Maximaldrehzahl (im Fall der Speed Triple: 7500/min) und nicht zu lange Konstantdrehzahlen zu fahren. Mit sanfter Gashand pilotiert, brauchte die Speed Triple bei ihrer ersten Tankfüllung (240 km) im Schnitt 5,6 l auf 100 km.

Wer je mit einer Speed Triple das Vergnügen hatte, weiss, dass sie nur so nach Kurven giert und den kleinen Teufel im Fahrer weckt. Das ist bei der Neuen nicht anders. Auch die Leistung in der Einfahrzeit reicht locker für zügiges Vorankommen, und die Metzeler Racetec Interact bieten – sauber eingefahren – selbst bei niedrigen Temperaturen ordentlichen Grip. Die Triumph ist aber nicht nur ein Spassgerät, sondern dank moderner Fertigungstechnik auch sehr pflegeleicht: Nach dem ersten Ölwechsel braucht sie die Werkstatt erst bei Kilometerstand 10 000 wieder aufzusuchen, und auch da wird nur das Öl gewechselt. Die erste grosse Inspektion mit Ventilspielkontrolle steht erst bei 20 000 km an.

Der Speedy hatten wir beim letzten Vergleichstest mit sportlichen Naked-Bikes (Heft 03/2011) angekreidet, ihr erster Gang sei zu lang übersetzt, dadurch das Anfahren und Fahren im Schritttempo schwierig. Diese Erkenntnis konnte ich bei unserem Dauertest-Bike nicht teilen. Die Erfahrung, dass der erste Regelvorgang des ABS zu lang ausfällt und dadurch wertvoller Bremsweg verschenkt wird, hingegen schon.

Was sonst noch aufgefallen ist: Auch Engländerinnen mögen keine feuchte Kälte. War die Speed Triple in der Tiefgarage geparkt, tat sie bereitwillig, was man von ihr verlangte. Nach einer frostigen Nacht im Freien zeigte ihre Tankanzeige bei vollem Tank erst nichts an; mit den Kilometern kletterten die Flüssigkristallbalken dann immer weiter nach oben, um nach zehn Kilometern den richtigen Benzinstand anzuzeigen. Auch wollte der Starterknopf nicht immer reagieren, und das Startprogramm musste mit Aus- und Anschalten neu aktiviert werden.

Es wird noch viel umgebaut

Ein echter Streetfighter fordert geradezu zum Umbauen heraus, und so gibt es für die Speed Triple auch jede Menge Originalzubehör. Schon im nächsten Monat werden wir sie deshalb einem Tune-up unterziehen, wo sie mit einem Bugspoiler, einer Verkleidungsscheibe und einem Arrow-Auspuff aufgerüstet wird. Eines steht schon mal fest: Die Speed Triple wird uns diese Saison mehr als versüssen.

Triumph Speed Triple

Hubraum: 1050 ccm

Leistung: 135 PS bei 9400/min

Gewicht: 214 kg

Preis: 17 490 Franken

Verkehrsabgabe: 60 bis 340 Fr./Jahr

 

Auf den Punkt gebracht

Einfach das Original. Zwar nicht mehr so extrem, mit ABS aber noch sicherer.

+ Ausgereifter, charismatischer Motor

+ Unverwechselbare Erscheinung

+ Toller Triple-Sound

+ Gutes Fahrwerk

+ Grosse Service-Intervalle

– Etwas knapper Lenkeinschlag

– Etwas harte Lastwechsel

– Gepäck schwer unterzubringen

Motor ****

Fahrwerk ****

Ergonomie ***

Verarbeitung ****

 

Import

Triumph (Suisse) S. A., Rue des Bugnons 4, 1217 Meyrin, Tel. 022 782 73 50, www.triumphmotorcycles.ch

Jungfräulich: Die Speedy hatte gerade einmal drei Kilometer auf dem Odometer, als sie angeliefert wurde. Jungfräulich: Die Speedy hatte gerade einmal drei Kilometer auf dem Odometer, als sie angeliefert wurde. © R. Meinert/D. Carrozza
Pflegeleichter Prachts-Triple. Pflegeleichter Prachts-Triple. © R. Meinert/D. Carrozza
Das ABS verschenkt die ersten Meter. Das ABS verschenkt die ersten Meter. © R. Meinert/D. Carrozza