Triumph Thunderbird LT.
Triumph Thunderbird LT. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles

Donnervögel

Triumph T-Bird

Von Dimitri Hüppi
07.05.2014 14:53:20

Triumph erweitert die Thunderbird-Linie mit der Commander und der LT – zwei mächtigen Bikes mit Langstreckenqualitäten.

Im Jahr 2009 lancierte Triumph die aktuelle Thunderbird-Familie mit einem modern gestylten Cruiser mit fettem 200er-Hinterreifen, noch fetterem 22-Liter-Tank und dem bis dahin mächtigsten Reihen-Zweizylindermotor in einem Serienmotorrad. Insbesondere durch das 1600-Kubikzentimeter-Monster gelang es der "T-Bird", sich von Anfang an aus der V2-bestückten Masse der Cruiser abzuheben.

2011 kam dann als Ergänzung die Thunderbird Storm mit dem noch etwas drehmoment- und leistungsstärkeren 1700er Twin sowie einer etwas verschärften Optik dazu. Und auf diese Saison reichen die Briten nun mit der LT und der Commander nochmals zwei vom Amerikaner Tim Prentice designte T-Birds nach. Abgesehen vom 1,7-Liter-Motor, den sie von der Storm übernehmen, sind sie in weiten Teilen neu gebaute und somit eigenständige Modelle.

Die ab 20 650 Franken erhältliche Commander vereint optisch Züge der Thunderbird und der Storm zu einem neuen Bike, das etwa durch die neu hinzugekommenen Trittbretter und die Schaltwippe den Cruiser-Aspekt noch stärker herausstreicht. Die LT (ab 21 750 Franken) baut auf der Commander auf und betont den Touring-Gedanken besonders stark. So weist die LT nicht nur Trittbretter, sondern auch eine Windschutzscheibe, Seitentaschen und die mit Avon entwickelten, weltweit ersten Weisswandreifen in Radialbauweise auf.

Wer nun befürchtet, dass Commander und LT (das Kürzel steht übrigens für Light Tourer) nur gemütlich können und gegenüber der Storm oder Thunderbird an Agilität eingebüsst haben, der irrt! Simon Warburton, Product Manager von Triumph, betonte an der Pressevorstellung: "Neben dem eigenständigen Styling war uns auch ein einfaches Handling wichtig."

Nach dieser Ansage steigt die Vorfreude auf die Testfahrten durch das landschaftlich wie strassentechnisch abwechslungsreiche Umland von San Diego (USA) natürlich ungemein. Für den ersten Testtag sind rund 170 Meilen mit der LT vorgesehen, für den zweiten 150 Meilen mit der Commander.

Vor dem etwas ausserhalb in der Gegend Rancho Bernardo gelegenen Hotel sind beide Modelle in den jeweils zwei verschiedenen Farbgebungen aufgereiht. Die LT ist in Blau/Weiss und Rot, die Commander in Rot und Schwarz/Grau zu haben. Während die LT sofort als eigenständige Neuheit ins Auge sticht – insbesondere in Blau/Weiss –, wirkt die Commander doch irgendwie bekannt.

Chrom statt schwarzer Lack 

Dem Kenner der Familie werden die Doppelscheinwerfer auffallen, die auch die Storm auszeichnen. Allerdings sind sie an der Commander verchromt anstatt schwarz – genauso wie die Blinker und die Deckel von Getriebe und Kupplung. Und auch an diversen anderen Stellen, an denen die Storm auf Tiefschwarz und Bad-Boy-Look setzt, finden sich an der Commander Chrom und Alu. Das verbindet sie gewissermassen mit der "einfachen" Thunderbird, doch wär’s das dann schon weitgehend mit den Gemeinsamkeiten.

Ein markantes neues Element der Commander sind die neugestylten Auspuff-Endtöpfe. Sie steigen gegen das Heck nicht nach oben und weiten sich auch nicht mehr zur Öffnung hin. Insgesamt ist ihr Erscheinungsbild schlichter, doch sorgt das Endkappen-Design mit sechs sichtbaren Inbusschrauben trotzdem für einen frechen Look. Die LT weist noch schlichter gestaltete Auspuffrohre auf. Sie sind nicht zylindrisch gehalten, sondern weisen drei abgeflachte Seiten auf, die am Ende zusammenlaufen und an der Öffnung die Form des Triumph-Logos bilden. Markenangefressene Stilfanatiker müssen dieses Design lieben! Und anstelle des Doppelscheinwerfers besitzt die LT die für klassische Cruiser und Dresser obligate Dreier-Einheit aus Hauptscheinwerfer und seitlichen Zusatzleuchten.

An den beiden Newcomern fallen im Vergleich zu ihren Schwestern zudem die neuen, wuchtigeren Schutzbleche, die fetter gezeichnete Federgabel mit mächtiger Alublende hinter den Scheinwerfern und die neue, stromlinienförmig gezogene Blinker-/Kennzeichen- Beleuchtungseinheit am Heck auf.

First-Class-Sattel 

Ah ja, und der Sattel natürlich. Den hat Simon Warburton ganz besonders hervorgehoben: "So viel Zeit haben wir noch nie in einen Sattel investiert." Man erkennt den Unterschied bereits beim Betrachten, doch vor allem soll man ihn spüren. Also – keine Zeit mehr verlieren und mit Töffjeans hinein in die LT-Kuhle. Nur noch kurz die Regenkombi in einer der Seitentaschen verstauen – schliesslich zeigt sich der Himmel anfangs noch bedeckt. Top an den 28-Liter-Taschen mit Aussenhülle aus zwei Millimeter starkem Leder sind sowohl Optik als auch die Bedienbarkeit. Lediglich zwei Klipp-Verschlüsse sind zu öffnen, dann lassen sich die zusätzlich mit Klett-Streifen gesicherten Deckel nach oben klappen. Wer bei Fahrten im Regen auf Nummer sicher gehen will, sollte auf die wasserdichten Zubehör-Innentaschen zurückgreifen. Nicht ganz verständlich ist nur, dass die Ledertaschen nicht gleich noch mit einem Schloss ausgestattet wurden.

Der erste Kontakt mit dem LT- bzw. Commander-Sessel mit Lendenstütze fühlt sich sehr komfortabel an. Dank moderater Sitzhöhe – bei allen T-Birds 700 Millimeter – lässt sich selbst die LT mit ihren vollgetankt 380 Kilo leicht vom Seitenständer aufrichten, und den ausgeklappten Ständer erreicht man auch mit nicht extrem langen Beinen ziemlich gut. Der mächtige Twin startet dank Dekompressoren mühelos und bietet mit seinen 270 Grad Hubzapfenversatz einen Sound, wie man ihn sonst von grossen V-Twins kennt. Das Klangerlebnis fällt auf der LT etwas dezenter aus als auf der Commander. Laut Warburton liegt dies an den Seitentaschen, die den Schall ableiten.

Am breiten Chromlenker mit angenehmer Kröpfung ist ein sanftes Pulsieren zu spüren – zwei Ausgleichswellen sorgen dafür, dass dies auch bei höheren Drehzahlen nie störend wird. Mit ihrer gut dosierbaren Kupplung lässt sich die LT easy in Bewegung setzen. Und dank dem tiefen Schwerpunkt bleibt das Schiff selbst bei Schritttempo mühelos im Lot. Manövrieren auf dem Parkplatz und bei Stop-and-Go ist entsprechend stressfrei möglich.

Auf den breiten, vierspurig ausgebauten City-Ringstrassen steigt der Speed gleich mal auf die erlaubten 45 bis 50 Meilen pro Stunde (70–80 km/h). Diverse Ampelstopps folgen, bis schliesslich das dicht besiedelte Gebiet zurückgelassen wird und abgelegene, teils auch sehr kurvige Landstrassen hinaus ins unbewohnte Nichts und bis in die Wüste führen.

Neues Fahrwerk 

Guide Simon Warburton legt ein ordentliches Tempo vor. Kein Wunder, denn der weltgrösste Reihentwin stampft ab tiefster Drehzahl souverän los. Der Cruiser-typisch auf dem Tank platzierte Tacho (bei der LT stärker zum Fahrer hin aufgerichtet als bei der Commander) zeigt nun auch mal Speeds von über 55 mph... Die LT beeindruckt das wenig – Nachschaukeln tritt auch bei Unebenheiten nicht auf. Aufsetzen der Trittbretter natürlich schon...

Der Stahlrohr-Brückenrahmen von Commander und LT wurde im Bereich des Sattels abgesenkt, um das Polster um 30 auf insgesamt 95 Millimeter (!) verstärken zu können, ohne dabei die Sitzhöhe zu verändern. Dabei wurde auch die unter dem Sattel liegende Airbox angepasst. Am Heck kommt bei LT und Commander eine neue Zweiarmschwinge mit Showa-Stereofederbeinen zum Einsatz, die gegenüber den beiden ersten T-Birds 14 Millimeter mehr Federweg bieten. Dadurch können die Federn weicher ausfallen. Die vordere 47-Millimeter-Showa-Gabel mit 120 Millimeter Federweg wurde für beide Neulinge von der Thunderbird / Storm übernommen. Allerdings veränderte sich die Geometrie der Front. Der Lenkkopfwinkel vergrösserte sich von 58 auf 60,1 Grad (LT) bzw. 59,9 Grad (Commander), und der Nachlauf verringerte sich von 151 mm auf 133 mm (LT) bzw. 135 mm (Commander).

Commander: Der Eil-Cruiser 

Die Überraschung am zweiten Fahrtag auf der Commander ist gross! Trotz des fetteren Hinterpneus (200 statt 180 mm) zeigt sie sich noch kurvenwilliger und handlicher als die LT! Auch der Motor wirkt in der 32 Kilo leichteren Commander (348 Kilo vollgetankt) noch um einiges kräftiger, so dass sich die Commander im Vergleich geradezu sportlich fährt. Ein ähnliches Erlebnis bei den Bremsen: An den vorderen Nissin-Stoppern der Commander sind geringere Handkräfte nötig als an der LT.

Nach zwei Testtagen zeigt sich: Beide neuen T-Birds sind für Langstrecken wie geschaffen. Sie bieten enormen Fahrspass – trotz mässiger Schräglagenfreiheit. Denn abgesehen davon verleihen sie einem das Gefühl von Überlegenheit und Gelassenheit. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man selbst nach langen Rides aus dem von der spanischen Firma NAD SA in Barcelona gefertigten Mehrlagensattel steigt, als hätte man nur mal eben probegesessen.


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Breites Zubehörsortiment für die neuen Thunderbirds

Für die neuen T-Bird-Modelle bietet Triumph einiges an Originalzubehör an. Da wären beispielsweise schwarze ovale Rückspiegel für 149 Franken, eine Schutzblechabdeckung für 119 Franken, falls die LT in einen coolen Einsitzer verwandelt wird (Soziuspolster und Taschen lassen sich mit wenigen Handgriffen entfernen); eine Leder-Tankabdeckung mit Täschchen für 119 Franken; wasserdichte Innentaschen für Lederkoffer für 99 Franken; verchromte Spiegel im Teardrop-Design für 179 Franken oder ein komfortableres Rücklehnenpolster für die LT für 249 Franken. Des weiteren gibt es etwa wirkungsvolle Winddeflektoren, eine höhere Touringscheibe und Zusatzfussrasten für die LT (siehe Bilder), einen abschliessbaren Tankdeckel und viele weitere Individualisierungs-Artikel.


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Fazit

Die neuen, in Hinckley (GB) produzierten T-Bird-Schwestern, deren Entwicklung vier Jahre dauerte, sind zwei erstklassige Langstrecken-Cruiser, die sich dank Reihen-Twin optisch klar von den V2-Mitstreitern abheben und ein völlig relaxtes Fahrerlebnis bieten.




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Triumph Thunderbird Commander / LT

Hubraum: 1699 ccm 
Leistung: 94 PS bei 5400/min 
Gewicht: 348 / 380 kg vollgetankt 
Preis: 20650 / 21750 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 510.30 Fr./Jahr 


Motor und Fahrwerk 

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder-Viertakter, DOHC (Kette), 4 Ventile/Zylinder, Bohrung × Hub 107,1 × 94,3 mm, Verdichtung 9,7. Sequentielle Multipoint-Einspritzung; Mehrscheiben-Nasskupplung, 6 Gänge, Riemenantrieb; 94 PS bei 5400/min, 151 Nm bei 3550/min 

Fahrwerk: Stahlrohr-Brückenrahmen, 47-mm-Telegabel, Zweiarm-Stahlschwinge, Showa-Stereofederbeine mit fünffach verstellbarer Federvorspannung; vorne Doppelscheibenbremse ∅ 310 mm, Vierkolbenzangen, hinten Scheibenbremse ∅ 310 mm, Zweikolbenzange, ABS; Leichtmetall- / Drahtspeichenräder; Bereifung 140/75-17 und 200/50-17 bzw. 150/80-16 / 180/70-16 (LT)


Auf den Punkt gebracht 

50 Prozent der neuen T-Birds werden in den USA verkauft. Wer sich bei uns für eine entscheidet, geniesst grosse Exklusivität! 

+ Getriebe läuft sehr leise 
+ Automatische Blinkerrückstellung 
+ Ersetzbare Trittbrettschleifer 
+ Schöner Sound 
– Schräglagenfreiheit 
– Koffer (LT) u. Tank nicht abschliessbar 
– Handhebel nicht einstellbar 


Motor **** 
Bremsen**** 
Fahrwerk **** 
Ergonomie ***** 


Import 

Triumph Suisse SA, Rue des Bugnons 4, 1217 Meyrin, Tel. 022 782 73 50 www.triumphmotorcycles.ch

 

Die Thunderbird Commander hat etwas weniger Ornat als die LT, ist dadurch aber auch etwas leichter. Die Thunderbird Commander hat etwas weniger Ornat als die LT, ist dadurch aber auch etwas leichter. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
1700 Kubikzentimeter sind eine klare Ansage. Das Sechsganggetriebe läuft ruhig, schaltet sich aber etwas hölzern. 1700 Kubikzentimeter sind eine klare Ansage. Das Sechsganggetriebe läuft ruhig, schaltet sich aber etwas hölzern. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Für lange Rides... Der Service ist nur alle 16000 Kilometer fällig. Für lange Rides... Der Service ist nur alle 16000 Kilometer fällig. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Nissin-Vierkolbenzangen vorn. Nissin-Vierkolbenzangen vorn. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Der mächtige Reihen-Twin. Der mächtige Reihen-Twin. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Die Kippschalter für die Zusatzscheinwerfer sind Standard an LT und Commander. Die Kippschalter für die Zusatzscheinwerfer sind Standard an LT und Commander. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Justierbare Schaltwippe. Justierbare Schaltwippe. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Gut ablesbarer Tacho mit Benzinuhr und Multifunktions-Display. Gut ablesbarer Tacho mit Benzinuhr und Multifunktions-Display. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Top-Sattel! Top-Sattel! © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Wo die Schräglagen-freiheit endet, ist das Fahrwerk noch lange nicht an seinen Grenzen angelangt! Wo die Schräglagen-freiheit endet, ist das Fahrwerk noch lange nicht an seinen Grenzen angelangt! © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles
Soziuslehne mit optionalem Gepäckträger und klassisches Rücklicht an der LT – an der Commander leuchten LEDs. Soziuslehne mit optionalem Gepäckträger und klassisches Rücklicht an der LT – an der Commander leuchten LEDs. © A. Barbanti, P. Barshon, F. Kirn & T. Riles