Guerilla Cruiser

Honda CMX500 Rebel

Von Michael Kutschke
15.09.2017 13:52:02

Nach der Africa Twin haucht Honda erneut einem Traditionsmodell frisches Leben ein: Die Rebel kehrt zurück – als Mini-Cruiser im Bobber-Style.

Honda duldet keine Lücken im Modellprogramm. So schmerzhaft der Wegfall der Shadow 750 für manchen Cruiser-Fan auch war, die neue CMX500 Rebel kann sie ausfüllen. Die Rebel ist ein frisch entwickeltes Bike, das von einem Twin mit 471 ccm angetrieben wird und besonders Einsteiger und Führerschein-A2-Inhaber mit moderner Linienführung im Bobber-Stil ansprechen soll.

Cruisin' Barcelona

Trotz schlichter Fahrwerkskonzeption mit zwei Federbeinen am Heck vereint die Rebel gute Handlichkeit mit der nötigen Fahrstabilität. Auch die Bremsen sind sportiver Fahrweise durchaus gewachsen. Sie reissen nicht, giften nicht. Der Druckpunkt der Vorderradbremse dürfte jedoch ruhig etwas besser ausdefiniert sein. Obendrein findet der Fahrer einen bequemen Arbeitsplatz vor. Die Sitzposition taugt für erstaunlich lange Etappen. Erstaunlich deshalb, weil die Fussrasten für einen Cruiser gar nicht so weit vorne angebracht wurden. Aber in Kombination mit dem eher flachen Lenker ergibt sich ein ergonomisch gutes Arrangement. Was den Neid des Passagiers wecken dürfte, denn für den hält die Rebel – ganz in alter Cruisertradition – nur ein Notplätzchen bereit. Dafür lässt sich der Umbau vom Zweisitzer zur Solomaschine schnell mit nur zwei Schraubverbindungen bewerkstelligen. Und die gerade mal 190 Kilogramm Motorrad lassen sich aus 690 Millimetern Sitzhöhe nahezu spielerisch beherrschen und rangieren. Schwülstiges Design und Chrom-Firlefanz sucht man an der Rebel vergebens. Trotz bewusst preisgünstiger Kalkulation wirkt sie fast durchgehend sehr wertig. Allenfalls kleine Details, wie die konventionellen, grossen Blinker, fallen da etwas aus dem Rahmen. Ein Fall für den Zubehörhandel. Ohne jede Nachhilfe dagegen kommt der flüssigkeitsgekühlte 8-Ventil-Zweizylinder-Reihenmotor, welcher ursprünglich aus der CBR 500 R stammt, aus. Er hat durchaus Druck, arbeitet in jeder Drehzahl- und Lebenslage handzahm. Ab Leerlaufdrehzahl zieht der Twin los und schwingt sich völlig linear zu solider Kraftentfaltung auf, um gegen Ende des Drehzahlbands etwas saftlos, aber sanft in den Drehzahlbegrenzer zu laufen. Macht aber nichts, weil die zum Cruisen völlig ausreichenden 44,6 Nm sowieso bereits bei 6000/min anliegen.

Bei unserem Test hat sich die Rebel als un­spektakuläres Gefährt ohne Schwächen erwiesen, dessen gelassenes Wesen auch auf den Fahrer abfärbt. Die Fahreigenschaften sind sehr gutmütig und passen für Einsteiger und alte Hasen gleichermassen. Genau so, wie es für einen Cruiser gehört.