Wetzstahl

KTM 390 Duke

Von Dimitri Hüppi
04.09.2017 11:43:06

Mit der völlig überarbeiteten 390 Duke ­präsentiert KTM die neue Referenz der Sport-Nakeds unter 500 Kubik.

Norditalienische Bergsträsschen und einen Wetzstahl unterm Hintern. Was es für Fans des sportlichen Strassenheizens in diesem Moment Schöneres geben könnte? Das kann ich nicht beantworten. Zumindest unter der Voraussetzung, das vorhandene Heizeisen verfügt über genügend Power, ein ausgewogenes Fahrwerk, willige Bremsen und eine sportlich-humane Ergonomie. Die runderneuerte KTM 390 Duke bringt das für 6390 Franken alles mit. Und so lassen wir es an der internationalen Pressevorstellung der 390 Duke sowie der 125 Duke in den Hügeln hinter Torino mächtig krachen. Die Strässchen und die kleinen Dörfchen mit wenigen Einwohnern erinnern teilweise an das Bündnerland. Genau das richtige Terrain für dieses Motorrad.

Gesicht wie die Super Duke R

Die 390er war schon immer ein cooles, Fahrspass bringendes kleines Bike – zwar mit «nur» 44 PS und 37 Nm Drehmoment, doch mit ebenso nur 148 kg Trockengewicht. Damit kommt sie auf ein Leistungsgewicht von 0,3 PS pro Kilo bzw. 3,39 Kilo pro PS und ist all ihren Konkurrentinnen überlegen. Das neuerdings um ein Kilo gewachsene Gewicht und der 2,4 Liter mehr fassende Benzintank ändern am phänomenalen Verhältnis nichts. Nach wie vor fühlt sich die 390 überaus handlich und erwachsen zugleich an. Als erstes sticht der neue Look ins Auge, bestimmt vom neuen Scheinwerfer, der an die Super Duke R erinnert, sowie vom neuen, hochgezogenen Auspuff. Anpassungen am Auspuff waren aufgrund der neuen Euro-4-Norm nötig, doch brachten sie in diesem Fall auch einen erlebbaren Vorteil: Die 390 klingt nun beinahe wie eine 690 Duke und damit echt gut. Vorbei die Zeiten des immer etwas blechernen Pöttelns aus dem unscheinbaren Underfloor-Topf.  Der Akrapovic-Zubehördämpfer verleiht dem Auftritt vornehmlich optisch das gewisse Extra.

Der zweigeteilte LED-Scheinwerfer mit mittigem Kühlelement und Tagfahrlicht ist sicherlich Geschmackssache, doch wirkt er zweifelsohne erwachsener und er sorgt an der 390 (wie an der 125 Duke) zurecht für eine noch klarere Familienzugehörigkeit. 

Aufi geht's!

Ihr wahres Potenzial kann die 390 in verwinkelten Städten sowie auf kurvigen Nebenstrecken unter Beweis stellen. Hier besticht der Einzylinder nach wie vor durch sein spritzig-druckvolles Auftreten ab tiefen Drehzahlen. Ab etwa 3000/min läuft er schön fein. Für eine saubere und feine Gasannahme sorgt nun ein Ride-by-Wire-System. Einzylindrige Vibrationen sind zwar vorhanden, aber nicht störend. Auch Getriebe und Abstufung der sechs Gänge passen. Dank Rutschkupplung gibt es auf der 390 kein Stempeln des Hinterrades mehr. Man fliegt mit der Kleinen Bergstrecken nur so hinauf, aber auch wieder hinunter. Das ebenso verbesserte Fahrwerk lässt die 390 geradezu auf der Fahrbahn kleben und selbst bei Unebenheiten nicht aufschaukeln. Ihren Teil tragen auch die Metzeler Sportec MS Interact dazu bei, die selbst bei aggressivem Angasen gut auf dem Asphalt haften. 

Die radial montierten Vierkolbenzangen der Brembo-Tochter Bybre mit abschaltbarem Bosch-ABS beissen nun noch feiner dosierbar und bei Bedarf mit noch mehr Biss in die im Durchmesser von 300 auf 320 mm gewachsenen Bremsscheiben zu! Toll ist auch, dass der Bremsgriff (genauso wie der Kupplungsgriff) serienmässig einstellbar ist.

Neue Konnektivität und TFT

Rein fahrdynamisch zaubert die 390 spielend grinsende Gesichter unter jeden Helm. Doch auch sonst ist sie stimmiger denn je. Dank fahraktiverer Ergonomie – unter anderem durch den angepassten Rahmen mit jetzt verschraubtem Heckrahmen –, wertigerem Sitz für Fahrer und Sozius und neuem, multifunktionalem TFT-Display. Letzteres kann vielseitig konfiguriert werden und es lässt sich mit dem optional orderbaren «KTM My Ride» via Bluetooth mit dem Smartphone koppeln …