Evoluzione
Ducati 848 Evo
Ducati hat sein Desmo-Supersport-Einstiegsbike aufpoliert. Mit mehr Dampf und kräftigeren Beissern ist die 848 jetzt noch heisser.
Man schrieb das Jahr 1994, als Ducati mit der 748 einen Strassen-Ableger der damaligen Supersport-WM-Rennmaschine vorstellte. Von den Ducatisti nie ganz akzeptiert, übernahm 2003 die 749 nach demselben Muster den Platz in der Modell-palette. Vier Jahre später schlug die Stunde der 848. Anders als ihre Vorgängerinnen wurde sie ohne Supersport-WM-Rennambitionen entwickelt. Vielmehr ging es den Entwicklern darum, Desmo-Neulingen einen würdigen Einstieg in den Kreis der verschworenen Ducati-Anhängerschaft zu erleichtern. Mit Nasskupplung und deutlich grösseren Service-Intervallen lockte die kleine Schwester der 1098 auch technisch weniger versierte Käufer an. Und die Rechnung ist aufgegangen, weiss doch die Presseabteilung zu berichten, dass sich 80 Prozent der 848-Käufer mit ihr eine erste Ducati in die Garage gestellt haben. Inzwischen hat die 848 ihre beiden Vorreiterinnen überflügelt und gilt als meistverkauftes «Mittelklasse-Superbike» aus Bologna.
Mehr Power
Erwartungsgemäss ging auch das Modell-Update Evo mit der
frohen Botschaft «mehr Leistung» einher. Und dass tatsächlich ein Hightech-Herz
unter der zarten Verschalung schlägt, erkennt man bei genauerem Hinschauen: Mit
140 PS ist die Evo das stärkste Bike in «ihrer Klasse», und die hochgerechnet
165 PS pro Liter Hubraum stellen die beste theoretische Leistungsausbeute aller
Ducati dar (1198 SP:
142 PS/Liter). Die Steigerung der Topleistung um sechs PS wurde mit mehr
Ventilhub, neugeformten Kolben, optimierten Brennräumen, einer dadurch
erreichten erhöhten Verdichtung (13,2:1), überarbeiteten Einlasskanälen,
optimierten Nockenwellen sowie grösseren elliptischen Drosselklappen erzielt.
Trotz der hohen Verdichtung soll Bleifrei 95 ausreichen. Der Einsatz von
98er-Sprit dürfte jedoch für mehr Laufruhe sorgen.
Weiter hat die 848 Evo einen Lenkungsdämpfer erhalten. Dieser ist zwar nicht einstellbar, aber auf einen guten Mittelwert vorjustiert. Seine Interventionen sind in langsamer Fahrt nicht störend, aber doch in der Lage, Lenker-Unruhen innerhalb von nur einer Pendelbewegung einzudämmen. Angesichts der Leistungszunahme beissen bei der 848 neu giftige Brembo-Monoblocks in die Eisen. Angerollt kommt die Evo auf dem Superkleber von Pirelli, dem Diablo Supercorsa SP.
Auf historischem Asphalt
Testen durften wir die neue Mittelklasse-Sport-Duc auf der
technisch anspruchsvollen Rennstrecke von Imola. Und wer könnte uns die Linie
hier besser zeigen als der diesjährige Sieger beider Imola-Superbike-WM-Läufe,
Carlos Checa? Aufsitzen und los! Der Starterknopf will Ducati-typisch etwas
länger gedrückt werden, bis der Desmo-Twin mit dumpfem Grollen zum Leben
erwacht.
Im ersten Gang hebt die Evo neckisch das Vorderrad – der Motor ist spürbar kräftiger geworden. Beim Herausbeschleunigen aus Aqua Minerale verliert sie sogar im Zweiten vorne zeitweise den Bodenkontakt. Da ist der neue Lenkungsdämpfer ein willkommener Helfer. Der überarbeitete Desmoquattro verlangt allerdings noch immer nach Drehzahl. Auf der Strasse vielleicht unbemerkt, stört das Leistungsloch kurz vor 6000 /min auf der Strecke ein wenig, wobei eine schaltintensive Fahrweise angesagt ist. Die Kupplung braucht etwas Handkraft, ist aber fein dosierbar. Gerade beim Runterschalten in Schräglage ist das essenziell, denn über Fahrhilfen wie eine Anti-Hopping-Kupplung verfügt auch die Evo noch nicht. Imola ist bekannt für seine fiesen Schikanen. Kein Problem für die 848 Evo: Anbremsen lässt es sich mit den Brembo-Monoblocks wie ein Weltmeister. Jetzt verfügt auch das kleine Superbike über Bremsen der Spitzenklasse. Auf der Rennstrecke perfekt, könnten weniger versierte Fahrer auf der Strasse mit diesen Ankern ihre liebe Mühe haben. Also Vorsicht bei nassem oder kaltem Asphalt.
Links-rechts: Schnelle Richtungswechsel machen mit der vergleichsweise leichtfüssigen 848 richtig Laune. Es folgt eine schnelle Passage. Ich verkrieche mich hinter der Scheibe, die Sitzposition passt perfekt. Sportlich, die Hände fast auf gleicher Höhe mit dem Allerwertesten, ein straffes Sitzpolster für ein gutes Gefühl am Popometer und trotz allem viel Platz für Hang-off-Turnübungen – so muss das sein; Alltagstauglichkeit mal links liegen gelassen. Jetzt bloss nicht den Bremspunkt verschlafen, denn es folgt eine schnelle Kurvenkombination. Mit der sprichwörtlichen Ducati-Stabilität liegt die 848 Evo satt im Eck. Mit ihren noch einmal edleren Komponenten liegt die 1198 SP (S. 17) zwar einen Tick stabiler, doch verglichen mit ebenbürtigen Mitstreitern ist die Kurvenlage auf sehr hohem Niveau.
Die Signora aus Bologna ist ab sofort in drei verschiedenen Farbkleidchen erhältlich. Und sie ist trotz saftiger technischer Updates nicht einen Franken teurer geworden: Nach wie vor ist man mit 19 990 Franken dabei. Nur für die Weisse will Ducati einen Tausender mehr.
| Ducati 848 Evo Hubraum: 849,4ccm Auf den Punkt gebracht + Sportliche Ergonomie passt – Leistungsloch kurz vor 6000 /min |








