Gruseltyp
Ducati Monster 796
Die neue Ducati Monster 796 wird dank schöner Technikdetails und günstigem Preis sowohl die 1100 wie die 696+ das Fürchten lehren.
Es gibt BMW-Fahrer und GS-Fahrer, genau wie es Honda-Fahrer und Goldwing-Fahrer gibt. Ein Marketing-Phänomen, das nur bei ganz starken Produkten auftritt. Bei Ducatis Monster-Baureihe ist es auch schon so weit: Denn die Freunde der 1993 gegründeten Gruselfamilie sind keine blossen «Ducatisti», also Ducati-Fans, sondern begreifen sich mittlerweile als «Monsteristi». Die Beliebtheit dieser Baureihe (225 000 gebaute Monster seit der Erstpräsentation) dürfte nun kräftig zunehmen, denn die ab Ende Mai in der Schweiz erhältliche Monster 796 erscheint als vorzüglich gelungene Kreuzung aus 696+ und 1100. Quasi der Schönling in der Gruselfamilie.
Das Ganze ist mehr...
Es sind weniger die einzelnen Details, die überzeugen, es
ist vielmehr das stimmige Gesamtpaket. Der insbesondere im Durchzug kräftigere
Motor, die in Monster-Kreisen bei weitem beste Sitzposition und natürlich das
sehr gelungene Verhältnis von Preis und Gegenwert. Der Aufpreis zur 696+ (Fr.
13 490.–
inkl. ABS) beträgt nur 1200 Franken, doch dafür wird Handfestes geliefert: Die
herrliche Aluguss-Einarmschwinge der schon ohne ABS 15 990 Franken kostenden 1100, dazu
deren Slipper-Kupplung und 180er-Walze. Für mehr Schräglagenfreiheit gegenüber
der 696+
(46 statt 42°) wird sie höher gelegt, bleibt aber dennoch um 10 mm unter der
Sitzhöhe der 1100er. Weil auch noch der Lenker 20 mm höher montiert wird,
ergibt sich eine packend aktive, zugleich entspannte Sitzposition.
15 PS Unterschied liegen zwischen der 696+ (80 PS) und der 1100er (95 PS). Das 796er-Triebwerk zielt genau in die Mitte: 87 PS bei 8250/min lauten die Daten. Besonders viel packt der exakt 803 ccm grosse Zweiventiler beim Drehmoment drauf: Die Kurve verläuft viel höher als bei der 696+ und hat mit 78 Nm einen 15 Prozent höheren Maximalwert bei weitaus geringerer Drehzahl (6250 statt 7750 Touren). Ideal für lässige Landstrassenritte.
...als die Summe seiner Teile
Die Praxis bestätigt dies. Vor allem, wenn die Route zügig
verläuft und die Kurven nicht zu eng sind und zu dicht aufeinanderfolgen.
Grimsel passt, die Maloja-Rampe vom Bergell hinauf eher nicht. Denn die
deutlich zu lange Gesamtübersetzung zwingt den Fahrer im engen Kurvengewürm
immer wieder in den ersten Gang, weil es der zweite erst ab etwa 4000
Umdrehungen so richtig bringt. Eine weitere Eigenheit, die erfahrene
Monsteristi leichter kompensieren, ist die beträchtliche Aufstellneigung der
796 beim Bremsen in Kurven, zumindest mit dem in Serie montierten Pirelli
Diablo Rosso. Auch das Überfahren von Bodenunebenheiten in Schräglage bringt
viel Unruhe mit sich, was weniger Erfahrene irritieren dürfte. Kommt dann in
Kurven auch noch ein Zucken an der Gashand ins Spiel, kann man also nicht «auf
Zug» bleiben, leidet die Linie, denn die Gasannahme der Einspritzung erfolgt
recht hart. Kein wirklicher Anfängertöff also, auch wenn sich die 796 ansonsten
spielend leicht fahren und bedienen lässt.
Italienische Funktionalität
Passen die äusseren Umstände, sind die 186 Monster-Kilos
keine Herausforderung, weil das überaus handliche Fahrwerk exakt das macht, was
der Fahrer denkt. Als gäbe es eine direkte Verbindung zwischen Hirn und
Lenkkopf. Zieht er so richtig am Kabel, nutzt er also das gesamte Drehzahlband,
sollte die Strassenoberfläche glatt sein, sonst schlägt der Lenker gern mal
kurz aus. Brembos radiale Dreischeiben-Bremsanlage samt ABS (auf Anfrage zum Aufpreis von 1000 Franken) passt prima zur 796.
Funktionalität, Stil und Sport nennt Ducati als die drei wichtigsten Charakteristika der Monster 796. Den letzten beiden Zuschreibungen ist bedenkenlos zuzustimmen, in Sachen Funktionalität ist wohl die italienische Sichtweise gefragt. Die exakte Einhaltung des Schweizer Tempolimits erfordert unnötig viel Konzentration, weil die Anzeigen nur schwer ablesbar sind. Die Ziffern sind viel zu dünn und zu klein. Dafür ist der Wendekreis riesig, was «The Urban Icon» auch nicht gerade ziert. Dafür findet sich an der Vorderradfelge ein bedienungsfreundliches Winkelventil, und auch die Spiegel erfüllen ihre Aufgabe.
Monster-Chamäleon
Zusätzlich zu den drei Serienfarben (Silber, Schwarz, Rot)
bietet Ducati für die 796 zehn Sets in Sonderdesigns an. Die Kits gibt es ab
Mitte Juni nur zum Nachrüsten, sie kosten je nach Lackieraufwand zwischen 1200
und 1500 Franken. Damit lässt sich das Gruselkind durch den Wechsel von
Frontkotflügel, Bikini-Verkleidung, Tank-Seitendeckel und Soziussitz-Abdeckung
innert nur zehn Minuten umgestalten.
Monsteristi haben mit der 796 jedenfalls einen Grund mehr, sich zu ihrer verschworenen Gemeinschaft zu bekennen. Und das Logomania-Konzept gibt es so nur bei ihr. Da schauen selbst Goldwinger in die Röhre.



