Langstreckenjäger
Kawasaki Z 1000 SX
Ihr ursprünglicher Einsatzzweck ist die schnelle Pässerunde nach Feierabend. Die Rede ist von der überaus populären, nackten Kawasaki Z 1000. Um Ausdauer geht’s bei Nakeds vom Schlage der Z 1000 nie, Fahrspass pur steht im Vordergrund.
Lenkkopfwinkel, Radstand, Gewichtsverteilung und die Federung sind in der Regel wie bei einem Jagdflugzeug auf beste Manövrierbarkeit für den kurzen, aber heftigen Fight ausgelegt. Wie viele andere Naked-Bikes, nervt die nackte Z deshalb vor allem im Langstreckeneinsatz mit ihrer allzu kurzen Endübersetzung, schlecht ablesbarem Drehzahlmesser, vorgebeugter Sitzposition, kurzer Reichweite, minimalistischem Stauraum unter der Sitzbank und unbequemem Soziaplatz.
SX: Der Long Distance Fighter
So sind sie halt, die fürs kurze Vergnügen konzipierten Maschinen: Man müht sich auf Autobahnetappen in fast aufrechter Sitzposition mit dem anstürmenden Orkan ab und ist fast froh um den harten Sattel – der nach 100 km eine Pause dringend nötig macht. Doch seit der Z-Wiedergeburt vor sieben Jahren und ganz besonders seit der 138-PS-Triebwerkimplantation Anfang dieses Jahres steht das Label Kawasaki Z 1000 für den derzeit wohl bulligsten, brachialsten japanischen Kurzstreckenfighter der Einliterklasse. Warum also nicht auch noch einen von der Z 1000 abgeleiteten Langstreckenjäger mit aerodynamischer Verkleidung, komfortablem Sattel, längerer Übersetzung, erhöhter Reichweite, aufrechter Sitzposition und Gepäck-system in den Kampf werfen?
Gentleman Start your Engines: Kawasaki startet durch, zum Long-Distance-Testfight auf zwei Tagestouren durch Andalusien. Schon wenige Minuten nach dem Start bei Marbella reift die Erkenntnis, dass die SX scheinbar alle Komfortschwächen der nackten Kurzstreckenjäger abgelegt hat: Die Z 1000 SX wurde nicht nur spürbar länger übersetzt, es wurde auch ein besser ablesbarer analoger Tourenzähler verbaut, das Stauvolumen unter der Sitzbank verdoppelt und der Tank um vier Liter auf 19 Liter vergrössert. Ausserdem ist die Gabel eindeutig weicher abgestimmt, und ein neues, komfortableres Federbein bietet neben einem Hauch mehr Federweg nun sogar eine leicht zugängliche Verstellmöglichkeit der Federvorspannung. Die Fussrasten wurden dank Gummieinlagen und schwingungsdämpfender Gewichte an der Rückseite der Fersenschützer nahezu gänzlich von lästigen Vibra-tionen befreit. Man hat also an alles gedacht – nur eine Ganganzeige sucht man leider vergeblich.
Nun zum Kampfwert des auf Ausdauer getrimmten Jägers: Das modifizierte Fahrwerkssetup begeistert in den schnellen Radien rund um Ronda auf Anhieb. Selbst deftige Schlag-löcher und Bodenwellen bringen die Z 1000 SX nie von der angepeilten Linie ab, waghalsige und hektische Schräglagenwechsel quittiert die SX höchstens mit funkenden Rasten auf dem Asphalt. Der um fünf Millimeter gelängte Radstand verändert die bekannt gute Handlichkeit der Z 1000 im engen Winkelwerk kaum. Für eine Tausender wedelt die SX wieselflink selbst durch den haarigsten Kurvenslalom. Auch die aufrechte Ergonomie und der gemässigte Kniewinkel sorgen beim Piloten jederzeit für das souveräne Gefühl von Sicherheit und Kontrolle im verschärften Kurvenfight.
138 PS in sanfter Explosion
Und der Antrieb des SX-Modells? Sensationell! 138 PS drücken 231 Kilo vom Drehzahlkeller bis zum Begrenzer brutal vorwärts. Pure Kraft in sanfter Explosion. Im Direktvergleich mag die kürzer übersetzte Streetfighter-Variante zwar noch ein Quäntchen brachialer anschieben, die Abstimmung der Z 1000 SX kann jedoch im Strassenalltag und auf Tour mehr überzeugen. Die SX zieht mit einer absolut begeisternden Geschmeidigkeit durch das gesamte Drehzahlband – gibt sich selbst auf nasser, rutschiger spanischer Fahrbahn immer gutmütig und berechenbar. Dank des scheinbar grenzenlosen Feuers im 1043-ccm-Reaktor spurtet die druckvolle Z 1000 SX auch während der ambitionierten Pässehatz ohne hektische Gangwechsel agil von Serpentine zu Serpentine.
Aktiviertes Schutzschild
Neben dem Turbinen-Feeling, der vorbildlichen Reise-Ergonomie und der hervorragend dosierbaren, brachial zuschnappenden Bremsanlage (die ABS-Version konnten wir leider noch nicht testen) schätzt der Langstreckenpilot natürlich auch das verstellbare Windschild. Durch Drücken des Entriegelungsknopfes unter der Instrumentenkonsole kann die Plexiglasscheibe dreifach in der Höhe (maximal 9 Zentimeter) und Neigung justiert und arretiert werden. Das Design der Z 1000 SX gibt sich harmonisch und funktionell, denn die SX-Frontverkleidung wirkt nicht wie bei manchem Konkurrenten einfach nur drangeschraubt. Und Kawasaki hatte mit den aerodynamischen Eigenschaften des Schutzschildes ein gutes Händchen. Der Oberkörper wird gut vom Winddruck entlastet, geräuschvolle Verwirbelungen am Helm sind in keiner der drei Windschildpositionen festzustellen. Aber der Kopf bleibt immer dem Fahrtwind ausgesetzt – die SX empfiehlt sich daher nicht für Komfort-Fetischisten. Damit offenbart sich neben dem Preis von 17 990 Franken die zweite Schwäche der Z 1000 SX, die eigentlich eine Stärke ist: Zwar will Kawasaki den halb verkleideten Langstreckenjäger als waschechtes Tourenmotorrad neben Honda CBF 1000 F, Suzuki GSX 1250 F oder Triumph Sprint GT positionieren, in Wahrheit aber besetzt die SX jedoch eine bislang unentdeckte Nische im Segment. In Sachen Komfort kann sie nicht jedem Kontrahenten das Wasser reichen, dafür aber scheint die potente Japanerin nach den ersten Solo-Testfahrten der Konkurrenz in Sachen Sportlichkeit, Fahrspass und aggressivem Auftritt eine Nasenlänge voraus. In der Automobilwelt findet die Kawasaki Z 1000 SX ihre Pendants am ehesten bei Mitsubishi Lancer Evo oder Subaru Impreza WRX: Gut für die tägliche Fahrt ins Büro und familientauglich… beim rasanten Kurvenkampf jedoch mindestens so schwer zu besiegen wie eine F 18 der Schweizer Luftwaffe. Ob man die Z 1000 SX mit den montierten 35-Liter-Koffern nun als «Langstrecken-Fighter» oder als «scharfen Tourer» versteht, bleibt also Ansichtssache.
| Technische Daten Hubraum: 1043 ccm Leistung: 138 PS bei 9600/min Gewicht: 231 kg fahrfertig, vollgetankt Preis: ab 17 990 Franken Verkehrsabgabe: 60 bis 340.20 Fr./Jahr Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihen-vierzylinder-Viertakter, DOHC (Kette), 4 Ventile/Zyl., Bohrung × Hub 77 × 56 mm, 1043 ccm, Verdichtung 11,8. Elektr. Benzin-einspritzung/Zündung, Saugrohr-Æ 38 mm. Mehrscheiben-Nasskupplung, 6 Gänge, Kette. 138 PS bei 9600/min, 110 Nm bei 7800/min. Fahrwerk: Alu-Brückenrahmen, 41-mm-USD-Gabel, voll einstellbar, Alu-Zweiarm-schwinge mit über Linksystem angesteuertem Zentralfederbein, Basis und Zugstufe einstellbar. Vorn Doppelscheibenbremse Abmessungen Auf den Punkt gebracht + Fulminanter, druckvoller Motor – Altbackenes Kofferträger-Design |







