Suzuki V-Strom 1000 ABS.
Suzuki V-Strom 1000 ABS. © Alessio Barbanti / Markus Jahn

Wilder und smarter

Suzuki V-Strom 1000

Von Dimitri Hüppi
02.06.2014 17:26:27

Endlich ist die neue grosse Suzuki V-Strom da!

Bereits die alte V-Strom 1000, deren Verkauf 2008 in Europa eingestellt wurde, weil sie die Abgasnorm Euro 3 nicht erfüllte, galt als Töff mit besten Touringqualitäten und sportiven Fahreigenschaften. Die in Südspanien vorgestellte Nachfolgerin, die ab 14 800 Franken für die Saison 2014 bereitsteht, geht noch lieber auf Tour oder ins schnelle Kurvengewühl. Sie übertrifft ihre Vorgängerin in praktisch jeder Hinsicht.

Allein optisch liegen zwischen den beiden V-Strom-Generationen Welten. Die erste, die 2002 lanciert worden war, besass noch eine wuchtige Verschalung, die die vordere Fahrzeughälfte schwer erscheinen liess. Die neue Generation wirkt dagegen leicht. Die seitlichen Tankverkleidungen aus unlackiertem Kunststoff reichen weniger weit nach vorne und auch nicht so tief nach unten, sodass ein schönes Stück der goldeloxierten Upside-down-Gabel sichtbar wird. Die Inspiration für dieses Umstyling, zu dem auch ein segmenttypischer "Schnabel" gehört, holten sich die Designer bei der DR 750 S von 1988, der Urahnin der Adventure-Touring-Bikes von Suzuki.

Sichtbarer Heckrahmen

Im hinteren Bereich gibt es neu ebenfalls weniger Plastik; der untere Teil des Heckrahmens ist nun sichtbar, was die Reiseenduro deutlich frecher macht – ganz getreu dem Designermotto: "wild and smart".

Wild – oder zumindest energisch – und doch smart geht es auch in voller Fahrt zu. Zum einen liegt dies am wassergekühlten 90-Grad-V2, der von der Vorgängerin bekannt ist, aber an sämtlichen wichtigen Baugruppen überarbeitet wurde. Zentralster Punkt ist das gesteigerte und nun früher bereitstehende maximale Drehmoment. Neu liegen 103 Newtonmeter bei tiefen 4000 Umdrehungen pro Minute an. Bei der Vorgängerin waren es 101 Nm bei 6400/min. In der Praxis bringt diese Modifikation einen deutlich mächtigeren Antritt aus dem Drehzahlkeller. Erreicht wurde dies unter anderem durch eine minimale Vergrösserung der Zylinderbohrung von 98 auf 100 Millimeter, was den Hubraum leicht ansteigen liess – von 996 ccm auf 1037 ccm.

Nicht Spitzenleistung ist gefragt

Die maximale Leistung ist ebenso minimal von 98 auf 100 PS gestiegen, doch steht diese statt bei 7600 nun erst bei 8000/min zur Verfügung. Bei der Überarbeitung des Achtventilers stützten sich die Suzuki-Verantwortlichen auf eigene Umfrageergebnisse, wonach die potenziellen Kunden beim neuen Adventure-Bike nicht auf eine möglichst grosse Höchstleistung setzen, sondern eben auf Druck von unten. Bewusst habe man auch den Hubraum nicht wesentlich gesteigert, um insbesondere die ansprechen zu können, denen eine  1200er zu schwer ist. Tatsächlich hat die V-Strom 1000 ABS im Vergleich zu ihrer Vorgängerin ziemlich abgespeckt – von 236 auf 228 Kilo fahrfertig. Damit ist sie eine der leichtesten in ihrer Klasse, unterboten nur noch von der Ducati Multistrada 1200 mit 224 Kilo.

Die Umsetzung des Twins ist gelungen, denn er zieht wirklich in jeder Lage souverän an – begleitet von einem kräftigen, aber nicht aufdringlichen V2-Bollern. Top sind zudem die ruckfreie Gasannahme und der insgesamt feine Motorlauf. Die Vibrationen nehmen erst ab 7000/min zu, doch werden sie nie zu extrem. Auch das überarbeitete Getriebe ist 1-a! Die sechs Gänge rasten präzis und geräuschlos ein, und das Runterschalten erfolgt jetzt dank der Anti-Hopping-Kupplung in jedem Fall ohne störrisches Hinterrad.

Die erste Suziki-Traktionskontrolle

Die neue 1000er hat aber noch mehr an Smartheit zu bieten. So verfügt sie jetzt über ein Bosch-ABS – und sie ist das erste Suzuki-Serien-Bike, das mit einer Traktionskontrolle ausgerüstet ist. Einem durchdrehenden Hinterrad beugt das aus dem Rennsport abgeleitete System, das in der V-Strom über zwei Empfindlichkeitsstufen verfügt und deaktivierbar ist, nun vor. Ein willkommenes Feature in einem Bike, das durchaus zum Heizen animiert.

Neben dem willig hochdrehenden Motor spricht nämlich auch das Fahrwerk gut auf Eiltempo an. Ob zügig genommene Kehren am Pass oder hohe Autobahngeschwindigkeit – die V-Strom bleibt stets linienstabil. Die Abstimmung der Federelemente ist gelungen und nicht zu komfortorientiert, sodass man jederzeit spürt, was unter den Rädern passiert. Die Upside-down-Gabel lässt sich zudem voll einstellen und an die persönlichen Vorlieben anpassen. Beim hinteren Federbein ist die Vorspannung bequem per Handrad regulierbar. Unruhe bleibt auch beim harten Verzögern mit Einsatz des fein regelnden ABS aus. Die Bremsen verdienen genauso Lob: Der Druckpunkt ist klar definiert; sie lassen sich sauber dosieren. Die Hinterradbremse könnte für eine Reise-Enduro etwas kräftiger zupacken, doch erledigen die Stopper ihre Aufgabe als Team bestens.

Gelungen ist auch die Ergonomie. Man sitzt locker aufrecht hinter dem nicht zu breiten Tank in einem bequemen Sattel, in dem es sich stundenlang aushalten lässt. Der Lenker liegt angenehm in der Hand, die Hebel für Kupplung und Bremse sind justierbar. Eine tiefere und eine höhere Sitzbank gibt es als Zubehör.

Wenn schon, denn schon

Bleibt noch die Frage, warum sich die Japaner für die Neuauflage der grossen V-Strom so viel Zeit gelassen haben. Suzuki-Sales-Promotion-Manager Naoki Hirooka begründet dies mit der zurückliegenden Wirtschaftskrise, die die Verwirklichung eines rundum erneuerten Bikes in Verzug brachte. Doch jetzt ist die neue Strom ja da – smarter denn je.


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Fazit

Mit der V-Strom 1000 ABS bringt Suzuki seit langem wieder mal eine Neuheit mit grossem Hubraum auf den Markt. Ein attraktiv gestyltes, gut ausgestattetes Bike, das den Vergleich innerhalb der Klasse nicht zu scheuen braucht und an dem es wenig auszusetzen gibt.


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Suzuki V-Strom 1000 ABS


Hubraum: 1037 ccm 
Leistung: 100 PS bei 8000/min 
Gewicht: 228 kg fahrfertig 
Preis: 14 800 Franken 
Verkehrsabgabe: 60 bis 340.20 Fr./Jahr 


Motor: Flüssigkeitsgekühlter V-Zweizylinder-Viertakter, DOHC (Kette), 4 Ventile/Zylinder, Bohrung×Hub 100×66 mm, Verdichtung 11,3; Traktionskontrolle; hydraulische Rutschkupplung, 6 Gänge, Kette; 100 PS bei 8000/min, 103 Nm bei 4000/min 

Fahrwerk: Alu-Brückenrahmen, 43-mm-Upside-down-Gabel, komplett einstellbar, Aluschwinge, Zentralfederbein mit Hebelumlenkung und verstellbarer Federvorspannung; vorne Doppelscheibenbremse ∅ 310 mm, Vierkolbenzangen radial verschraubt, hinten Scheibenbremse ∅ 260 mm, Einkolbenzange, ABS; 10-Speichen-Aluräder; Bereifung 110/80-19 und 150/70-17


Import 

Frankonia AG, Mattenstr. 5, 2555 Brügg Tel. 032 374 20 70 www.suzuki.ch

 

Der grosse Analog-Drehzahlmesser ist top - die ungenutzten Plastikflächen im Cockpit so lala. Der grosse Analog-Drehzahlmesser ist top - die ungenutzten Plastikflächen im Cockpit so lala. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Neu verfügt die V-Strom 1000 über einen 2-in-1- statt 2-in-2-Auspuff. Dadurch werden 4,7 Kilo eingespart. Neu verfügt die V-Strom 1000 über einen 2-in-1- statt 2-in-2-Auspuff. Dadurch werden 4,7 Kilo eingespart. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Der V2 kommt dank des effizienteren Wasserkühlers ohne Ölkühler aus. Der V2 kommt dank des effizienteren Wasserkühlers ohne Ölkühler aus. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Tokico-ABS-Bremsen. Tokico-ABS-Bremsen. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Die Windschutzscheibe lässt sich mittels Federmechanismus dreifach in der Neigung verstellen, indem man sie mit einer Hand nach vorne drückt. Die Windschutzscheibe lässt sich mittels Federmechanismus dreifach in der Neigung verstellen, indem man sie mit einer Hand nach vorne drückt. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
LED-Rücklicht und ein stabiler Gepäckträger. LED-Rücklicht und ein stabiler Gepäckträger. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Haupt- und Heckrahmen sind 33 Prozent steifer und 13 Prozent leichter geworden. Haupt- und Heckrahmen sind 33 Prozent steifer und 13 Prozent leichter geworden. © Alessio Barbanti / Markus Jahn
Handschützer, Seitenkoffer (26 bzw. 29 Liter), Topcase (35 bzw. 55 Liter), LED-Zusatzscheinwerfer sind Originalzubehör. Handschützer, Seitenkoffer (26 bzw. 29 Liter), Topcase (35 bzw. 55 Liter), LED-Zusatzscheinwerfer sind Originalzubehör. © Alessio Barbanti / Markus Jahn