Multitask
Triumph Speed Triple
Nach jahrelangem Verkaufserfolg hat sich Triumph getraut, das Aushängeschild Speed Triple fast komplett aufzumöbeln. Die Erfolgsgeschichte geht weiter.
Es ist neun Uhr morgens. Die Sonne steht noch tief am Himmel, doch es ist bereits angenehm warm. Gespannt betrete ich die Boxengasse des exklusiven und wunderschönen Ascari Race Resort in Andalusien. Und da steht sie: Die brandneue Triumph Speed Triple 1050 des Modelljahres 2011. Und Speed Triple steht bei Triumph für Erfolg: Kein anderes Modell der Briten rollte öfters aus den Fertigungshallen in Hinckley. Entsprechend behutsam und konzentriert ging man bei der Entwicklung der neuen «Speedy» ans Werk.
Alt war gut, aber neu ist besser
Ikonen in die Moderne zu überführen ist eine heikle
Angelegenheit mit vielen Ge- und Verboten. Das weiss man auch bei Triumph. So
lautete die Anweisung der Geschäftsleitung an das Entwicklerteam: «Don’t f***
it up!», was wohl keiner Übersetzung bedarf. Die Entscheidung, sich von den
typischen runden Doppelscheinwerfern in Chromfassungen abzuwenden, fiel bei
Triumph nicht leicht. Doch zum neuen modernen Look mit den Kühlerabdeckungen
hätten die Retro-Leuchten schlicht nicht gepasst. Deshalb erhellen nun aggressivere,
polygonförmige Scheinwerfer die Nacht. Dennoch ist dieses Bike unverwechselbar
eine Speed Triple geblieben. Typische Designelemente wie die Einarmschwinge,
der Doppelrohr-Brückenrahmen, die beiden hochgelegten Endschalldämpfer oder die
unverschalten Doppelscheinwerfer blieben im Konzept bestehen. Der Rahmen baut
jetzt allerdings schmaler. Die Schwinge ist zugunsten eines grösseren Radstands
neu 18,5 mm
länger und wurde gleichzeitig ein Kilo leichter. Viel Gewicht konnte auch an
den Rädern, beispielsweise durch dünnere Bremsscheiben, und den
Endschalldämpfern eingespart werden. Bis auf den Motor ist an diesem Bike alles
neu. Und auch dieser ist dank eines neuen Mappings, einer grösseren Airbox und
der erneuerten Auspuffanlage noch potenter geworden. Besonders im Bereich
zwischen 6000 und 9000/min konnte die Drehmomentkurve spürbar angehoben werden.
Mit einem Plus von 5 PS kommt die grosse Triple jetzt auf eine Nennleistung von
135 PS und stemmt bei 7750/min ihr maximales Drehmoment von 111 Nm ans Hinterrad.
Näher an der Street
Ganz oben im Pflichtenheft standen eine verbesserte
Fahrbarkeit und ein leichteres Handling. Ziel der Entwicklung: die weltweit
gelobten Fahreigenschaften der kleinen Street Triple R mit dem potenten
1050-ccm-Reihendreizylinder zu verbinden. Denn mit ihrem
Mittelklasse-Naked-Bike haben die Entwickler von Triumph eindrücklich unter
Beweis gestellt, dass sie zu den besten Fahrwerksbauern der Welt zählen. Um das
Triumph-Emblem nun auch bei den Power-Nakeds wieder erstrahlen zu lassen,
mussten die Ingenieure bei der Speed mehr Gewicht aufs Vorderrad bringen. Der
Motor wanderte deshalb drei Millimeter nach vorne und wurde um sieben Grad nach
vorne geneigt. Zudem befindet sich die Batterie neu nicht mehr unter dem Sitz,
sondern unter der Abdeckung zwischen Tank und Lenker. Der Fahrer tut sein
Übriges an der neuen Gewichtsverteilung: Er sitzt jetzt 26 mm näher am Lenker
und ein bisschen weiter unten. Das führt zu einer Sitzposition, die ergonomisch
zwar gut passt und verschiedene Fahrstile zulässt, der Speed Triple aber ein
wenig die luxuriösen Platzverhältnisse raubt.
Start your engines
Jetzt muss die neue Speedy beweisen, was in ihr steckt. Denn
auf dem Ascari Race Resort bleibt keine Schwäche verborgen. Steilwandkurven
belasten das Fahrwerk mit hohen Kompressionskräften, schnelle Kehren verlangen
nach Stabilität, und in Schikanen ist Agilität gefragt. Grüne Flagge – los
geht’s!
Der Dreizylinder schiebt schon bei tiefen Touren mächtig an. Noch bevor der Drehzahlmesser die 5000/min-Marke anzeigt, stehen am Hinterrad über 100 Nm an. Bei 6000/min legt der Triple nochmals eins drauf – am Vorderrad macht sich eine gewisse Leichtigkeit bemerkbar. Jetzt reisst die Kraftentwicklung nicht mehr ab, bis der Begrenzer bei 11 000/min den Riegel vorschiebt. Klack! …nächster Gang. Das Getriebe wurde zwar leicht optimiert, ist aber beim Hochschalten nach wie vor nicht ganz auf dem Niveau der leichtfüssig schaltbaren Japaner. Gangwechsel verlangen nach etwas Nachdruck und robusten Stiefeln. Sonst gibts nur gute Noten für der Antrieb: sanfte Gasannahme, geschmeidige Lastwechsel und erbauliche Triple-typische Vibrationen, die in keiner Weise irritieren.
Auf der Bremse
Die Schikane fliegt auf mich zu – Anker werfen! Schon die
«alte» Speed Triple verfügte über radial verschraubte Vierkolben-Brembos. Neu
kommt auch der Bremszylinder aus dem Hause Brembo. Der Druckpunkt ist klar, und
bei Bedarf verzögern diese sensationellen Beisser auf Supersport-Niveau.
Trotzdem sind sie bei der ersten Berührung des Bremshebels nicht allzu giftig
und überfordern ihren Bediener nicht. Auf der Bremse abwinkeln? No problem –
das Aufstellmoment hält sich in Grenzen. Auch an der Nissin-Anlage hinten gibts
nichts auszusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass die tolle Beisser-Performance
auch bei der ABS-Version vorliegt, die uns für diesen Test leider nicht zur
Verfügung gestanden hat.
Gut gedämpft ist halb gewonnen
Fahrwerkstechnisch ist die Speed Triple nicht wiederzuerkennen. Die 43-mm-USD-Gabel und das ebenfalls voll einstellbare
hintere Federbein von Showa verrichten einen super Job. Das Gefühl für die
Interaktion von Belag und Reifen hat sich stark verbessert. Einlenken geht mit
der 11er-Speed kinderleicht und präzise – die frontlastigere Geometrie macht
die Britin zur handlichen Kurvenflitzerin. Mit seiner spitzen Kontur hat der
neue 190/55er-Gummi (Metzeler Racetec K3 Interact) auch seinen Anteil an der
Agilität des Bikes. Und wie steht es um die Stabilität? Durch den längeren
Radstand liegt die Speedy erstaunlich ruhig und bügelt Unebenheiten oder Curbs
weg, ohne mit dem Heck auszuschlagen. Man kann mit ihr – und das war durchaus
im Sinne der Entwickler – auch auf Rennstrecken mächtig angasen. Trotzdem ist
sie Naked-Bike-typisch eher auf Handling als Stabilität ausgelegt. In ihrem
Segment dürfte die Speedy diesbezüglich aber mehr als nur konkurrenzfähig sein.
Mit der Speed Triple 2011 hat Triumph ins Schwarze getroffen. Jetzt muss man eigentlich nur noch wissen, dass sie ab Dezember bei den Händlern stehen wird. Und zwar ausschliesslich als ABS-Version in Schwarz, Rot und Weiss. Kostenpunkt: 17 490 Franken.
| Evolution der Speed Triple Seit der Markteinführung im Jahr 1994 hat sich die Speed Triple mit mehr als 65 000 verkauften Einheiten die Top-Seller-Krone von Triumph ergattert. Die erste «Speedy» basierte technisch auf der Daytona 900. Stahlrahmen, keine Seitenverkleidung und ein runder Scheinwerfer machten diese Triple aus. Der 885-ccm-Dreizylinder-Vergasermotor leistete damals sagenhafte 98 PS. Streetfighter ab Werk Mehr Power, weniger Gewicht |
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Technische Daten Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihendreizylinder-Viertakter, DOHC, 4 Ventile/Zyl., Bohrung × Hub 79 × 71,4 mm, Verdichtung 12,0. Elektr. Einspritzung/Zündung. Nasskupplung, 6 Gänge, X-Ring-Kette. 135 PS bei 9400/min, 111 Nm bei 7750/min. Fahrwerk: Leichtmetall-Doppelrohr-Brückenrahmen, 43-mm-USD-Gabel von Showa, voll einstellbar. Leichtmetall-Einarmschwinge mit Exzenter-Kettenspanner. Showa-Zentralfederbein, voll einstellbar. Vorn Doppelscheibenbremse D320 mm von Brembo, hinten Scheibenbremse D 255 mm von Nissin. Leichtmetall-Mehrspeichen-Felgen, 17 x 3,5 und 17 x 6 Zoll. Bereifung 120/70 ZR 17 und 190/55 ZR 17. Abmessungen Auf den Punkt gebracht + Druckvoller
Dreizylinder – Sound
mit originalen Dämpfern bescheiden
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Eine Fotostrecke zur neuen Triumph Speed Triple finden Sie hier.












