Multitask

Triumph Speed Triple

Von David Basler
23.12.2010 10:44:23

Nach jahrelangem Verkaufserfolg hat sich Triumph getraut, das Aushängeschild Speed Triple fast komplett aufzumöbeln. Die Erfolgsgeschichte geht weiter.

Es ist neun Uhr morgens. Die Sonne steht noch tief am Himmel, doch es ist bereits angenehm warm. Gespannt betrete ich die Boxengasse des exklusiven und wunderschönen Ascari Race Resort in Andalusien. Und da steht sie: Die brandneue Triumph Speed Triple 1050 des Modelljahres 2011. Und Speed Triple steht bei Triumph für Erfolg: Kein anderes Modell der Briten rollte öfters aus den Fertigungshallen in Hinckley. Entsprechend behutsam und konzentriert ging man bei der Entwicklung der neuen «Speedy» ans Werk.

Alt war gut, aber neu ist besser
Ikonen in die Moderne zu überführen ist eine heikle Angelegenheit mit vielen Ge- und Verboten. Das weiss man auch bei Triumph. So lautete die Anweisung der Geschäftsleitung an das Entwicklerteam: «Don’t f*** it up!», was wohl keiner Übersetzung bedarf. Die Entscheidung, sich von den typischen runden Doppelscheinwerfern in Chromfassungen abzuwenden, fiel bei Triumph nicht leicht. Doch zum neuen modernen Look mit den Kühlerabdeckungen hätten die Retro-Leuchten schlicht nicht gepasst. Deshalb erhellen nun aggressivere, polygonförmige Scheinwerfer die Nacht. Dennoch ist dieses Bike unverwechselbar eine Speed Triple geblieben. Typische Designelemente wie die Einarmschwinge, der Doppelrohr-Brückenrahmen, die beiden hochgelegten Endschalldämpfer oder die unverschalten Doppelscheinwerfer blieben im Konzept bestehen. Der Rahmen baut jetzt allerdings schmaler. Die Schwinge ist zugunsten eines grösseren Radstands neu 18,5 mm länger und wurde gleichzeitig ein Kilo leichter. Viel Gewicht konnte auch an den Rädern, beispielsweise durch dünnere Bremsscheiben, und den Endschalldämpfern eingespart werden. Bis auf den Motor ist an diesem Bike alles neu. Und auch dieser ist dank eines neuen Mappings, einer grösseren Airbox und der erneuerten Auspuffanlage noch potenter geworden. Besonders im Bereich zwischen 6000 und 9000/min konnte die Drehmomentkurve spürbar angehoben werden. Mit einem Plus von 5 PS kommt die grosse Triple jetzt auf eine Nennleistung von 135 PS und stemmt bei 7750/min ihr maximales Drehmoment von 111 Nm ans Hinterrad.

Näher an der Street
Ganz oben im Pflichtenheft standen eine verbesserte Fahrbarkeit und ein leichteres Handling. Ziel der Entwicklung: die weltweit gelobten Fahreigenschaften der kleinen Street Triple R mit dem potenten 1050-ccm-Reihendreizylinder zu verbinden. Denn mit ihrem Mittelklasse-Naked-Bike haben die Entwickler von Triumph eindrücklich unter Beweis gestellt, dass sie zu den besten Fahrwerksbauern der Welt zählen. Um das Triumph-Emblem nun auch bei den Power-Nakeds wieder erstrahlen zu lassen, mussten die Ingenieure bei der Speed mehr Gewicht aufs Vorderrad bringen. Der Motor wanderte deshalb drei Millimeter nach vorne und wurde um sieben Grad nach vorne geneigt. Zudem befindet sich die Batterie neu nicht mehr unter dem Sitz, sondern unter der Abdeckung zwischen Tank und Lenker. Der Fahrer tut sein Übriges an der neuen Gewichtsverteilung: Er sitzt jetzt 26 mm näher am Lenker und ein bisschen weiter unten. Das führt zu einer Sitzposition, die ergonomisch zwar gut passt und verschiedene Fahrstile zulässt, der Speed Triple aber ein wenig die luxuriösen Platzverhältnisse raubt.

Start your engines
Jetzt muss die neue Speedy beweisen, was in ihr steckt. Denn auf dem Ascari Race Resort bleibt keine Schwäche verborgen. Steilwandkurven belasten das Fahrwerk mit hohen Kompressionskräften, schnelle Kehren verlangen nach Stabilität, und in Schikanen ist Agilität gefragt. Grüne Flagge – los geht’s!

Der Dreizylinder schiebt schon bei tiefen Touren mächtig an. Noch bevor der Drehzahlmesser die 5000/min-Marke anzeigt, stehen am Hinterrad über 100 Nm an. Bei 6000/min legt der Triple nochmals eins drauf – am Vorderrad macht sich eine gewisse Leichtigkeit bemerkbar. Jetzt reisst die Kraftentwicklung nicht mehr ab, bis der Begrenzer bei 11 000/min den Riegel vorschiebt. Klack! …nächster Gang. Das Getriebe wurde zwar leicht optimiert, ist aber beim Hochschalten nach wie vor nicht ganz auf dem Niveau der leichtfüssig schaltbaren Japaner. Gangwechsel verlangen nach etwas Nachdruck und robusten Stiefeln. Sonst gibts nur gute Noten für der Antrieb: sanfte Gasannahme, geschmeidige Lastwechsel und erbauliche Triple-typische Vibrationen, die in keiner Weise irritieren.

Auf der Bremse
Die Schikane fliegt auf mich zu – Anker werfen! Schon die «alte» Speed Triple verfügte über radial verschraubte Vierkolben-Brembos. Neu kommt auch der Bremszylinder aus dem Hause Brembo. Der Druckpunkt ist klar, und bei Bedarf verzögern diese sensationellen Beisser auf Supersport-Niveau. Trotzdem sind sie bei der ersten Berührung des Bremshebels nicht allzu giftig und überfordern ihren Bediener nicht. Auf der Bremse abwinkeln? No problem – das Aufstellmoment hält sich in Grenzen. Auch an der Nissin-Anlage hinten gibts nichts auszusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass die tolle Beisser-Performance auch bei der ABS-Version vorliegt, die uns für diesen Test leider nicht zur Verfügung gestanden hat.

Gut gedämpft ist halb gewonnen
Fahrwerkstechnisch ist die Speed Triple nicht wiederzuerkennen. Die 43-mm-USD-Gabel und das ebenfalls voll einstellbare hintere Federbein von Showa verrichten einen super Job. Das Gefühl für die Interaktion von Belag und Reifen hat sich stark verbessert. Einlenken geht mit der 11er-Speed kinderleicht und präzise – die frontlastigere Geometrie macht die Britin zur handlichen Kurvenflitzerin. Mit seiner spitzen Kontur hat der neue 190/55er-Gummi (Metzeler Racetec K3 Interact) auch seinen Anteil an der Agilität des Bikes. Und wie steht es um die Stabilität? Durch den längeren Radstand liegt die Speedy erstaunlich ruhig und bügelt Unebenheiten oder Curbs weg, ohne mit dem Heck auszuschlagen. Man kann mit ihr – und das war durchaus im Sinne der Entwickler – auch auf Rennstrecken mächtig angasen. Trotzdem ist sie Naked-Bike-typisch eher auf Handling als Stabilität ausgelegt. In ihrem Segment dürfte die Speedy diesbezüglich aber mehr als nur konkurrenzfähig sein.

Mit der Speed Triple 2011 hat Triumph ins Schwarze getroffen. Jetzt muss man eigentlich nur noch wissen, dass sie ab Dezember bei den Händlern stehen wird. Und zwar ausschliesslich als ABS-Version in Schwarz, Rot und Weiss. Kostenpunkt: 17 490 Franken.

 

Evolution der Speed Triple

Seit der Markteinführung im Jahr 1994 hat sich die Speed Triple mit mehr als 65 000 verkauften Einheiten die Top-Seller-Krone von Triumph ergattert. Die erste «Speedy» basierte technisch auf der Daytona 900. Stahlrahmen, keine Seitenverkleidung und ein runder Scheinwerfer machten diese Triple aus. Der 885-ccm-Dreizylinder-Vergasermotor leistete damals sagenhafte 98 PS.

Streetfighter ab Werk
1997 folgte eine erste grosse Modellüberarbeitung. Mit dem Alu-Brückenrahmen, dem Doppelscheinwerfer und der Einarmschwinge erhielt die Speed ihre charakteristischen Merkmale. Mit elektronischer Einspritzung leistete dieses Modell 106 PS. 1999 wurde der Hubraum auf 955 Kubik erhöht. 2002 folgte ein Update von Chassis und Motor.

Mehr Power, weniger Gewicht
Im Jahr 2005 erhielt die Speed Triple den 1050 ccm grossen Motor, der bis heute seinen Dienst in der Britin verrichtet. Zum ersten Mal bekam die Speedy eine Upside-Down-Gabel. Es folgten Jahre der Modellpflege. Neue Fahrwerkskomponenten und ab 2008 serienmässig Brembo-Bremsen. Mit der neuen Speed Triple für 2011 wagt Triumph also die grösste Veränderung in der Modellgeschichte des Bikes seit 1997.

 

Technische Daten

Hubraum:                      1050 ccm
Leistung:                       135 PS bei 9400/min
Gewicht:                         214 kg trocken
Preis:                            17 490 Franken
Verkehrsabgabe:            60  bis 340 Fr./Jahr

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihendreizylinder-Viertakter, DOHC, 4 Ventile/Zyl., Bohrung × Hub 79 × 71,4 mm, Verdichtung 12,0. Elektr. Einspritzung/Zündung. Nasskupplung, 6 Gänge, X-Ring-Kette. 135 PS bei 9400/min, 111 Nm bei 7750/min.

Fahrwerk: Leichtmetall-Doppelrohr-Brückenrahmen, 43-mm-USD-Gabel von Showa, voll einstellbar. Leichtmetall-Einarmschwinge mit Exzenter-Ketten­spanner. Showa-Zentralfederbein, voll einstellbar. Vorn Doppelscheibenbremse D320 mm von Brembo, hinten Scheibenbremse D 255 mm von Nissin. Leichtme­tall-Mehrspeichen-Felgen, 17 x 3,5 und 17 x 6 Zoll. Bereifung 120/70 ZR 17 und 190/55 ZR 17.

Abmessungen
Tankvolumen 17,5 l, Schrittbogenmass 1800 mm, Lenkerinnenbreite 495 mm

Auf den Punkt gebracht
Handlich und kraftvoll – die Überführung der Speed Triple in die Neuzeit ist perfekt.

+            Druckvoller Dreizylinder
+            Balance des Fahrwerks
+            Kraftvolle Brembo-Beisser
+            Sitzposition ermöglicht breites Einsatzspektrum

–            Sound mit originalen Dämpfern bescheiden
–            Getriebe könnte einen Tick leichtgängiger sein

 

 

Eine Fotostrecke zur neuen Triumph Speed Triple finden Sie hier.

 

Gut ablesbar und wie bis anhin designt: Digital-Analog-Cockpit. Gut ablesbar und wie bis anhin designt: Digital-Analog-Cockpit. © Alessio Barbanti
Die kräftigen Brembos lassen keine Wünsche offen. Die kräftigen Brembos lassen keine Wünsche offen. © Alessio Barbanti
Neu gezeichnetes kurzes Heck. Die hochgelegten Schalldämpfer zähmen den potenten Dreizylinder akustisch. Neu gezeichnetes kurzes Heck. Die hochgelegten Schalldämpfer zähmen den potenten Dreizylinder akustisch. © Alessio Barbanti
Speed Triple 1994. Speed Triple 1994. © Werk
Speed Triple 2000. Speed Triple 2000. © Werk
Speed Triple 2008. Speed Triple 2008. © Werk
Speed Triple 2011. Speed Triple 2011. © Werk