Umgedreht

Yamaha YZ 450 F

Von Imre Paulovits
25.04.2010 17:10:39
Dieser Sound! Die neue 450er-Yamaha sticht klanglich einfach aus einem ganzen Rudel von Motocross-Viertaktern heraus.

Der kernig-bissige Auspuffton und dazu das kehlige Ansauggeräusch sind einfach unverwechselbar. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein Yamaha-Crosser vornehm in der Menge versteckte.

Verstecken will sich der neue Yamaha-Crosser auch gar nicht – viel eher eine Revolution einleiten. Denn nach über 40 Jahren kaum veränderten Einzylinder-Designs im Motocross-Sport haben die Mannen aus Iwata nun alles auf den Kopf gestellt – genauer gesagt umgedreht. Ganz im Gegensatz zu der Bauweise mit Einlass hinten, Auslass vorne und leicht nach vorn geneigtem Zylinder, wie es BSA mit der Victor 1965 eingeführt hat, sind bei der neuen YZ 450 F der Einlass vorne, der Auslass hinten und der Zylinder nach hinten geneigt. Wozu das Ganze? Massenzentralisierung lautet Zauberwort. Die Konstrukteure wollten möglichst viel Gewicht in die Nähe des Schwerpunkts bringen. Nicht nur, dass der schwere Zylinder deutlicher in Richtung Fahrzeugmitte wandert, auch der Tank konnte weiter heruntergezogen werden, und der leichte Luftfilter kam nach vorne und oben.

Und wenn schon rundum erneuert wurde, bekam der Motor gleich eine kurzhubigere Auslegung (97,0 x 60,8 statt 95,0 x 63,4 mm) sowie einen Vierventilkopf statt dem bisherigen Fünfventiler. Dieser wird auch nicht mehr durch einen Vergaser, sondern durch Benzineinspritzung gespeist. Die Elektronik kommt ohne Batterie aus und kann mit einem externen Power-Tuner programmiert werden.

Typisch Yamaha geblieben
Aber ist durch die neue Konstruktion nun alles anders geworden? Was den Motor betrifft: ja. Der neue Vierventiler ist nicht nur lauter, er ist auch über das ganze Drehzahlband stärker und impulsiver als sein Vorgänger – Profis begrüssen es, Anfänger werden damit ihre Not haben. Dafür ist das Fahrwerk typisch Yamaha geblieben. Die YZ fährt sich sehr vorderradorientiert, bietet vorne sehr viel Grip und bleibt beim Einlenken immer ruhig und stabil. Einzig in Anliegern, die ohne Zug gefahren werden, fühlt sie sich ein bisschen kippelig an. Die grosse Differenz infolge neuer Massenzentralisierung spürt man aber kaum – die YZ fühlt sich nur minimal handlicher an als ihre Vorgängerin.

Viel Freude bereiten allerdings die Federelemente: Die Dämpfung lässt sich in einem sehr breiten Bereich einstellen und bietet dem Anfänger ausreichend Komfort wie auch dem Profi genügend Dämpfungsreserven.

 

Ungewohnt: Der neuentwickelte Motor mit gedrehtem Zylinderkopf und nach hinten gekipptem Zylinder. Ungewohnt: Der neuentwickelte Motor mit gedrehtem Zylinderkopf und nach hinten gekipptem Zylinder. © Werk