Test the best

Swiss Leser-Masterbike

Von Michael Kutschke
16.10.2008 08:46:05
11 Motorräder, 9 Leser, 1600 Kilometer, 100'000 Kurven. Ein Test und viele Sieger.

Von Motorradfahrern für Motorradfahrer» – eine TÖFF-Maxime nicht erst seit gestern. Andere schreiben über ihre Leser und testen Motorräder für die Leser. TÖFF organisiert seit Jahren Vergleichstests zusammen mit seinen Lesern. Und mit der Wahl des «Töffs des Jahres» bietet TÖFF seit 1998 eine Leser-Plattform, die Sieger kürt: Der Sporttourer Yamaha FJR 1300 ist ein Topseller – auch, weil unsere Leser das Motorrad acht Mal in Folge zum Töff des Jahres gewählt haben.

Vom Probe- zum Testfahrer
Nun hat TÖFF weitere interaktive Erlebniswelten zwischen Redaktion und Leser geschaffen. Beim TÖFF-Testtag in Buttisholz am 7. Juni 2008 beispielweise konnte jeder über 60 verschiedene Töffmodelle ausprobieren. Pascal Meyerhans von Triumph Schweiz: «In unseren Augen der beste Probefahr-Event der Schweiz.»

Das Swiss Leser-Masterbike, letztes Jahr erstmals durchgeführt, setzt noch einen drauf: Alle Macht dem Volk – während vier Tagen werden Sie vom Probefahrer zum Testpiloten und Mitverfasser des jährlichen grossen Lesertests im TÖFF-Heft, dem Leser-Masterbike. Profifahrer bleiben aussen vor. TÖFF stellt nur die Maschinen zur Verfügung, berät und bringt Ihr Urteil gross heraus.

Die Master-Biker
Wer sind sie, die Masterbiker 2008? Die Testpiloten heissen Markus, Hermann, Roman, Roland, Peter, Pit, Willy. Alles Menschen, die einem normalen Job nachgehen. Doch vor dem Test-Ride machen die frischgebackenen Testfahrer zuerst Bekanntschaft mit der Theorie: Beim Rundgang durch die Redaktionen TÖFF, MOTORSPORT aktuell, auto-illustrierte und MOTORRAD ist neben dem Einblick, wie eine Zeitschrift entsteht, auch die Arbeit eines Redaktors und die Frage, was bei einem Vergleichstest zu beachten ist, ein Thema. Dabei ergibt sich für die Masterbiker manch interessanter Plausch mit bekannten Schreiberlingen und mit den Testabteilungen von MOTORRAD und TÖFF.

Der Auftrag: 11 Bikes
Die Testmaschinen? 11 aktuelle Bikes der Saison. Funbikes, Sporttourer, Naked Bikes und eine Reise-Enduro sind mit von der Partie: Zwei BMW, eine Buell, eine feuerrote Ducati, zwei Kawa, eine Sugi, eine Triumph und last but not least die Yamaha Fazer. Unser Zielgebiet: Kurvige Strässchen über die Schwäbische Alb, das Allgäu und zahlreiche Pässe in den österreichischen Alpen. Auf der 1600-km-Testrunde gibt es also reichlich Gelegenheit, Bergluft zu schnuppern, Kurven zu kratzen und die Motorräder durchzutauschen.

Die Mission und das Ergebnis
Mancher Motorrad-Journalist ist in Gefahr, den Kontakt zur Töffrealität zu verlieren: Da wird in Berichten ausführlich über zwei Kilo mehr oder Fahrwerksproblemchen bei Tempo 290 lamentiert, während Otto-Normaltöffler mit ganz anderem hadert. Denn im Gegensatz zu manchen Profi-Testern, die mit der Zeit nur noch aus der Sicht des abgebrühten Vollprofis für ebensolche zu schreiben scheinen, beurteilen Alltagsfahrer Motorräder aus einer erfrischenden, praxisorientierten Perspektive. Deshalb also haben sie Arbeit, die Masterbiker: Testprotokolle ausfüllen, Noten vergeben, Fotofahrten absolvieren. Wenn Leser selber testen und was dabei rauskommt, erfahren Sie jetzt. 11 Bikes, 11 Statements. Wir beginnen mit den Bayern-Töff.

BMW F 800 GS: Geländesau
Platz sechs in der Leser-Punktewertung – kein Traumergebnis für die neue. Die Hauptkritik der TÖFF-Lesertester fokussiert sich auf den hohen Sitz, den hohen Schwerpunkt, den schwammigen Druckpunkt der ABS-Bremse und die zu direkte Gasannahme. Roland Vogt findet die F 800 gar für den Stadtverkehr ungeeignet: «Die geht viel zu giftig ans Gas, man ist ständig am Schalten. Als Fahrer fühlt man sich vom Geschehen eher etwas entkoppelt, aber sie ist recht handlich.» Roland: «Mit engen Passagen und schnellen Kurvenwechseln hat sie etwas Mühe. Das dürfte am grossen 21-Zoll-Vorderrad und an der Enduro-Bereifung liegen.» Sound und Optik scheiden die Geister, die Ergonomie der kleinen GS dagegen gefällt. Das Testprotokoll ist voll des Lobes: «Super-Sitzposition, Super-Kniewinkel … könnte stundenlang draufsitzen … ein ausgezeichnetes Tourenmotorrad.» Zwei Masterbiker empfinden das Sitzpolster als zu hart.

Trotz ihres Allround-Charakters polarisiert die «F». Pit hält sie für «eine geile Pistensau, die viel Spass macht», während Hermann einzig der Motor überzeugt.

BMW «R»: Verkannte Streitaxt
Auch die R 1200 R entzweit die Masterbiker: Toll zu fahren, aber trotzdem nur Platz vier zusammen mit der Yamaha. Ihre Tugenden? Pit Strähl: «Ein guter Kamerad in allen Lebenslagen: Drehmoment, Wendigkeit, Ergonomie. Der Boxer ist der Freund, den ich wählen würde, wenn ich von Pontius zu Pilatus fahren müsste. Leider ist er emotionslos – dennoch für mich eine Top-Maschine.» Roland Weber: «Ein tolles Alltags- und Alpenmotorrad mit erstaunlich niederem Schwerpunkt, guten ABS-Bremsen, Super-Bremsstabilität und -Tourenkomfort.» Das grösste Problem der «R»? Peter Gähwiler: «Sähe sie bloss anders aus … aber aussehen tut sie genauso schlecht, wie sie tönt.» Hermann setzt noch eins drauf: «Für mich kommt sie rüber wie Naomi Campbell im Thermoboy. Aller Technik zum Trotz: Sie lässt mich emotional völlig kalt.» Punkten konnte die «R» in Sachen Ergonomie. Einzige Kritik: die BMW-Blinker-Betätigung. Auch das elektronisch verstellbare Fahrwerk samt ABS begeistern.

Komisch, dass viele Fahrer die BMW fahren wollten, obwohl sie kaum Lob für sie übrig hatten. Roland Weber, der privat sowohl eine BMW als auch eine Moto Morini fährt, erklärt diesen Widerspruch: «Wenn ich mit meiner BMW vorfahre, ist das etwas ganz anderes, als wenn ich auf der Morini sitze. Als Boxerpilot hat man den Eindruck, als wollten einen die Leute fragen, ob man schon für eine Bypass-OP angemeldet sei. Das Altherrenimage ist halt nicht totzukriegen.»

Buell XB12X Ulysses: Nur für individuelle Individualisten
Vielleicht ist die BMW zu normal. Die Buell dagegen ist alles andere. Es fängt mit dem Zündschlüssel links am Lenkkopf an. Vorschusslorbeeren für das US-Bike waren zahlreich, die Erwartungen hoch. «Schlägereien» wie um die Duc gab es nach dem ersten Testtag keine mehr.

Markus: «Die Buell ist in allen Belangen nur mittelmässig – eine Enttäuschung.» Pit: «Druck auf den Startknopf … es schü-schü-schüttelt und beruhigt sich nicht mehr.» Hermann über das Fahrverhalten: «Nicht wirklich stabil, nicht wirklich handlich … schon gar nicht im Vergleich zum Rest der Meute – und die Gabel ist zu weich.» Pit: «Nobody is perfect. Die Buell schon gar nicht. Trotzdem hat das US-Bike etwas, was kein anderes hat: Aus tiefstem Drehzahlkeller stampft der Harley-V2 wie eine entfesselte Dampframme vorwärts. Ihr Komfort ist erstaunlich gut, wenn es einem nur nicht so das Gemächt und den rechten Schenkel abkochen würde. Schuld ist die miese Wärmeabfuhr des Motors. Im Stadtverkehr ist die Grillsaison eröffnet, der Haxen gart langsam zum Filet. Und das Geföhne des Lüfters geht auf die Nüsse.»

Die Verkleidungsscheibe bietet zwar guten Schutz, zappelt aber ab 120 km/h vor der Nase herum.» Auf der Beliebtheitsskala beim Töff-Leser-Masterbike ist die Buell das Schlusslicht.

Ducati: Das Streitobjekt
Hypermotard. Spiel, Satz, Sieg: Der Liebling der Lesertester war – wer hätte es geahnt? – das feuerrote Spielmobil aus Bologna. Weder die brettharte Sitzbank noch das mickrige Tankvolumen hielt die Fangemeinde der Hyper-Duc davon ab, sich beinahe bei jedem Töffwechsel um die Rote im Supermoto-Trimm zu schlagen. «Der ultimative Adrenalinkicker mit dem besten Sound», wie es Peter Perini formuliert, ist das Lustobjekt des Testfuhrparks. Jeder wollte sie – immer und überall.

Roland Vogt: «Hypermotard? Die Fahrmaschine! Temperament und Emo-tion pur, so wie es sein soll.» Roland Weber: «Ein Top-Fahrwerk, die besten Bremsen im Test.» Pit: «Für den schnellen Überlandritt ist sie mein Favorit.» Auch Markus kommt aus dem Schwärmen nicht heraus: «Eulen nach Athen, Wasser in den Rhein? Die Duc ist mega! Hermann: «Wo bleibt mein Sechser im Lotto?»

Doch auch die Diva muss Kritik einstecken: Peter Gähwiler: «Leiden darf schön sein, aber für mich ist die Duc zu kompromisslos.» Pit: «Hat das Ding echt einen Sattel? Der Windschutz – eine Lachnummer…» «Für die grosse Tour und die Fahrt mit Sozia ungeeignet», meint Willy. Rang drei beim Lesertest.

Honda Transalp: Der Underdog
Pit: «Gefallen tut sie mir nicht, aber sie ist funktionell. Unter den hochbeinigen Ladys ist die Transalp für mich die beste. Ein Motorrad, das wenig Aufmerksamkeit fordert. Motor an, Kupplung ziehen, Gang rein – flutsch und weg. Typisch Honda: kein Krachen beim Gangwechsel, kein Ruckeln – mit der Transalp geht alles glatt über die Bühne. Mit ihr kann man am besten Landschaft und Architektur geniessen. Die Honda erledigt die Arbeit quasi alleine.» Hermann: «Die Transe gibt keine Rätsel auf – alles passt: Die Sitzposition, der Windschutz, die transparente und nicht zu bissige ABS-Bremse … sie gefällt mir besser als Versys und V-Strom.» Roman: «… hat eine der besten Bremsen im Test. 15 PS mehr und ich würde sie kaufen.» Peter Gähwiler kritisiert: «Zu viel Plastik, zu wenig Mut beim Design. Und aus den Auspufftüten kommt nur warme Luft.» Peter Perini stimmt zu: «Ein anspruchsloses Motorrad, klingt aber wie ein Scooter.»

Platz fünf vor BMW F 800, Suzuki V-Strom und Kawa Versys – kein schlechtes Ergebnis für die Mittelklasse-Honda.

Kawa Versys: Die Handzahme
Mehr Schatten als Licht: Auf der Beliebtheitsskala der TÖFF-Lesertester belegt das Versys-Konzept Rang neun – hinter der Honda und der V-Strom.

Roland Weber: «Für mich ist die Versys wie ein Koreaner unter den Autos: Ein Motorrad ohne grosse Emotionen – günstig, abwaschbar, knitterfrei und waschmaschinenfest. Der Motor klingt wie ein Vierzylinder, der nur auf zwei Zylindern läuft.» Roman: «Alles passt, aber sie macht für mich nicht sehr viel her.»

Hermann: «Der Zweizylinder rappelt ab 2000 Touren tapfer vorwärts, mit Vorliebe im 5000er-Bereich, um in den oberen Drehzahlbereichen völlig den Schnauf zu verlieren. Roland Vogt: «Die Versys ist ein Motorrad, das Ruhe verbreitet.»

Im Fokus der Kritik: die Bremsen. «Schwammig, schlaff, ohne Biss.» Trotz ABS findet Roland Vogt: «In der heutigen Zeit ist so eine undefinierbare Bremse ein Frevel.» Weitere Kommentare im
Testprotokoll: «Leistung? Ein Butter-und-Brot-Mofa … absolut alltagstauglich … zu enger Kniewinkel für grossgewachsene Piloten, hat den Charme eines Sugus-Bonbons.»

Kawasaki Z 1000: Durchgeknallte mit Manieren
Hermann: «Wenn ein Vierzylinder, dann diesen. Die Z 1000 erinnert mich an meine Jugendzeit auf der seligen GPZ 550: Kompakt, stabil – aber natürlich um Generationen besser. Das Triebwerk geht aus niederen Drehzahlen sehr zahm ans Gas – eine Tugend –, um dann ab 5000 Touren richtig Feuer unterm Hintern zu machen. Fahrwerk gut, Bremsen gut. Im Vergleich zur Fazer ganz klar meine Wahl.»

Das fanden auch alle anderen Teilnehmer: Z 1000 heisst der Sieger des TÖFF-Leser-Masterbikes 2008. Alle neun Testfahrer wählten die «Z» nach den Kriterien (Wirtschaftlichkeit, Agilität, Komfort, Design) auf einen Podestplatz, sechs sogar auf Platz eins. Die Motorcharakteristik der Kawa wurde sechs Mal mit sehr gut bewertet und drei Mal mit gut.

Nur beim Wind-und-Wetter-Schutz bekam die Grüne von zwei Masterbikern ein Mangelhaft. Damit kann man als Naked Bike aber lässig leben.

KTM Duke: Für schräge Vögel
Roman: «Auf die Duke-Sitzbank müsste ich mir ein Kissen nähen lassen. Die Single-KTM ist auch sonst hart aber herzlich: Enge Kehren, Hakenschlagen – das ist wirklich lustig mit der 690er Duke. Bei 3000 Touren – zwischen 70 und 80 km/h im letzten Gang – ist die Duke nervig. Die Kette schlägt und zupft und ruckt. Unmöglich. Wenn man jedoch richtig angast, lehrt das Fliegengewicht selbst mancher 1000er das Fürchten.» Pit: «Wieselflink, superleicht, mit sattem Drehmoment beginnt jede Kurvensinfonie mit der Duke. Unglaublich, so ein kleines Motorrad und so viel Spass.»

Dennoch ist die schöne Österreicherin nur die siebte Wahl im Test. Hauptkritikpunkte: Sitzkomfort, Preis-Leistungs-Verhältnis, Ergonomie. Von der Leistung des LC4-Aggregats waren alle begeistert, die Motorcharakteristik befanden jedoch nur zwei Leser für gut. Schlechte Zeiten also für Einzylinder-Maschinen.

V-Strom: Das Mauerblümchen
Ein Motorrad, das einfach gut funktioniert? Gestatten: Suzuki DL 650 V-Strom. Die Sugi gefällt durch gutes Handling, ihren kultivierten und drehfreudigen Motor sowie dem praktischen Gepäckträger.

Fazit der Leser: Ein bequemer, aber emotionsfreier Reisebegleiter, der eine edlere Aufmachung verdient hätte. Ihre grössten Fehler? Turbulenzen hinter dem Windschild, schwammige Bremsen ohne klar definierten Druckpunkt – und die Optik. Originalton Hermann: «Design? Hat nicht stattgefunden.» Weitere bissige Kommentare der Testcrew: «Ein Verbrechen … optische Umweltverschmutzung … nennt man das Motorrad?»

Roland Vogts Resümee: «Nicht die schlechteste für Alltag und Reise, aber definitiv auch nicht die schönste.»

Drei Mal ungenügend und zwei Mal mangelhaft für die Formgebung kosten wertvolle Punkte: Platz acht.

Triumph Street Triple: Volks-Brenneisen
Röcheln, fauchen, Kurven kratzen, so charakterisiert man treffend die 675er-Triumph. Sie kann nicht alles perfekt, aber die Summe ihrer Eigenschaften machen sie beim TÖFF-Leser-Masterbike zum Siegertyp: Der Motor eine Perle im stimmigen Gesamtarrangement: Sieben Mal sehr gut, einmal gut und einmal ausreichend.

Hermann: «Ein toller Dreizylinder mit Druck ohne Ende von knapp über Standgas bis in den roten Bereich. Untermalt von einem einmaligen Sound.» Markus übt Kritik an der Gabel: «Sie taucht beim Bremsen zu weit ein. Und mich stört das Gepfeife des Primärantriebs. Ansonsten versprüht die 675er Lebensfreude.»

Auch bei Fahrwerk und Bremsen herrscht Freude. Willy: «Super-Motor, superhandlich.» Roman: «Straff, aber nicht hart, stabil und doch agil.» Hermann: «Das Fahrwerk ist der Hammer. Eine Spur Komfort macht die megahandliche Triumph sogar reisetauglich. Ein Landstrassenfeger par excellence.»

Roland Webers Fazit steht für alle: «Mehr Fahrspass fürs gleiche Geld gibt’s nirgends. Acht Mal sehr gut. Gratulation an Triumph.» Dass die kleine Engländerin dennoch nicht den Sieg einheimst, lässt sich rational nur mit ihrem Hubraum-manko erklären. Wir Schweizer lieben nun einmal grosse, starke 1000er-Maschinen, die TÖFF-Mannschaft ist da keine Ausnahme. Umso erstaunlicher ist dieser hervorragende zweite Platz in der Leser-Wertung.

FZ1 Fazer: Der Muskelprotz
Yamaha versucht, alles gut zu machen, und schlittert gerade deshalb knapp am Podestplatz vorbei. Hermann: «Ihr Motor druckvoll, mit linearem Drehmomentverlauf und viel Schub. Der Vierzylinder zieht früh an, dreht leichtfüssig hoch und powert obenraus voll los. Im Vergleich zur Kawa Z 1000 geht die Yami aber aus niederen Drehzahlen deutlich ruppiger ans Gas. Das kann einem die vorgewählte Linie im Kurvenlabyrinth schon mal verhageln.»

Tolles ABS, sehr spurstabil, die Fazer schreit nach hohem Tempo: Die Bremsen sind über jede Kritik erhaben. Dosierbarkeit, Bremsleistung, Druckpunkt: In diesen Disziplinen bekam die FZ1 beim TÖFF-Leser-Masterbike gute Noten. Warum
es dennoch nur auf Platz vier gereicht hat? Auffällig, dass sieben der neun Lesertester die Ergonomie der Fazer lediglich mit befriedigend bewerteten. Hermann: «Die Fazer leistet sich trotzdem keine wirklichen Schwächen, leider versprüht sie aber wenig Charakter und Charisma.»

Drei Sieger, neun Gewinner
Markus: «Auf unbekannten Strassen durch Täler, über Pässe, an Seen entlang … Es war eine Wonne, 11 Motorräder mit TÖFF zu testen. Denn trotz des Papierkrams mit den Testprotokollen kam der Spass nie zu kurz. Was haben wir gelacht! Es war megacool.»

 

Roland Weber, Oberarth/SZ

Testfahrer-Profil: Alter 46. Roland nennt eine BMW R 1100 RT und eine Moto Morini Corsaro sein Eigen. Fahrweise: Touring und Sport.

Persönliche Testfavoriten: «Ich habe auch bei diesem Test, wie in meinem wirklichen Leben, sowohl einen Alltags-, als auch einen Fun-Favoriten. Letzterer ist, wie könnte es anders sein, die rote Diva aus Italien. Atemberaubend, wie man mit der Ducati Hypermotard aus den Kehren schiessen kann. Leistung ab dem ersten Zentimeter nach oder schon in der Serpentine und eine Geräuschkulisse, die jedem, der auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, Hühnerhaut macht. Mein Alltagsfavorit ist die Kawa Z 1000. Weil das Leben nicht nur aus verkehrsarmen Passstrassen besteht, ist die Grüne für mich das Alltagsbike mit dem grösstmöglichen Fun-Faktor. Am wenigsten mag ich die Kawasaki Versys, die BMW F 800 GS und die Buell.»

Roman Buchs, Aadorf/TG

Testfahrer-Profil: Alter 43, fährt eine Honda Varadero. Fahrweise: Touring und Reisen zu zweit.

Persönliche Testfavoriten: «BMW, Kawa Versys, V-Storm, Transalp. Spass haben alle gemacht, wirklich schlecht war keine. Und doch gab’s viele kleine Unterschiede.

Würde ich vor allem solo fahren: Triumph!! Einfach alles super, was für ein Motor!

Zur Ducati: Ich liebe italienische Töff, aber bitte bequemer. Das gilt auch für die KTM. Hier nervt mich das Konstantfahrruckeln.

Transalp, Versys, V-Storm? Eigentlich meine Bikes, aber alle zu wenig Pfupf für zwei Personen mit Gepäck. Die V-Strom gefällt mir nicht. Versys: null Emotionen, lascher Motor. Ich war ja so gespannt auf die Buell. Der Motor hat Schub, aber Getriebe, Bremsen und vor allem der ‹warme› Sitz – enttäuschend! FZ1 und Z1000: beide gut, aber nicht meine Motorräder. Bleiben also noch die BMWs: Die R 1200 R fahr ich mal in 20 Jahren . Die F 800 GS ist mein persönlicher Testsieger.»

Peter Gähwiler, Gähwil/SG

Testfahrer-Profil: Alter 43. Liebt seine zwei Honda: eine XRV 650 und die SH 300. Enduro und Touring sind die Vorlieben von Peter.

Persönliche Testfavoriten: «Meine Gewinner? Ganz klar Triumph und Ducati. Sieg für die Street Triple, weil sie ein sehr agiles Motörchen hat, das sich mit Biss und Durchzug nicht hinterm Berg hält. Dazu kommt noch ein genial handliches Fahrwerk, ihre sehr gut dosierbaren Bremsen und das äusserst attraktive Preis-/Leistungs-Verhältnis.

Die Ducati ist für mich das charismatischste Bike. Nicht nur optisch. Ihr Motor ist ein Hammer, ihr Sound auch. Wer gerne auf dem Töff herumturnt, findet auf der Ducati Hypermotard das beste Ergonomie-Arrangement.

Gar nicht toll fand ich die 690er KTM Duke. Die ist mir zu ruppig. Die Schüttelei des Einzylinder-Motors in unteren Drehzahlen ist unmöglich, die Sitzbank zu hart. Von den Stelzentourern hat mir die BMW F 800 GS am besten gefallen. Die Kawa Versys ist auch nicht mein Ding: Der Motorlauf im Standgas, die Sitzposition – sie fühlt sich für mich an wie Gummi.»

Willy Gruber, Schlatt/TG

Testfahrer-Profil: Alter 57, fährt privat eine Triumph Tiger und eine Aprilia 450 RVX. Willy liebt Touring und Endurofahren. Die Aprilia hetzt Willy einmal in der Woche auf der Cross-Piste in Schlatt umher, um fit zu bleiben. Willy: «1993 habe ich eine Triumph Tiger gekauft, weil in meinem Bekanntenkreis alle Ténéré und Cagiva, Africa Twin fuhren. 1995 gründete ich den Triumph Tiger Club Schweiz. Ich fahre zur Arbeit mit dem Motorrad und jedes Jahr mit dem Motorrad in die Ferien. Motorräder mit viel Drehmoment faszinieren mich am meisten.»

Persönliche Testfavoriten: «Mein Siegermotorrad heisst BMW F 800 GS, weil die Münchnerin ein gutes Reisemotorrad ist, das als einziges obendrein noch geländetauglich ist. Auf Platz zwei und drei meiner Hitliste? Triumph Street Triple und Ducati Hypermotard. Beide kämen für mich jedoch nur als Zweitmaschine in Frage. Versys, V-Strom und Buell gefielen mir am wenigsten. Ich war drauf und dran, eine Buell zu kaufen, aber seit dem Testride habe ich kein Interesse mehr.» Beim Leser-Masterbike hatte ich sehr den Plausch, die verschiedenen Motorräder zu fahren – sie hatten alle ihren Reiz.»

Hermann Gächter, Unterlunkhofen/AG

Testfahrer-Profil: Alter 47. Fährt im täglichen Leben Ducati Multistrada 1000 und Suzuki DR 650 Dakar. Zum Fahrstil: «Alles, was mit meinen Bikes so geht.»

Persönliche Testfavoriten: «Die Triumph und die Hypermotard müssen sich bei mir den Sieg teilen. Bei der Triumph erstaunt mich, was mit 675 ccm geht. Das Fahrwerk ist super handlich, und auch das Auge freut sich am ansprechenden Design. Und der Preis? Mehr als heiss. Zur Duc: Weil schon eine Multistrada in meiner Garage steht, ist die Hypermotard natürlich mein zweiter Sieger. Ihr V2 macht richtig Druck. Das Fahrwerk stabil, handlich und für mich ausreichend komfortabel. Und das Design: bellissimo.

Silber geht an die Kawasaki Z 1000. Wenn einen Vierzylinder, dann diesen: Kawa-Sound, feine Gasannahme und viel Zupf ab 6000 Touren. Kompakt, handlich …, ein Feger mit toller ABS-Bremse.

Enttäuschend waren für mich die Duke und die
F 800 GS. Auch die Versys ist nichts für mich. Am wenigsten mag ich die Buell.»

Pit Strähl, Kölliken/AG

Testfahrer-Profil: Alter 46, fährt eine Honda RUNE NRX 1800, eine BMW R 1150 RT und den Carver One. Fahrweise: gemütlich bis sportlich.

Persönliche Testfavoriten: «Eigentlich wäre die Ducati meine Geheimfavoritin! Ihr Fun-Faktor ist kaum zu überbieten. Mit ihr habe ich die intensivsten Testkilometer absolviert. Meine Mundwinkel reichten deshalb auch Ohr zu Ohr. Der Windschutz? Weniger als Null. Die Sitzbank? Fakirstuhl, wohl die treffendere Bezeichnung. Die Duke malträtiert ähnlich. Mein persönlicher Sieger, unter Berücksichtung aller Testkriterien, heisst Triumph Street Triple. Eine Überraschung! Ein kleines, budgetfreundliches Kätzchen, das mächtig die Krallen ausfahren kann. Handlich, wendig, wieselflink und reisetauglich. Begeisternd ist ihre lineare Kraftentfaltung mit viel Musik bis in die oberen Drehzahlen. Absolut top das Preis-/Leistungs-Verhältnis. Am Ende meiner Beliebtheitsskala rangiert die vibrierende Buell zusammen mit den emotionslosen hochbeinigen Bikes Suzuki V-Strom, Honda Transalp und Kawasaki Versys. Alle haben mächtig Spass gemacht. Will come back soon …»

Peter Perini, Wohlenschwil/AG

Testfahrer-Profil: Alter 40. Sein Privat-Töff ist eine Honda XRV 650 und eine KTM LC4 620 GS. Fahrweise: Touring und Enduro.

Persönliche Testfavoriten: «Ducati Hypermotard – weil sie Spass macht und Emotionen weckt wie keine andere! Da passt alles: Straffes Fahrwerk, super dosierbare Bremsen und ein Motor mit Drehmoment, dass es einem die Hosen runterreisst.

Platz 2: BMW F 800 GS. Draufsitzen und es passt – bis auf die gewöhnungsbedürftige Blinkerei! Die hat so ein eingebautes ‹Ich-will-jetzt-in-den-Dreck-raus-Gen›; gemütlich rumgurken und sobald ein Schottersträsschen den Weg kreuzt, reisst es einem einfach den Lenker rum, da kann man nichts dagegen machen – Ehrenwort! Wäre eigentlich ein valabler Ersatz für meine Africa-Twin. Platz 3: Kawasaki Z 1000. Kann kaum glauben, dass ich die so bewertet haben soll? Tolles Design, toller Sound, tolle Bremsen, tolles Fahrwerk, tolle Sitzposition – aber halt ein Strassenmotorrad. Passt vielleicht doch nicht so gut zu meiner Bullson-Jacke … Die Buell belegt bei mir den letzten Platz, Versys und V-Strom sind für mich auch nicht der Hit.»

Roland Vogt, Hausen/AG

Testfahrer-Profil: Alter 27, fährt privat eine Suzuki GSX 1100 R und bevorzugt die sportliche Fahrweise.

Persönliche Testfavoriten: «Ich habe die Kawa Z 1000 lieben gelernt. Die grüne Giftspritze bietet Drehmoment satt und eine bequeme Sitzposition. Die ‹Z› bekommt man schnell in den Griff, weil sie klare Rückmeldungen gibt. Der grüne Flitzer verhält sich in Schräglage wie die Lok auf Schienen. Die Yamaha Fazer belegt bei mir Platz 2, weil sie zu aggressiv ans Gas geht. Platz 3 meiner Hitliste: Ducati. Ihr Sound animiert zum Beschleunigen. Mit dem feuerroten Spielmobil kann man es richtig krachen lassen. Jede Kurve lässt sich schnell und zügig nehmen. Ein echtes Funbike. Das Schlusslicht des Tests ist bei mir die Buell Ulysses. Von Schüttler bis zu Eierkocher – es sind viele Worte gefallen. Fakt ist: Der Töff zittert wie ein 90-Jähriger, und die Schaltung hat was vom Traktor. Auch die BMW ‹F› ist für mich ein Altherrentöff. Aber der Sound der Buell ist gigantisch. Überhaupt nicht gefallen hat mir ausserdem die Suzuki V-Strom.»

Markus Hofmann, Fislisbach/AG

Testfahrer-Profil: Alter 43, fährt privat eine Yamaha XJR 1300, eine Suzuki GS 1000 und eine Condor A350. Fahrweise: Sportlich.

Persönliche Testfavoriten: «Mein Sieger heisst Triumph, weil sie sehr handlich und einigermassen bequem ist. Mit der Street Triple macht jede Kurvenstrecke einfach nur Spass. Das Aussehen ist Geschmackssache. Mein Fall ist das Design nicht unbedingt. Aber die guten Charaktereigenschaften und das Preis-/Leistungs-Verhältnis überzeugen. Platz zwei Ducati: Komfort und Design der Italienerin sind auch nicht mein Geschmack. Die Duc punktet aber beim Handling und der Leistung, es macht echt Laune, mit der Duc Pässe zu fahren. Leider ist die Hypermotard zu teuer. Auf dem dritten Rang befindet sich bei mir die KTM Duke 690. Ein feines Spielzeug für zwischendurch, aber nicht besonders bequem auf längeren Fahrten. Die Lastwechselreaktionen der Duke dürften etwas geringer sein. Am wenigsten hat mir die Suzuki und die Buell zugesagt. Die Ulysses ist definitiv nichts für mich. Alles an dieser Maschine erschien mir schwerfällig. Das Motorrad zittert und vibriert wie ein Lanz Bulldog aus den Vierzigern.»

Infos zum Swiss Leser-Masterbike ’09 und anderen TÖFF-Events: hier oder direkt beim TÖFF action team, Postfach, 8603 Schwerzenbach (Absender nicht vergessen), oder Anfrage per Fax an 044 806 55 11.

Swiss Leser-Masterbike die Zweite: 9 Leser und 11 Töff Swiss Leser-Masterbike die Zweite: 9 Leser und 11 Töff © Michael Kutschke
Swiss Leser-Masterbike: vier Tage Kurvenspass mit toller Gruppendynamik Swiss Leser-Masterbike: vier Tage Kurvenspass mit toller Gruppendynamik © Michael Kutschke
Elf aktuelle Bikes der Saison... Das Zielgebiet: Viele Kurven zwischen Alb und Alpen. Elf aktuelle Bikes der Saison... Das Zielgebiet: Viele Kurven zwischen Alb und Alpen. © Michael Kutschke
Die Mission: Alle Macht dem Töff-Volk... Die Mission: Alle Macht dem Töff-Volk... © Michael Kutschke
Kurve folgt auf Kurve. Geraden sind selten... Kurve folgt auf Kurve. Geraden sind selten... © Michael Kutschke
TÖFF Street-Parade mit Lesern TÖFF Street-Parade mit Lesern © Michael Kutschke
Ohne Mampf kein Kampf: Die Geselligkeit kam nie zu kurz Ohne Mampf kein Kampf: Die Geselligkeit kam nie zu kurz © Michael Kutschke
Ohne Worte Ohne Worte © Michael Kutschke
Pause für Mensch und Maschine Pause für Mensch und Maschine © Michael Kutschke
Le Mans-Start: Jeder zu seinem Lieblingstöff... Le Mans-Start: Jeder zu seinem Lieblingstöff... © Michael Kutschke
in der Folge kam es zu Handgreiflichkeiten um die Ducati Hypermotard in der Folge kam es zu Handgreiflichkeiten um die Ducati Hypermotard © Michael Kutschke
Penible Verbrauchsermittlung: F 800 GS, Transalp, Versys und V-Strom waren am sparsamsten Penible Verbrauchsermittlung: F 800 GS, Transalp, Versys und V-Strom waren am sparsamsten © Michael Kutschke
Tägliche Büez: Die Testprotokolle Tägliche Büez: Die Testprotokolle © Michael Kutschke
Markus Hofman: Grinse-Markus Markus Hofman: Grinse-Markus © Michael Kutschke
Roland Vogt: Fräse-Roland Roland Vogt: Fräse-Roland © Michael Kutschke
Peter Perini: Off-Road-Peter Peter Perini: Off-Road-Peter © Michael Kutschke
Pit Strähl: Multikulti-Pit Pit Strähl: Multikulti-Pit © Michael Kutschke
Hermann Gächter: Zupf-Hermann Hermann Gächter: Zupf-Hermann © Michael Kutschke
Willy Gruber: Geniesser-Willy Willy Gruber: Geniesser-Willy © Michael Kutschke
Peter Gähwiler: Paparazzi-Peter Peter Gähwiler: Paparazzi-Peter © Michael Kutschke
Roman Buchs: Reise-Roman Roman Buchs: Reise-Roman © Michael Kutschke
Roland Weber: Allround-Roland Roland Weber: Allround-Roland © Michael Kutschke